#kaffeeliebe

Influencerin setzt Kaffee in Szene

Den ganzen Tag Kaffee trinken und davon schöne Fotos machen, so scheint der Alltag einer Kaffee-Influencerin auf den ersten Blick zu sein. Doch was braucht es wirklich für den perfekten Instagrampost?
Alexandra Rothe ist als @milkandcaféblog bei Instagram aktiv.
Alexandra Rothe ist als @milkandcaféblog bei Instagram aktiv.

Es ist halb zehn an einem Mittwochmorgen in einem Bürogebäude am Lindenauer Hafen. Bohnen rattern laut durch das Mahlwerk einer elektrischen Kaffeemühle, während eine junge Frau konzentriert dabei zusieht. Alexandra Rothe ist 29 Jahre alt, hat schulterlanges braunes Haar und trägt ein weißes Spitzenoberteil. Die gemahlenen Bohnen werden von ihr genau abgewogen: 19,1 Gramm sollen es sein, kein Gramm mehr, keins weniger. Sie presst das Kaffeepulver, spannt es in die Siebträgermaschine ein und startet eine Stoppuhr. Es klackt einmal laut, dann läuft das sprudelnde und dampfende Wasser durch die Maschine. Alexandra Rothe konzentriert bei der Zubereitung eines Cappuccinos. Feingefühl ist gefragt, damit Rothe die perfekte Kombination aus Hitze und Durchlaufzeit erwischt. Aber auch das Mahlwerk und die Qualität der Bohnen sind entscheidend, damit der Espresso gelingt. Schnell stellt Rothe zwei Tassen darunter. Oft ist es schon daneben gelaufen, aber diesmal hat sie es geschafft. Fertig ist der Espresso. Aus einem kleinen Kännchen gießt sie Milch hinzu und im Nu wird daraus ein Cappuccino. Noch reicht der eine Versuch selten aus, normalerweise macht sie drei bis vier Espressi, bis sie mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Kaffeezubereitung braucht Geduld

 Sie vergleicht das Kaffeezubereiten gerne mit einem Orchester, dass sich einstimmt.

„Wenn sich ein Orchester einstimmt, erwartet keiner, dass es gut klingt, im Gegenteil. Und so ist es auch beim Kaffeemachen: es gibt viele unterschiedliche Komponenten, auch welche, die man gar nicht sieht. Wenn alles eingestimmt ist, dann funktioniert und dann schmeckt es. Aber ein bisschen Vorlaufzeit braucht man.“

Oft filmt sie sich bei der Zubereitung und lädt den Prozess als Instagram-Story oder als Video hoch. Und auch hier kommt es auf die richtige Komposition von Inhalt, den Lichtverhältnissen und der Kameraperspektive an.

Mit dem Hersteller ihrer Siebträgermaschine kooperiert Rothe gerade. Regelmäßig über das Gerät zu berichten, ist Teil ihres Jobs. Mit den Videos zeigt sie ihrer Instagram-Community aber auch gerne ihre Lernfortschritte.

Besuch in der Rösterei

Nach dem Kaffezubereiten packt Rothe ihre Tasche. Eine Kamera sowie ein Ersatzakku gehören bei ihr zur Grundausstattung. Sie verlässt ihr Büro am Lindenauer Hafen und geht wenige Schritte durch den Nieselregen zu ihrem roten Auto. Als sie den Motor startet, schallt sofort Musik aus dem Radio. Das monotone Quietschen der Scheibenwischer begleitet sie auf dem Weg Richtung Karl-Heine-Straße. Dort hofft sie, die neue Filiale des „Röstguts“ besuchen zu können.

Rothe erzählt, dass sie es liebt, neue Cafés und Röstereien zu testen. Besonders wichtig ist ihr dabei natürlich der Kaffee, aber auch das Ambiente und die Freundlichkeit der Mitarbeitenden. Diese Faktoren sind entscheidend, um auf Rothes Instagramprofil gepostet zu werden.

Das „Röstgut“ im Westwerk

Die Röstgutfiliale liegt im Westwerk, einer alten Industriehalle an der Karl-Heine-Straße. Die Fassade ist aus Backstein, große in Metall gerahmte Fenster lassen Licht auf den grauen Steinboden fallen. Die Halle beherbergt neben einem Konsum auch die kleine Rösterei mit Café. Es riecht verführerisch nach frisch gemahlenen Bohnen. Dort angekommen lässt sich Rothe von der Barista Lea Behne beraten:

„Wir haben einen sehr schönen Teyuna aus Columbien in der Maschine. Die ist schön nussig, hauptsächlich schokoladig und hat eine ganz feine Frucht.“

Rothe kennt die Sorte noch nicht und freut sich zu probieren. Sie setzt sich an einen Tisch im hinteren Bereich der Rösterei. Sie legt ihre Tasche und ihren beigen Mantel ab und sieht sich um. Der Industriecharme des Westwerks lässt sich vor allem an den Verkaufsregalen, die aus Metallrohren zusammengebaut wurden, erkennen. Doch das schwache Licht und die Wahl der Wandfarben sind für Rothe ein Dorn im Auge.

