Ernährung

Hülsenfrüchte statt Tabletten

Wer vegan lebt, muss Tabletten nehmen - so weit das Vorurteil. Das stimmt aber nicht unbedingt. Linsen oder Bohnen können viel ausrichten. Weil die Hülsenfrüchte so vielseitig sind, haben ihnen die Vereinten Nationen gleich ein ganzes Jahr gewidmet.
Viele Veganer müssen Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen.

Erbsensuppe ist gesund! Das haben Ihnen früher womöglich fürsorgliche Hausmänner und -frauen eingetrichtert. Und sie scheinen Recht gehabt zu haben: „Gesundheitsorganisationen auf der ganzen Welt empfehlen den Verzehr von Hülsenfrüchten als Teil einer gesunden Ernährung, um der Adipositas und chronischen Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes und Krebs vorzubeugen“, heißt es in der UN-Resolution zu Hülsenfrüchten – lateinisch „Leguminosae“.

Der Beitrag zum Nachhören: 

Chrisine Reißing über das Internationale Jahr der Hülsenfrüchte
 

Statt Nahrungsergänzungsmitteln

Diese "Leguminosae" umfassen alle Samen oder Körner, die in einer Hülse wachsen. Das können zwischen einer und zwölf Früchte unterschiedlicher Größe, Form und Farbe sein. „Also das kann vom Soja bis hin zur Bohne und Erbse auch noch Linsen umfassen. Aber es umfasst auch noch mehr, zum Beispiel die Lupine und die Kichererbsen“, erklärt Juliane Schubinski. Die Ernährungswissenschaftlerin schätzt Hülsenfrüchte wegen ihrer Mineralstoffe: Magnesium, Zink und Eisen.

Sie sind besonders eiweißreich und ballaststoffreich, besonders dadurch schön sättigend und die Sportler mögen’s auch für Muskelaufbau, weil’s gutes pflanzliches Eiweiß ist.

Ernährungswissenschaftlerin Juliane Schubinski

Hilfreich sind Hülsenfrüchte auch als Fleischersatz für Vegetarier und Veganer. „Die Veganer haben häufig Schwierigkeiten, Eisen aufzunehmen oder vor allen Dingen die Eiweiß-Zusammensetzungen so hinzubekommen, dass sie gutes Muskeleiweis bilden können.“

Robustes Gewächs

Über Hülsenfrüchte kann der Körper dreimal so viel Eiweiß aufnehmen wie über Reis. Zum Beispiel als Falafel, Hummus oder Lupin-Shakes. Aber Hülsenfrüchte kommen nicht nur den Ernährungsgewohnheiten trendbewusster Großstädter entgegen. Sie eignen sich auch für Anbau in Entwicklungsländern. Denn Hülsenfrüchte sind ertragreich, brauchen wenig Wasser und keinen Dünger – und sie machen satt. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere. Noch dazu sind sie nachhaltig:

Hülsenfrüchte haben stickstoffbindende Eigenschaften, die zur Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit beitragen und sich positiv auf die Umwelt auswirken können.

Die Vereinten Nationen

Hülsenfrüchte können somit auch als CO2-neutraler Dünger dienen, als Nahrungsgrundlage für Insekten und auch als Kur für erodierte Ackerböden. Auch die Bundesregierung hat das erkannt: Im Koalitionsvertrag von 2013 hat sie die sogenannte „Eiweißpflanzenstrategie“ beschlossen. Der zufolge sollen mehr Hülsenfrüchte in Deutschland angebaut werden. „So wurde bereits 2012 angestrebt, in der gemeinsamen Agrarpolitik günstigere Rahmenbedingungen für den Leguminosenanbau vorzusehen. Darüber hinaus werden weitere europäische und nationale Instrumentarien eingesetzt, wie das Einstellen von Fördermitteln - nicht zuletzt für die Förderung geeigneter Forschungsvorhaben“, heißt es auf der Website des Landwirtschaftsministeriums. So ambitioniert das klingen mag: Ein letzter Zweifel bleibt bestehen – assoziieren Erbsen, Bohnen und Linsen doch unweigerlich… Blähungen. Ernährungswissenschaftlerin Juliane Schubinski sagt: „Ja, Hülsenfrüchte sind blähend. Es gibt aber auch zum Beispiel die roten Linsen, die sind schon geschält und verursachen dadurch weniger Blähungen.“

 

Kommentieren

Die Vereinten Nationen haben 2016 zum Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte ernannt. Nicht nur, weil Linsen und Co. so Gesund sind und beim Abnehmen helfen. Sie sind auch besonders Nachhaltig und können helfen, den Welthunger zu bekämpfen.