Protest gegen Asyl und Moscheebau

Ich bin ja nicht rassistisch, aber...

Sie demonstrieren gegen Asylbewerber und gegen einen Moscheebau, im Internet machen sie mobil gegen alle, die da anderer Ansicht sind. Dennoch wehrt sich die anonyme Bürgerinitiative "Leipzig steht auf" dagegen, als rassistisch bezeichnet zu werden.
Demonstration in Schönefeld gegen eine Notunterkunft von Asylbewerbern

Die neue Initiative "Leipzig steht auf" sollte niemand mit dem Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" verwechseln. Letzteres engagiert sich seit Jahren gegen rechtsextreme und rassistische Entwicklungen in Leipzig. Die LINKE-Stadträtin Juliane Nagel ist die wohl prominenteste Ansprechpartnerin des Netzwerkes. Wer sich dagegen hinter der Initiative "Leipzig steht auf" verbirgt, ist bis heute nicht eindeutig klar. Eine Sprecherin der Initiative will anonym bleiben, nennen wir sie daher für diesen Artikel Susanne Winkler. Nach ihren Angaben arbeitet "Leipzig steht auf" nicht mit der NPD zusammen. Dennoch hat sie nichts dagegen, wenn die rechtsextreme Partei auf verschiedenen Kanälen Werbung für die Initiative macht und bekannte NPD-Gesichter bei ihren Kundgebungen präsent sind.

Toleranz mal anders?

Rassismus muss auch als solcher bezeichnet werden, finden Gegner der anonymen Initiative. Doch genau damit haben Anhänger von "Leipzig steht auf" offenbar ein Problem. Im Interview betont Susanne Winkler, sie sei tolerant und habe nichts gegen Asylanten. Vielmehr ginge es ihr um die Stadtpolitik. Warum sie dann ausgerechnet vor der Notunterkunft in Schönefeld demonstrieren will, kann sie nicht plausibel erklären.  Unglaubwürdig klingt auch die Aussage, mit Fackeln zu demonstrieren, um trotz Dunkelheit gesehen zu werden und sich warm zu halten. Zur Beleuchtung sollten auch Taschenlampen reichen, findet Jürgen Kasek von den GRÜNEN. Von früheren ähnlichen Kundgebungen weiß er: "Das ist ja nicht so, dass die da zusammen um die Fackel stehen und sich die Hände wärmen werden. (...) Das ist für die ganz klar ein Symbol, von der eine Abschreckungswirkung ausgeht."

Zusammen mit Juliane Nagel versuchte Jürgen Kasek daher noch kurzfristig, die Fackeln durch das Ordnungsamt verbieten zu lassen. Dieses Mal blieb es noch bei der Beschränkung auf 25 Fackeln. Nach einer gründlicheren Prüfung könnten die Fackeln aber künftig ganz von derartigen Kundgebungen verboten werden, so Kasek. Beispiele für ein solches Fackelverbot gibt es bereits aus Rötha und aus Pätz (Brandenburg). Allein aus Brandschutzgründen hätten Fackeln auf einer Demonstration nichts zu suchen, meint Kasek, der von Beruf selbst Rechtsanwalt ist.

Eine anonyme Sprecherin von "Leipzig steht auf" über die Beweggründe ihrer Initiative, im Interview mit Rebecca Nordin Mencke

Stereotype ansprechen und hinterfragen

Ähnlich wie Jürgen Kasek und Juliane Nagel warnt der Politologe und Journalist Michael Kraske davor, dass die NPD mit den Themen Asyl und Moscheebau einen Nerv in der Gesellschaft träfe. Diesen Zustand sollte man nicht zu leicht abtun, so Michael Kraske, der den Verlauf der seit einigen Monaten anhaltenden Protestwelle kritisch sieht. Die NPD habe ein Thema gefunden, mit dem sich die meisten Stimmen sammeln und Befindlichkeiten und Ängste schüren ließen, so Kraske.

Er forderte, der Rest von Leipzig müsse nun Stellung beziehen und eine Auseinandersetzung mit der Thematik und Vorurteilen anstreben. „Wir dürfen Stereotype nicht tolerieren. Auch die Politik muss sich trauen, dagegen zu sprechen und muss klar machen: Wenn Menschen hierhin kommen, dann ist das für diese Gemeinschaft absolut tragbar.“

Michael Kraske im Interview mit Constanze Müller über den Umgang mit den Initiativen gegen Moschee und Asylbewerberheim

 

 

Fackeln tun mehr als nur Hände wärmen, viele sehen darin eine Drohgebärde und eine Gefahr. Rebecca Nordin Mencke berichtet über den Verbotsantrag.

Zwischen 700 und 1000 Personen nahmen an einer Gegendemonstration an der Ecke Löbauer Straße und Volksgartenstraße teil. Unterstützt wurde sie unter anderem von Kirchgemeinden, "Refugees welcome", der Willkommensinitiative Schönefeld, Leipzig nimmt Platz! und Leipzig hilft. Die Initiative "Leipzig steht auf" versammelte sich um 19 Uhr zu einer Fackelkundgebung, unter den Teilnehmern der Kundgebung waren auch Mitglieder der rechtsextremen Partei NPD.

 

Über die Ereignisse in Schönefeld berichtet mephisto 97.6-Reporterin Anna Vogel

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Anmerkung: Der Online-Artikel wurde nachträglich bearbeitet. Kommentare, mephisto 97.6 verharmlose die Initiative "Leipzig steht auf", nehmen wir sehr ernst und hoffen weiter auf einen kritischen Austausch mit unseren Hörern und Lesern. In einer früheren Version dieses Artikels gab es Kommentare, die wegen der Umstellung unserer Webseite nicht mehr erscheinen. Wir freuen uns aber trotzdem, wenn Artikel rege kommentiert werden. Neue Kommentare erscheinen wie gewohnt unter dem Artikel. Wir möchten jedoch auch darauf hinweisen, dass mephisto 97.6 bereits zahlreiche kritische Beiträge über Asyl- und Moscheegegner gesendet hat.

 

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