Friedhofskultur

Immaterielles Kulturerbe Südfriedhof

Zwischen Connewitz und Stötteritz liegt ein ganz besonderer Ort: der Südfriedhof von Leipzig. Er zählt zu den schönsten Parkfriedhöfen in Deutschland. 2020 wurde er Teil des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur.
Foto zeigt den Eingang des Südfriedhofs und die Aufschrift "immaterielles Erbe Friedhofskultur".
Der Südfriedhof im Leipziger Südosten gehört zum immateriellen Kulturerbe Friedhofskultur.

Fakten zum Südfriedhof 

Der Name Leipzig kommt aus dem Slawischen und bedeutet so viel wie: "Der Ort, an dem die Linden stehen". Daher wurde auch der Südfriedhof vom Architekten Hugo Licht in Form eines Lindenblattes angelegt. Eröffnet wurde er im Jahr 1886. In der Mitte befindet sich eine Kapelle mit einem 60 Meter hohen Glockenturm. Zu dieser Kapelle führt vom Nordtor und  Haupteingang aus ein breiter Weg - eine der Mittelachsen des Lindenblattes. Hier befinden sich die Gräber bedeutender Persönlichkeiten, wie etwa Widerstandskämpfer:innen im Nationalsozialismus.

Außerdem liegen hier die mindestens 80 Opfer des Massakers im KZ Abtnaundorf. Bei diesem wurden kurz vor der Befreiung des Lagers die Baracken, in denen sich größtenteils Kranke befanden, in Brand gesetzt. Dieser Hauptweg wurde in der DDR zum “Sozialistischen Ehrenhain” umgestaltet, auf dem Demonstrationen stattfanden. Nach der politischen Wende 1989 wurde die Mittelachse erneut der ursprünglichen Gestaltung angepasst.

Das alles ergibt eine einzigartige Struktur des Friedhofparks. Insgesamt ist er 78 Hektar groß und damit unter den größten in ganz Deutschland.

Hier findet ihr den Südfriedhof:

Ein kulturelles Erbe

Seit 2013 ist Deutschland Teil des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung von immateriellem Kulturerbe. Es geht dabei vor allem um den Erhalt von Wissen und Traditionen.

In diesem Video wird das nochmal genauer erklärt:

 

Die Friedhöfe in Deutschland sind seit letztem Jahr Teil dieser Form von Kulturerbe. Der Südfriedhof ist einer von etwa 300, die dafür im Rahmen des Tages des Friedhofs geehrt wurden. Dazu wurde ein großes Schild am Eingang angebracht.

 

Friedhofskultur ist mehr als nur das Trauern an den Grabstellen. Hier begegnen sich verschiedene kulturelle Tätigkeiten. Der Friedhof ist ein Ort für alle. Das bestätigt auch Tobias Pehle, Geschäftsführer des Kuratoriums Immaterielles Erbe Friedhofskultur:

Friedhöfe sind nicht nur Orte der Toten, sondern vor allem Orte der Lebenden. [...] Das heißt Menschen gehen dorthin und trauern dort. [...] Wir bezeichnen die Friedhöfe auch als Deutschlands größte Philosophie Foren. Wir glauben zum Beispiel, dass nirgends wo anders so viel über die Kernfragen des Lebens nachgedacht wird als auf dem Friedhof. Aber es gibt auch weitere Aspekte, zum Beispiel den Tierschutz.

Tobias Pehle, Geschäftsführer des Kuratoriums immaterielles Erbe Friedhofskultur e.V.

Es werden Tote begraben und betrauert, aber auch Gräber gepflegt, es wird sich getroffen und erinnert. Viele Tiere finden außerdem auf dem Südfriedhof einen Rückzugsort in der Stadt. Auch Eichhörnchen, Dachs und Reh sind ein Teil, der das immaterielle Kulturerbe Südfriedhof ausmacht.

Der Friedhof in der Erinnerungskultur

Wir bezeichnen Friedhöfe gerne als sich selbst fortschreibende Geschichtsbücher.

Tobias Pehle, Geschäftsführer des Kuratoriums immaterielles Erbe Friedhofskultur e.V.

Mit seinen fast 135 Jahren ist der Südfriedhof natürlich auch ein wichtiger Teil der Leipziger Erinnerungskultur. Hier liegen einige der berühmtesten Einwohner:innen der Stadt begraben, wie etwa Kurt Masur, Lene Voigt oder Christian Fürchtegott Gellert. Viele der Grabstellen sind außerdem auch künstlerisch sehr anspruchsvoll. Künstler wie Max Klinger und Fritz Behn fertigten kunstvolle Skulpturen in Gedenken an die Verstorbenen.

 

Das Foto zeigt die Grabstelle von Lene Voigt auf dem Südfriedhof.
Grabstelle von Lene Voigt auf dem Südfriedhof.

Doch nicht alle Gräber haben eine solche schillernde Geschichte. Auch Opfer des Nationalsozialismus liegen hier begraben. Viele davon waren gar keine Leipziger:innen und liegen hier in namenlosen Gedenkstätten begraben. Ebenso wurde hier auch in der DDR Menschen gegen den Willen ihrer Familien begraben, um deren Personenkult zu fördern.

Volker Mewes ist amtierender Abteilungsleiter für Friedhöfe beim Amt für Stadtgrün und Gewässer, das seinen Sitz direkt auf dem Friedhof, im ehemaligen Wohnhaus des Friedhofswärters, hat. Er hat uns erklärt, warum die Grabpflege wichtig ist:

Viele dieser Grabmale haben eine persönliche Bedeutung der Menschen, die dort bestattet sind. Ob Verleger, ob Menschen aus der Musikkultur. Und oftmals stehen diese Grabmale unter Denkmalschutz. Sie sind also dauerhaft geschützt.

Volker Mewes, amtierender Abteilungsleiter bei der Friedhofsverwaltung

Geplant ist auch eine Gedenkstätte für Verstorbene aller Religionen, denn viele Menschen verbinden mit dem Südfriedhof christliche Traditionen. Eine solcher Ort könnte das diverse Leben in Leipzig noch besser darstellen.

In Zukunft

Bis jetzt hat sich durch die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe für Friedhofskultur noch nicht viel geändert. Wichtige Merkmale des Parkfriedhofs, wie Natur- und Tierschutz und Denkmalpflege, wurden auch schon vorher gepflegt. In Zukunft soll es noch Änderungen in der Bestattungskultur geben, hin zu gemeinschaftlichen Anlagen. 

Auch Blühwiesen sollen vermehrt angelegt werden. Ein Spaziergang auf dem Südfriedhof lohnt sich also immer.

Frühblüher auf dem Südfriedhof.

 

 

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Mehr Infos hier:

 

 

Öffnungszeiten: 

von April bis September: 07:00 bis 21:00 Uhr 

von Oktober bis März: 08:00 bis 18:00 Uhr 

 

Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: 

Straßenbahn: 2, 15 (Völkerschlachtdenkmal und Südfriedhof)

Bus: 70 (An der Tabaksmühle)