Interview

"Ich schreibe halt auch sportlich"

Thees Uhlmann ist Sänger der Band Tomte und auch solo ganz erfolgreich. Jetzt hat er seinen ersten Roman veröffentlicht. Der heißt "Sophia, der Tod und ich" und hat so überhaupt nichts mit Thees zu tun. Behauptet er jedenfalls.
Musiker Thees Uhlmann ist jetzt auch Buchautor.
Musiker Thees Uhlmann ist jetzt auch Buchautor.

Du hast bei Facebook erzählt, dass dich deine Mutter gefragt hat: „Thees, bist du high wegen deinem Buch?“ Die Frage würde ich gerne zurückgeben.

Ja, ich bin high wegen dem Buch. Ich bin high, dass das Buch gut ankommt, ich bin high auf Lesereise zu sein. Ich bin high, das meine Käuferschicht schnallt, was ich mit dem Buch wollte. Dass das so eine Uhlmann-Geschichte ist. Ich bin high, dass das alles ganz neu ist. Dass ich meine ersten Lesungen mache. Die Angst auf’ne Bühne zu gehen, ohne Holzgitarre und sich einfach an ´nen Scheißholztisch zu setzen mit ´nem kleinen Scheißmikrofon drauf und die Lautstärke nicht lauter wird als 60 dB, das ist alles so angsteinflößend. Aber bisher hat alles gut geklappt und davon werd ich total high.

Es gibt einige Musiker aus dem Hamburger Umfeld, die jetzt einen Roman geschrieben haben. Jochen Distelmeyer zum Beispiel oder Frank Spilker. Wie bist du denn zum Roman gekommen?

Ich bin durch Zwang zum Buch gekommen. Ich hab den Vertrag schon seit 12 Jahren. Ich hab damals für ´ne Tomte Platte Linernotes geschrieben. Das fand meine Lektorin toll. Die ist dann direkt nach Hamburg gekommen und am ersten Abend haben wir dann direkt den Vertrag unterschrieben. Nur das Buch ist halt nicht fertig geworden. Nach der letzen Thees Platte haben Tobi aus meiner Band und Rainer mein Manager gesagt: Alter, du schreibst jetzt das Buch. Und ich so: Och nö, muss ich das jetzt auch noch machen. Ich fühl mich halt einfach nie so geil, dass ich mich hinstellen würde und sagen würde (deklamiert): „Ich schreib jetzt ein Buch.“ Nur durch den Zwang von zwei Typen, denen ich künstlerisch und freundschaftlich total vertraue hab ich so viel Selbstbewusstsein, dass ich mich hinsetze und ein Buch schreibe.

Bei einem Buch von Thees Uhlmann erwartet man vielleicht nen Kiez-Roman, was über Hamburg oder das große Buch über Sankt Pauli…

(lacht) (theatralisch) Das große Sankt Pauli Buch von Thees Uhlmann. Nein, ich wollte nichts schreiben, was mit meiner Person zu tun hat. Es gibt keine Zigaretten in dem Buch, es gibt keine Handys und kein Internet. Es gibt keine Städtenamen und keine Musik. Außer Klassik. Aber nicht als geile Musik, sondern als gesellschaftliches Konzept. Es hat mir Spaß gemacht, die Sache so weit weg von mir zu schreiben wie es geht. Raus aus den Sachen, die man sonst so kennt.

Wie du das macht find ich sehr ansprechend. Die Erzählung ist sehr einfach und klar in der Struktur und die Sprache ist sehr bodenständig.

Das ist halt so wie man sich unterhält. Ich wollte das auch nah an der Realität halten. Es gibt eben Leute, die fragen ihre Ex-Freundin, du kannst du bitte mit zu meiner Mutter kommen? Ich pack das alleine nicht.

Also ne Geschichte aus dem Leben. Aber es gibt auch ein fantastisches Element in „Sophia, der Tod und ich“. Um es kurz zusammen zu fassen: Der Tod klopft an die Tür des Ich-Erzählers, etwas geht schief mit dem Sterben und dann sind sie unterwegs mit der Ex-Freundin. Aber dann taucht auch noch ein zweiter Tod auf…

Es gibt eine epische Schlacht zwischen Gut und Böse auf Herr der Ringe Niveau und das in Nordniedersachsen. Ich schreib halt auch sportlich. Nicht drei Seiten darüber wie geil ich Neil Young finde oder Städtenamen wie Niederapfelhofen, damit Leute sagen: Geil, kenn ich. Nein, alles weg, damit sich die Leute ihre eigene kleine Welt zusammen bauen können.

Fühlst du dich jetzt schon in der Literatenwelt angekommen? Jetzt bei der Frankfurter Buchmesse zum Beispiel, der Buchpreis ist gerade verliehen wurden.

(dramatisch) Und ich hab ihn nicht mit meinem ersten Buch bekommen. Was für eine Frechheit. Was bildet sich die Jury ein. Nein, ich komm ja aus der Punkszene und da ist immer ein erstes Mal. Und wenn ich auf der Frankfurter Buchmesse gewesen sein werde, dann ist alles ganz neu für mich sein. Und ich hab wahnsinnige Lust drauf, dass mich meine Lektorin Leuten vorstellt und ich so (tiefe Stimme): Guten Tag, mein Name ist Uhlmann, ich habe ein Buch geschrieben. Das find ich so witzig. Man kann ja nicht immer nur A-Moll und C-Dur spielen sondern muss auch mal paar andere Sachen machen.

Abschließend zum Job, was kommt als nächstes? Nächste Platte nächstes Buch?

Ich hab keine Ahnung. Ich bin jetzt erstmal auf Lesetour im November und im Januar geht es auch noch mal los. Und ich spiel wahnsinnig gern Ukulele zur Zeit. Bei mir in der Nähe ist ein Laden, der heißt Uku-La-La-Land. Da hängen ungefähr 800 Ukulelen rum und da hab ich mir eine gekauft. Ich spiel wahnsinnig gern Ukulele zur Zeit.

Das heißt, wir können von dir Youtube-Videos erwarten, wo du Over The Rainbow spielst?

(Lacht) Nein, aber von Uhlmann und Konsorten kann auf jeden Fall Neues erwarten. Wir bleiben im Game.

 

Im kompletten Gespräch erzählt Thees Uhlmann was er sich vom Tod wünschen würde, wenn er noch 3 Minuten zu leben hätte, was ein Buch mit einer Masterarbeit zu tun hat und welches Buch er wirklich zu erst geschrieben hat.

Redakteur Simon Köppl im Gespräch mit Musiker und Autor Thees Uhlmann.
Redakteur Simon Köppl im Gespräch mit Musiker und Autor Thees Uhlmann.
 

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Thees Uhlmann im Web 2.0

Hier twittert ("twistert") der Chef noch selbst. Freuen Sie sich auf humorvolle Dialoge mit Oliver Polak oder Katrin Bauerfeind. Und Insiderberichte aus den ICEs der Republik. 

Zu Gast auf dem wichtigsten Sofa der Republik: Thees Uhlmann pustet Ballons auf im Neo Magazin Royale bei Jahn Böhmermann.

Und nicht vergessen: Musik macht Thees Uhlmann natürlich trotzdem noch.

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"Sophia, der Tod und ich" ist bei Kiepenheuer und Wietsch erschienen. Die 320 Seiten kosten 18,99 Euro.