Interview: Ezra Furman

"I am a Punk."

Gerade wurde die zweite Staffel der Netflix-Serie "Sex Education" für Januar 2020 angekündigt. Dem Soundtrack zur Serie hat Ezra Furman geliefert. Im Interview spricht der Musiker übers Weglaufen müssen und sein neues Album "Twelve Nudes".
Ezra Furman
Ezra Furman hat dieses Jahr sein achtes Album "Twelve Nudes" veröffentlicht.

“Schrammeliger Folkinfizierter Indierock”: So wird Ezra Furmans Musik oft bezeichnet. Er hätte sicher kein Problem mit dieser Beschreibung. Denn seine Musik ist sowohl von Folk-Legenden wie Bob Dylan, als auch vom “Godfather of Punk” Iggy Pop inspiriert. Aber alles auf Anfang: Furman wird 1986 geboren und wächst gut behütet in Chicago auf. Nach dem Umzug nach Boston findet er an der dortigen Universität drei musikalische Mistreiter und gründet die Band “Ezra Furman and The Harpoons”. 2006 ist es Zeit für ihre erste Platte: “Banging Down The Doors”.

Auf den nächsten beiden Alben findet er immer mehr seinen eigenen Sound. Die schrammeligen Gitarren werden etwas weicher, die Texte dafür immer kryptischer. Ezra Furman beobachtet und versucht auch seine eigene Geschichte zu verarbeiten. Die sei vor allem vom Weglaufen geprägt.

It’s just a thing that’s in my brain, that’s where I have something to say. It might be in my blood since two of my grandparents were refugees from the Holocaust. It might be inherited in some way or something that was just talked about when I was young and just got into my brain.

Ezra Furman im Interview

Wenn er nicht Musiker geworden wäre, wäre er jetzt Rabi. Denn ihm ist seine Religion wichtig. So wichtig, dass er aus spirituellen Gründen nie an Freitagen auftritt. Das war schon so, als sich seine Band “The Harpoons” 2012 für ein Leben abseits der Musik entscheidet und er daraufhin sein erstes Solo-Album "The Year of No Returning" auf den Mark bringt. Er sammelt eine neue Gruppe von Musikern um sich, die erst "The Boy-Friends" und später "The Visions" heißen. Sein sechstes Album “Perpetual Motion People” wird 2015 erstmalig auf einem europäischen Label veröffentlicht, womit er nun auch den internationalen Durchbruch schafft. Trotzdem kündigt Furman einen Sound-Wechsel an und schreibt ein Road-Trip Album..

“Transangelic Exodus” nimmt einen mit auf die Reise von zwei ausgestoßenen Liebenden. Damit meint Ezra Furman auch sich selbst. Er trägt roten Lippenstift, lange Kleider und fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Seiner Religion steht das nicht im Weg, denn er findet sich in seiner Spiritualität wieder.

I move through the world with my transcendent as my companion. I don’t know if I just want a guardian angel or I have a guardian angel. I don’t even know what angels might be if they are real but I go around the word and kind of secretly hold god's hand.

Ezra Furman im Interview

So richtig kann Ezra Furman seinen Unmut gegenüber dem wachsenenden Hass in der Gesellschaft aber nicht hinausschreien. Deswegen entscheidet er sich schon ein Jahr später, im September 2019, sein 8. Album zu veröffentlichen. “Twelve Nudes” entsteht innerhalb weniger Wochen. Bei den Aufnahmen überdehnt er seine Stimmbänder. Das sei nötig gewesen, um das auszudrücken, was ihn schon immer bewegt: Amerikanische Politik, Angst vor Diskriminierung und lieben zu können, wen man will.

Hier könnt ihr das Interview in englischer Sprache hören:

Moderatorin Marie Jainta im Gespräch mit Ezra Furman
Ezra Furman Interview

 

 

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