Digitalisierung

Höher, Schneller, Weiter

In der Wirtschaft gilt generell: Wettbewerb garantiert Innovation. Geht es ums Internet, scheint dieses Prinzip nicht zu funktionieren. Technisch sind viel höhere Bandbreiten möglich als den Verbrauchern gegenwärtig zur Verfügung stehen.
Glasfaserkabel
Sackgasse Kupferkabel?

Der Videostream läuft problemlos und auch das Herunterladen eines Musikalbums dauert wenige Minuten. Vor allem bei allgemeinen und alltäglichen Anwendungen kommt der Datenfluss im Internet nur selten ins Stocken. Doch jeder der selbst schon mal einen längeren Film mit hoher Auflösung hochgeladen oder verschickt hat weiß: Das dauert ewig. Sollte die Technik nicht mittlerweile weiter sein?

Glasfaser für die Zukunft

Tatsächlich gibt es bereits seit Ende der sechziger Jahre das Glasfaserkabel. Ein Übertragungsmedium, das mit Lichtgeschwindigkeit größte Datenmengen von A nach B verschicken kann. Dabei ist die Glasfaser dreißigtausend Mal schneller als das Kupferkabel. Auch bei größeren Entfernungen ist die Glasfaser zuverlässiger als das Kupfer. Kupferleitungen sind außerdem extrem störanfällig und müssen in einem gewissen Abstand zu anderen Leitungen liegen.

Im Gegensatz zur Glasfaser hat die Kupferleitung den Vorteil, schon überall vergraben zu sein. Die Infrastruktur ist also bereits vorhanden gehört aber größtenteils der Telekom. Die ist im Rahmen der Privatisierung des Bundesministeriums für Post und Telekommunikation gegründet worden erzählt der Pressesprecher der Telekom, Georg Wagner. Mit der Privatisierung habe man eine Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes erreichen wollen. Man erhoffte sich für die Kunden bessere Produkte und niedrigere Preise. Gleichzeitig erhoffte man sich, dass es technologisch voranginge und, dass neue Technologien schneller Einzug in den Markt erhalten. Auch neue Anbieter hatten nun die Möglichkeit in dieser Branche aktiv zu werden. Doch mit der vorhandenen Infrastruktur hatte die Telekom einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Der ehemalige Monopolist

Seit der Privatisierung vermietet die Telekom ihr Netz auch an andere Anbieter. Die Preise werden dabei von der Bundesnetzagentur festgelegt. Dadurch wird das alte Monopol gesteuert, aufgebrochen und es kann Wettbewerb geben. Immerhin sind die Tage teurer Ferngespräche vorbei. Noch im Jahr 1996 kostete die Gesprächsminute umgerechnet 32 Cent.

Doch wo bleibt der Gigabit-Anschluss? Die Siedlungsdichte in Deutschland könnte das Problem sein. Das geht aus dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur 2016 hervor. Im Vergleich zu anderen Industrienationen wie Frankreich leben in Deutschland viel mehr Menschen in kleineren Gemeinden. Dadurch müssen wesentlich größere Entfernungen mit Kabeln überbrückt werden. Und genau hier entstünden die hohen Kosten beim Ausbau der Infrastruktur, schildert Georg Wagner.

Das Teuerste am Verkabeln in der Bundesrepublik Deutschland ist das Eingraben des Kabels in den Boden. Jeder Kilometer Tiefbau kostet zwischen siebzig und neunzigtausend Euro.

Georg Wagner, Pressesprecher Telekom

Große Telekommunikationsunternehmen machen sich deshalb zurecht Sorgen um ihre Gewinne. Der teure Infrastrukturausbau lässt sich nur schlecht refinanzieren. Immer wenn in der Vergangenheit schnellere Standards eingeführt wurden, fielen die Preise. Und das jedes Mal schneller. Das lässt sich anhand einer Grafik aus der Breitbandbandstudie Sachsen 2030 zeigen.

Verfügbarkeit und Angebot von DSL Anschlüssen
Grafik zum Preis je Monat von verschiedenen Internetanschlüssen aus der Breitbandstudie Sachsen 2030

Die Endkunden sind nicht bereit, für objektiv bessere Leistungen mehr Geld zu bezahlen. So lässt sich das Preisniveau, das ein schnellerer Anschluss rechtfertigen würde, nicht halten. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass sich der Unterschied nicht greifen lässt. Oder würden Sie etwa den Unterschied zwischen einem 50 Mbit und einem 100 Mbit Anschluss erkennen?

Die Kuh wird gemolken

Anstatt flächendeckend Glasfaserkabel zu verlegen, versucht man möglichst viel aus dem alten Netz herauszuholen. Deshalb lassen sich Ingenieure immer wieder Technologien einfallen, wie zum Beispiel das sogenannte Vectoring erklärt Chris vom Hackerspace sublab.

