Unister-Töchter

Insolvenz-Drama

Seit dem Unfalltod des Unister-Gründers Thomas Wagner vergangene Woche steht es schlecht um die vom Unternehmen betriebenen Internet-Portale: Nach der Dachgesellschaft haben jetzt auch Tochtergesellschaften Insolvenz angemeldet.
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Wer sein Geschlecht auf dem Papier ändern will, muss viele bürokratische Hürden nehmen.

Das Leipziger Internetunternehmen Unister musste in letzter Zeit viel verkraften: Nach dem Tod des Gründers Thomas Wagner und eines weiteren Führungsmitglieds musste die Unister Holding GmbH Insolvenz anmelden. Am Mittwoch folgte dann der nächste Rückschlag, denn auch die Tochtergesellschaft Urlaubstours, die das Unternehmen bereits 2006 mit ins Portfolio aufnahm, ist offenbar insolvent. Das bestätigte auch der vorläufige Insolvenzverwalter des Unternehmens, Prof. Dr. Lukas Flöther. Außerdem hat das Portal U-Deals sich am Mittwoch insolvent gemeldet.

mephisto 97.6 Redakteurin Nina Ulke im Gespräch mit Moderator Alexander Moritz zur wirtschaftlichen Situation des Leipziger Unternehmens Unister:

mephisto 97.6 Redakteurin Nina Ulke im Gespräch zur Situation bei Unister
Sg unister nina

Wie die Verbraucherschutzzentrale Sachsen meldet, müssten Kunden des Reiseveranstalters Urlaubstours aber keine finanziellen Einbußen hinnehmen. Zwar sei die Buchung neuer Reisen auf dem Portal derzeit nicht möglich, durch die Reisesicherungsscheine seien Buchungen von Pauschalreisen aber trotzdem besonders abgesichert. Dass jede Reise  stattfindet könne das Unternehmen aber nicht gewährleisten – die Portale von Unister sind bei einigen Partnern im Zahlungsrückstand. Dann habe man aber Anspruch auf Erstattung des Reisepreises, wie Andreas Eichhorst, Vorstand der Verbraucherschutzzentrale in Leipzig, bestätigt.

In welcher Situation sich andere Unister-Töchter wie Ab-in-den-Urlaub.de und Fluege.de befinden, darüber haben mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker und Moderator Lars-Hendrik Setz gesprochen:

meph 97.6 Redakteurin Marisa Becker im Gespräch zu den neusten Entwicklungen bei den Unister Töchtern
SG Unister

Auf den anderen Portalen, die von Unister betrieben werden, ist eine Buchung noch möglich. Trotzdem soll es auch mit bekannten Reisevermittlern wie Ab-in-den-Urlaub.de momentan Probleme geben, wie MDR Aktuell berichtet. So hätten einige Hotels bestätigt, keine Buchungen des Portals mehr anzunehmen, da diese bei ihnen im Zahlungsrückstand seien.

14.000 Kunden, die auf ihren Gutscheinen sitzen bleiben

Am Donnerstag hat nun auch die Reisetochter Unister Travel Insolvenz angemeldet. Damit steht bereits die fünfte Tochtergesellschaft vor dem Bankrott. Laut Angaben des Insolvenzverwalters Lucas Flöther sollen Buchungen, die ab dem 20. Juli auf den Unister-Seiten getätigt wurden, ab sofort sicher sein. Das gilt auch für Gutscheine, bei denen Kunden eine Reiseleistung ohne ein konkretes Datum buchen und dann nach Verfügbarkeit des Hotels/der Airline ihre Reise planen können. Dafür sorgt laut Flöther der neu erworbene Vermittlerstatus der Portale. Das bedeutet, dass die Unister Travel nun als online Reisebüro fungiert.

Warum 14.000 Kunden von Unister nun voraussichtlich auf ihre Reise und ihr Geld verzichten müssen, das weiß mephisto 97.6 Redakteurin Susi Große: 

mephisto 97.6 Redakteurin Susi Große mit Details zur Insolvenz von Unister Travel
 

Bei Buchungen vor dem 20. Juli verhält sich das anders: Diese Gutscheine werden von vielen Hotels abgelehnt oder es wird eine erneute Bezahlung gefordert. Rund 14.000 Kunden sind von dem Problem betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, die Ansprüche gegenüber Unister geltend machen zu können, ist gering, erklärt Anne-Kathrin Wiesemann, Rechtsreferentin der Verbraucherzentrale Sachsen. Die Insolvenz wirkt nämlich wie eine Sperre, die das Unternehmen von der Rückzahlung des Geldes befreit. Denn das Geld, was Kunden für die Gutscheine bezahlt haben, zählt in die Insolvenzmasse. Wiesemann, weiß, dass das für Kunden nichts Gutes bedeutet:

Das heißt mehr oder weniger, dass der Wert futsch ist. Natürlich kann ich noch meine Ansprüche zur Insolvenztabelle anmelden, aber da wird möglicherweise nur ein kleiner Bruchteil von meinem investierten Geld zurückerstattet.

Anne-Kathrin Wiesemann 

Die Insolvenz von Unister soll Kunden aber nicht davon abhalten, auch künftig online Reisen zu buchen. Schließlich können auch lokale Unternehmen Insolvenz anmelden, erklärt Wiesemann. Außerdem sei man über die Sicherungsscheine bei einer Reise ohnehin abgesichert. 

 

 

 

 

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Marisa Becker
20.07.2016 - 20:01