Konzertbericht

I Say Yes, You Say ... Yes!

Vor Kurzem waren Say Yes Dog quasi nur mit einer EP in ganz Europa unterwegs. Jetzt sind sie mit ihrem Debut-Album auf Tour und haben Halt im Täubchenthal gemacht. Im Gepäck hatten sie eine brandneue Lichtinstallation, ältere und neue Songs.
Say Yes Dog im Täubchenthal
Say Yes Dog im Täubchenthal

Erwartungen

Nachdem "Plastic Love" bei uns als CD der Woche vorgestellt wurde und mehrmals die Woche Songs der Platte gespielt werden, kann wohl so gut wie keiner leugnen, Fan der Band zu sein. Dementsprechend groß waren auch meine Erwartungen an das Konzert. Das heißt für mich ein Klang und eine Atmosphäre, die mich für kurze Zeit abschalten und an nichts anderes denken lässt. Musikalisch waren meine Erwartungen klar an den Sound der Band geknüpft. Elektronische Musik mit akustischen Instrumenten, also nicht vom Laptop.

Der erste Eindruck

Für mich sind Konzerte im kleinen Rahmen immer die schönsten. Das heißt nicht, dass ich gerne die einzige Person im Raum bin. Der Raum sollte eben so gefüllt sein, dass Stimmung aber auch eine intime Atmosphäre entstehen kann. Das Clubzimmer im Täubchenthal hat für solche Konzerte genau die richtige Größe. Als gegen halb 9 Jack Chosef als Support auf der Bühne stand, wirkte der Raum noch relativ leer. Zugegeben, seine "Sha"s und "Yeah"s inmitten von wilden Synthie Beats sind für die Mehrheit wahrscheinlich sehr gewöhnungsbedürftig. Nach den ersten paar Songs lockerte das Publikum dann aber doch noch auf. Say Yes Dog betreten die Bühne und spielen, ohne große Worte.

Musik

Die großen Worte braucht es auch gar nicht. Schon während des ersten Songs verdichtet sich die Menge vor der Bühne und alle scheinen gefangen. Und das obwohl die ersten beiden Songs nicht mal Titel des Albums sind. Sowieso orientieren sich Say Yes Dog wenig an ihrem Album. Einige Songs bleiben ungespielt. Zum einen ist das schade, denn gerade "Hold Me" hätte ich gerne gehört. Zum anderen sorgt das aber auch für Überraschungen. So spielen die drei Jungs an mittlerer Stelle zum Beispiel einen improvisierten Jam. "Wir wollen das einfach mal ausprobieren" kündigt Sänger Aaron an und für einen Moment verwandelt sich das Täubchenthal in einen eher düsteren Elektro-Schuppen. Songs wie "Talk", "Plastik", "Girlfriend", "Stronger" und zuletzt auch "Focus" werden trotzdem gespielt und so fehlt mir letztendlich musikalisch nichts. Das Einzige, was ich mich frage ist, wo die vielen akustischen Instrumente sind. Der Großteil der Beats wird über den Drum Computer produziert und das Schlagzeug an sich ist nur ab und zu zu hören. Vor allem Sänger Aarons charismatische und runde Stimme überzeugt jedoch auf voller Länge.

Show

Außer der brandneuen Lichtanlage in Form dreier Buchstaben (eben S, Y und D), die Sänger Aaron auch extra vorstellt, gibt es keine große Lichtshow. Die braucht es auch nicht, denn man merkt sofort, dass die Jungs Spaß daran haben was sie tun. Dass sie das im Gespräch mit dem Publikum nochmal betonen, bestätigt den Eindruck nur noch einmal. Das Publikum tanzt zu allen Songs oder wippt zumindest mit dem Kopf mit. Die Interaktion mit dem Publikum wirkt sehr sympathisch und authentisch. Aaron und Paul erzählen zwischenzeitlich von ihrem letzten Besuch an einem Institut in Ghana und davon, wie viel Spaß sie in dem Moment auf der Bühne haben. Und das spürt man auch. Da wirkt es fast schon lustig, als während des letzten Songs ein Typ mit einer Fernbedienung durchs Publikum drängt, um Lichteffekte an den drei Buchstaben im Hintegrund zu steuern.

Was in Erinnerung bleibt

Auch wenn weniger akustische Einflüsse zu sehen und hören waren als ich erwartet hätte, haben sie definitiv nicht gefehlt. In den knapp 70 Minuten Konzert haben sich meine doch großen Erwartungen an das Konzert mehr als erfüllt. Die Atmosphäre hat mich abschalten lassen und von der guten Laune, die während des Konzerts entstanden ist, zehre ich immernoch.

 

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