CD der Woche

Im Ohren-Kino der 70er-Jahre

Der Frühling verlangt nach einem würdigen Soundtrack. Ob zum Knutschen auf der Rückbank oder zum ersten Grillen am Cospudener See. Gut, dass der amerikanische Künstler Toro Y Moi mit seinem vierten Album „What For?" um die Ecke kommt.
Toro Y Moi blickt auf seinem neuen Album zurück in die siebziger Jahre.
Toro Y Moi blickt auf seinem neuen Album zurück in die siebziger Jahre.

Er ist vielleicht der sympathischste Hipster der Gegenwart: Hinter dem Namen Toro Y Moi verbirgt sich Chazwick Bundick. Der 28 jährige Graphikdesigner aus Columbia, South Carolina, macht am liebsten alles selbst: Musik, Lyrics oder das Cover-Artwork. Sein erstes Album „Causers of This“ erschien 2010. Die Songs für das Album nahm Bundick noch alleine an seinem Computer auf. Das hat sich mittlerweile geändert. Auf der Tour zu „Causers Of This“ erkannte Bundick, dass seine bisherigen Songs live nur schwer umzusetzen waren und entschloss sich, seine Lieder von nun an mit einer Band einzuspielen. Es folgten Ausflüge in den Psychodelic und Soul der 70er, Spacepop und Boogie der 80er, sowie R&B der 90er. Dabei orientierte sich Bundick immer wieder an Vorbildern, so zum Beispiel dem italienischen Filmkomponisten Piero Umiliani. Das neue Album „What For?“ reiht sich in dieser Hinsicht nahtlos in die Diskographie  von Toro Y Moi ein. Es ist eine Hommage an den Sound der 60er und 70er der Westküste der USA. 

Surfbrettästhetitk in Bild und Ton

Das Album beginnt ungewohnt rotzig: Der Opener „What You Want“ beginnt mit einem rostig-klingenden Auspuff und verspricht Lo-Fi produzierten Sound. Es folgt ein tiefes Gitarrenriff mit Surfrockattitüde. Doch dabei bleibt „What For?“ nicht stehen. Die Bridges sind psychodelisch. So zum Beispiel auf der ersten Single „Empty Nesters“. 

Die Gitarrenriffs sind mal funkig, soulig, mal verspielt, aber nie überzogen oder protzig. Das klingt nach Bee Gees, Fleetwood Mac oder Brian Wilson. Das sind aber nicht die einzigen Assoziationen, die sich mit „What For“ verbinden lassen. Die Songs erzeugen Bilder, die – wie die Artworks von Toro Y Moi – an Filme aus den 70ern denken lassen: Junge Menschen liegen am Strand und wundern sich über die Liebe.

Die hohen und die kleinen Wellen

Das vierte Album von Toro Y Moi spielt liebevoll mit den Gefühlen der Zuhörer. Es verführt dazu, sich in den Klängen der Band fallen zu lassen. Das Einzige, was den Hörer hin und wieder aus den Klangwelten reißt, sind die etwas zu schlichten Lyrics mancher Songs. So zum Beispiel bei „Spell It Out“. Die Verse wirken uninspiriert und wie zum Referat vorgetragen, auf das man sich nicht richtig vorbereitet hat. Doch wo die Texte schwach werden, überzeugt die Musik umso mehr. „Spell It Out“ ist klanglich vielseitig und voller musikalischer Raffinesse. Ähnlich wie die  Post-Trennungs-Ballade „Yeah Right“, dem Rausschmeißer auf "What for?". Trotz seiner lyrischen Schwächen ist das Lied eines der stärksten des Albums: Ein ruhiger Beat mischt sich mit treibenden Chords und einem langen Outro, das den Hörer liebevoll aus seinem Tagtraum entlässt. 

Fazit

Das Album „What For?“ erzeugt eine eigene Welt aus Klängen und Farben – aber wofür? Na klar: Um unaufgeregt zu genießen. Toro Y Moi zeigt, wie das geht und lädt dazu alle ein, die noch immer im Winterschlaf stecken. Das Album ist wunderbare Hintergrundmusik für jedes Rückbankdate. Doch auch wer lieber genau hinhört, wird seinen Spaß haben. Jeder, der jetzt noch kein Auto mit gemütlicher Sitzbank hat, sollte sich schleunigst eins besorgen: Es wird Frühling. 

 

Kommentieren

Lars-Hendrik Setz
07.04.2015 - 00:07
  Kultur

Toro Y Moi: What for?

Tracklist:

1. What You Want*
2. Buffalo
3. The Flight
4. Empty Nesters*
5. Ratcliff
6. Lilly
7. Spell It Out
8. Half Dome
9. Run Baby Run*
10. Yeah Right*

*Anspieltipps

 

 

 

Erscheinungsdatum: 10.04.2015
Carpark Records