„Also wenn ich in so einen Laden reinkomme, dann denke ich automatisch in Postingfaktoren und Qualitäten und die haben sich leider entschieden, so eine Orange-/Gelbe Wandfarbe zu nehmen, was für Fotos unglaublich schlecht ist.“

Deshalb beschließt Rothe, das Foto außen aufzunehmen. Sie nimmt ihren Cappuccino und verlässt die Rösterei. In der Halle des Westwerks, in der sich das Café befindet, kann sie mit Tageslicht fotografieren. Nach vier bis fünf Schüssen ist sie zufrieden.

„Ich bin das gewöhnt, den Kaffee kalt zu trinken, das macht mir nicht so viel aus“, lacht Rothe.

Damit Rothe mit einem Bild zufrieden ist, kommt es vor allem auf die sogenannte Bildkomposition an. Sie mag es, wenn das Foto sehr symmetrisch ist und wenn unterschiedliche Materialien zusammenkommen, wie Stein und Glas.

„Ich achte auch darauf, ob man, wenn man das Foto sieht, ein Gefühl für den Ort bekommt, ob man verstehen kann, wo der sich befindet und wie es sich anfühlen würde, dort zu sein. Das ist immer mein Anspruch an die Fotos, das man immer schon weiß, was einen dort gefühlsmäßig und optisch erwartet. Jetzt bin ich erstmal für außen zufrieden.“

 

Endlich kann Rothe den Cappuccino probieren. An ihrer Oberlippe bildet sich ein zarter Schnurrbart aus Milchschaum. Auf ihrem Gesicht breitet sich ein zufriedenes Lächeln aus. Es scheint zu schmecken.

Zufällig ist auch Sven Börner, Inhaber und Röster von „Röstgut“ vor Ort. Rothe unterhält sich mit ihm über Projekte und Schwierigkeiten, die in der Leipziger Kaffeebranche aktuell herrschen. So bekommt beispielsweise eine andere Rösterei keine Genehmigung für ihren Röstofen.

Sich gut mit den Röstern und Cafébesitzern zu vernetzen ist für Rothe wichtig, damit sie ihre Community immer auf dem Laufenden halten kann. Anschließend lässt sie sich von Börner den Röstraum zeigen. Große sandfarbene Jutesäcken voller Bohnen liegen in Metallregalen. Rothe streicht mit der Hand über die Säcke und riecht daran. Ihr Highlight ist jedoch der Röstofen. In mattem schwarz lackiert steht er imposant im Raum. Im Vergleich zu anderen Röstöfen scheint dieser besonders schön zu sein.

Sven Börner, Röster und Inhaber der Kaffeerösterei "Röstgut", zeigt Alexandra Rothe seinen Röstraum.
Sven Börner, Röster und Inhaber der Kaffeerösterei "Röstgut", zeigt Alexandra Rothe seinen Röstraum.

 

 

 

 

 

 

Die Arbeit beginnt und endet im Büro

Nach fast zwei Stunden verlässt Rothe die Rösterei wieder. Sie hat alle Fotos und Infos, die sie braucht. Aber es geht ihr um viel mehr als nur die Fotos. Besonders die persönlichen Gespräche mit den Röstern und Café-Besitzenden sind für sie wichtig.

Zurück in ihrem Büro setzt Rothe sich an den Computer. Sie checkt ihre Mails nach wichtigen Anfragen und überträgt parallel die Rösterei-Fotos. Insgesamt werden aus dem heutigen Tag zwei Posts für den Feed und eine Story entstehen. Damit die Beiträge alle zur richtigen Zeit online gehen, arbeitet Rothe mit einem Planungstool. Doch braucht es für sie auch etwas Spontaneität.

„Die Content Creation ist ein Prozess, der sich bis zu einem gewissen Grad vorplanen lässt, aber manchmal braucht man auch einfach mal eine Pause, um das alles zu verarbeiten und sich an manche Details zu erinnern.“

Und so gibt es doch mehr Parallelen zwischen Kaffeemachen und einem Posting auf Instagram, als man auf den ersten Blick denken könnte. Wie beim Brühen von Kaffee, bedarf auch der Instagram-Post eine Menge Vorbereitung und Zusammenspiel bis er geteilt werden kann.

 

 

 

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Nicole Franz
10.06.2020 - 12:54

Alles auf einen Blick:

Name: Alexandra Rothe

Beruf: Instagram-Coach und Coffee-Content-Creator

Instagram: https://www.instagram.com/milkandcafeblog/ knapp 2.800 Follower (Stand: 06.06.2020)

Der Blog richtet sich konkret an Kaffeeliebhaber Deutschlandweit, mit starkem Fokus auf der Stadt Leipzig.

Rothe betreibt den Instagramkanal seit Mitte 2017.