Um höhere Bandbreiten zu erzielen ist Vectoring entwickelt worden. Das verringert hauptsächlich, dass sich Übertragungen in dem Kupferkabel gegenseitig stören.

Chris, sublab Leipzig

Das lohnt sich, wenn man das vorhandene Netz besser Nutzen und kurzfristig Gewinne verzeichnen will. Doch irgendwann stößt das Kupfernetz an seine Grenzen. Die Datenmenge im Netz wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Deshalb sollte es sich eigentlich lohnen in eine Glasfaserinfrastruktur zu investieren, um langfristig mit der technischen Entwicklung mithalten zu können.

Der mitteldeutsche Internetanbieter "HL komm" betreibt in Leipzig sein eigenes Glasfasernetz. Damit sei man optimal auf die zukünftigen Datenmengen vorbereitet, sagt der Geschäftsführer Erik Dähne. Die Möglichkeiten seien nicht einmal ausgeschöpft. Allerdings müsse die physische Infrastruktur nicht mehr angefasst werden, um das Potenzial der Glasfaser ausschöpfen zu können. Lediglich müssten Verstärker ins Netz integriert oder die Aufteilung des Netzes anders gestaltet werden. So könne man ohne großen Aufwand bedarfsgerechte Investitionen tätigen. Je nachdem welche Kapazitäten, an welcher Stelle gebraucht würden.

Die Qual der Wahl?

In Deutschlands Großstädten gibt es viele Anbieter, die lokal agieren und auf Glasfaser setzen. Doch auch hier in Leipzig garantiert der freie Wettbewerb nicht immer die bestmögliche Netzanbindung. Die Telekommunikationsunternehmen kooperieren oft mit Wohnungsbaugesellschaften. Oft liegt an ganzen Wohnungsbeständen nur ein Anbieter an. Der Wettbewerb findet auf Ebene der Vermieter statt. Um Diese buhlen die Unternehmen. Um Investitionen finanzieren zu können, müssen die Unternehmen langfristig genügend Abnehmer für die eigenen Dienstleistungen haben. Die Kooperation mit den Wohnungsbaugesellschaften bedeutet Planungssicherheit. So lassen sich übrigens auch die langen Laufzeiten für Internetverträge erklären.

Als Mieter kann ich deswegen aber nicht immer frei zwischen den Angeboten auswählen. Kooperiert mein Vermieter zum Beispiel mit der primacom oder mit Kabeldeutschland, bin ich auf das Fernsehkabel angewiesen. Dies kann bisher den Bedarf von Privatkunden decken. Aber so zukunftssicher wie die Glasfaser ist es nicht. Achim Lohse vom Dezernat Arbeit und Wirtschaft der Stadt bescheinigt Leipzig eine gute Basisinfrastruktur. Er zeigt sich aber nachdenklich, was die Zukunft betrifft. Die Kapazität des Datenvolumens habe sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht. Ausgehend von dieser Entwicklung dürfe man sich nicht auf der vorhandenen Infrastruktur ausruhen.

Wir müssen wirklich probieren insbesondere den Glasfaserausbau voranzutreiben, weil der eigentlich die starken Kapazitäten hat.

Achim Lohse, Stadt Leipzig Dezernat für Arbeit und Wirtschaft

Zurzeit läuft deswegen eine vom Bund finanzierte Analyse, die im Herbst veröffentlicht wird. Daraufhin wird die Stadt entscheiden, ob sie mit Geldern von Bund, Land und Kommunen Netzinfrastrukturprojekte unterstützen will. Ob dieser Ausbau schnell oder langsam vonstatten geht, hängt in diesem Fall davon ab, ob Steuergelder genutzt werden oder nicht. Der freie Markt setzt bisher mit wenigen Ausnahmen auf veraltete Technologien.

Es bleibt also abzuwarten, wie sich das Netz in Leipzig weiter entwickelt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gilt Leipzig in Sachsen als Nummer eins bei der Breitbandversorgung. Damit liegen wir sogar noch vor der Landeshauptstadt Dresden. Ob das so bleibt, zeigt sich dann nach der abgeschlossenen Analyse im Herbst. Dann wird hoffentlich auch klar, welcher Anbieter wo vertreten ist. Eine entsprechende Marktabfrage hat bereits stattgefunden.

Sämtliche Informationen können Sie auch im Beitrag von mephisto 97.6-Redakteur Max Öyvind Wiesner nachhören:

Ein Beitrag von Max Öyvind Wiesner.
0407 Innovation Wirtschaft
 

Kommentieren