Frauen am Arbeitsmarkt

Höchste Beschäftigungsquote in Sachsen

Sachsens Frauen gehen bundesweit am häufigsten einer Beschäftigung nach. Wie die Bundesagentur für Arbeit am internationalen Frauentag bekannt gab, liegt die Beschäftigungsquote im Freistaat bei über 60 Prozent. Ein Grund: Die DDR-Sozialisation.
Auch die Beschäftigungsquote macht Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich.
Auch die Beschäftigungsquote macht Unterschiede zwischen den Geschlechtern deutlich.

In Leipzig leben rund 10.000 Frauen mehr als Männer. Seit zehn Jahren wächst die Zahl und mit ihr die Beschäftigungsquote unter den Frauen: Knapp 60 Prozent der Leipzigerinnen gehen einer Arbeit nach. Laut Bundesagentur für Arbeit steht die Messestadt dem Freistaat also in nichts nach. 

Strukturelle Unterschiede zeichnen sich nicht etwa zwischen Provinz- und Metropolregionen in den Bundesländern ab. Vielmehr sind es die neuen Länder, in denen deutlich mehr Frauen arbeiten gehen. mephisto 97.6-Redakteur Merten Waage und Moderator Magnus Folten zum West-Ost-Gefälle und möglichen Ursachen: 

Merten Waage und Magnus Folten zu den Zahlen der Bundesagentur.
 

Ist es nur das DDR-Relikt? 

Gründe für die Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gibt es freilich viele. Die DDR-Sozialisation ist einer der strukturellen. Unter dem SED-Regime galt die Gleichstellung im Arbeitsleben als Staatsräson, schließlich war die Werktätigkeit ein wichtiger Schritt in Richtung einer sozialistischen Persönlichkeitsentwicklung. Ob und inwieweit sich hinter dem hehren Ziel ökonomische Gründe verbergen, darüber streitet die Wissenschaft.

Ein Grund für die hohe Beschäftigungsquote im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt liegt vor allem an der traditionell hohen Erwerbsneigung der sächsischen Frauen.

Klaus Schuberth, Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit

Neben derlei historisch, staatstragenden Gründen für die höhere Beschäftigungsquote unter ostdeutschen Frauen kommen jedoch auch weit praktischere Umstände hinzu: Das niedrigere Lohnniveau in den neuen Ländern mache eine Berufstätigkeit des Partners schlicht notwendig, so die Begründung der Bundesagentur für Arbeit.

Fast die Hälfte aller Frauen arbeitet jedoch nur in Teilzeit. Sie würden häufig nebenher Kinder oder kranke Familienangehörige betreuen. Es gibt aber auch neue Entwicklungen am Arbeitsmarkt: Hermann Leistner von der Agentur für Arbeit erklärt, dass es auch so genannte Patchworkverhältnisse gibt, in denen Frauen verschiedenen Teilzeittätigkeiten nachgehen, die insgesamt eine Vollzeittätigkeit ergeben. Die Arbeitswelt habe sich dahingehend sehr verändert. Außerdem sind Frauen auch heute noch oft in traditionellen Berufen, zum Beispiel als Krankenpflegerinnen und als Servicekräfte tätig. Allerdings steigt die Dichte von Frauen in Führungspositionen zunehmend.

Mephisto 97.6-Redakteurin Johanna Bleuel hat Stimmen und Eindrücke dazu:

Johanna Bleuel zum Frauentag.
 

Doch Frauen und Männer verdienen noch nicht überall das Gleiche. Einer der Hauptgründe für die Ungleichstellung ist immernoch die Einteilung in traditionelle Frauen- und Männerberufe. Bei gleicher Arbeit verdienen Frauen durchschnittlich 7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

 

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Paul Hildebrand
08.03.2016 - 12:22

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