Musik-Highlights: KW25

Hip-Hop, Trash und Feierei

Musik macht Spaß, das ist kein Geheimnis. Für ein besonders spaßiges und interessantes Wochenende haben wir uns mal wieder umgehört und die spannendsten Releases der Woche zusammen gesammelt.
Musikhighlights der Woche KW25
Musikhighlights der Woche KW25

Frisch Gepresst: unser Album der Woche ist "Self Made Man" von Larkin Poe. Die Rezension findet ihr hier.

Juse Ju - "Millenium"

Album-VÖ: 19.06.2020

Juse Ju ist einer dieser Rapper, die kein Problem damit haben alles über sich zu erzählen. So gibt uns der Rapper ohne Heimat auf „Millenium“ wieder einmal tiefe Einblicke in sein Leben. 

Er erzählt er seinen Zuhörern zum einen Geschichten aus seinem Jahr im Zivildienst in der geschlossenen Psychiatrie - in der Singleauskopplung „TNT“. Oder von seinem verstorbenen Onkel auf „Unter der Sonne“.
Juse Jus Storytelling ist sehr detailliert, jede Situation und Geschichte wird mit vielen Bildern und Vergleichen deutlich gemacht. Die Beats werden jedoch eher einfach gehalten und wirken deshalb manchmal als würden sie nur so vor sich hinplätschern. Das Album wirkt dabei jedoch keinesfalls verkopft und sentimental. Denn es gibt auch Tracks, auf denen der Rapper seinen Aggressionen freien Lauf gelassen hat, zum Beispiel gegen Autos. Auf „Ich hasse Autos“ verkündet er, dass es ihm da gar nicht mal um den Klimaaspekt geht, denn:

„Klima ist mir doch egal, ich hass‘ auch Elektrosmarts“

Juse Ju in "Ich hasse Autos"

Unterstützung bekommt er hier von Antilopen Gang-Mitglied Panik Panzer, der schon des Öfteren mit Juse Ju auf Tracks vertreten war. Und auch sein alter Kollege Bonzi Stolle, mit dem er das Duo Massig Jiggs hatte, ist dabei. Doch es werden nicht nur Fahrzeuge gedisst, sondern auch Antisemiten, Rassisten und Konservative. Und mit wem würde das nicht besser gehen als mit dem Rapper Milli Dance von Waving The Guns. 

Wie auch schon auf dem vorherigen Album „Shibuya Crossing“ thematisiert Juse Ju auf dem Track „Model in Tokyo“ auch wieder seine Zeit in Tokyo. Eine weitere Japan-Referenz ist auf „Sayonara“ zu hören. Hier wurde ein japanisches Sample aus einem alten Anime als Hook benutzt. 

Im Endeffekt ist „Millenium“ ein Juse Ju Album was die Erwartungen erfüllt. Besonders innovativ ist es jedoch nicht. Für Fans ist es aber allemal interessant, da Juse Ju nochmal neue Geschichten direkt aus seinem Leben erzählt. 

Emma Dressel

Amnisa Scanner - "Tearless"

Album-VÖ: 19.06.2020

Wer den Sound von Amnesia Scanner zutreffend beschreiben will, muss schon ungewöhnliche Vergleiche heranziehen: „Als würde Pop-Musik gegen eine Betonwand krachen“; „wie die kaputte mp3-Datei eines Marilyn-Manson-Songs“; „Millenial-Avantgarde-Elektro-Grunge“. Solche Umschreibungsversuche zeigen nur im Ansatz, wie verrückt dieses postmoderne Spiel mit Sounds und Genres ist.
Die beiden in Berlin ansässigen Finnen Ville Haimala und Martti Kalliala dekonstruieren Klischees aus Pop, Heavy-Rock und EDM und machen daraus einen Glitch-Soundbrei, der teils heillos überfordert, teils seltsam eingängig wirkt. Die Liebe der Finnen zu übersteigertem Autotune und Sound-Processing klingt oft trashig, dabei aber auch ziemlich düster, was kein Zufall ist: ihr neues Album „Tearless“ bezeichnen Amnesia Scanner sogar als „Trennungs-Album mit dem Planeten“, und prophezeien den bevorstehenden Weltuntergang.
Dank Gästen wie der brasilianischen DJane LYZZA, die dem Song „AS Going“ einen tanzbaren Reggaeton-Stempel aufdrückt, und der peruanischen Sängerin Lalita, die ihre intensiven Stücke hier auf Spanisch performt, hat das Album auch den passenden globalen Anstrich. Amnesia Scanner verpacken den Effekt einer drogenreichen Rave-Nacht (inklusive Nachwirkungen) perfekt in eine halbe Stunde Musik. Wer die nötige Migräne-Toleranz mitbringt, dem sei „Tearless“ ans Herz gelegt.

Martin Pfingstl

Noname - "Song 33"

Single-VÖ: 18.06.2020

Mit nur knapp über einer Minute Länge ist „Song 33“ eine eher ungewöhnliche Single. Die US-amerikanische Rapperin Noname nutzt aber die volle Laufzeit ihrer ersten Single diesen Jahres, um die problematische Zustände und den Rassismus in den USA anzuprangern. 

Nach einem Austausch von Tweets über das Schweigen und die Passivität von bekannten Rappern gegenüber der Black Lives Matter Bewegung, adressiert und antwortet sie mit "Song 33" vor allem Rapper J.Cole. Dieser veröffentlichte letzten Dienstag in Reaktion auf die Tweets die Single „Snow on tha Bluff“. Darin stellt er Nonames Kritik an ihm in Frage.

Mit „Song 33“ reagiert sie jetzt darauf. Und stellt ihm deutlich die Frage: warum sprichst du über mich und nicht über die wirklichen Probleme?

But niggas in the back quiet as a church mouse
Basement studio when duty calls to get the verse out
I guess the ego hurt now
It's time to go to work, wow, look at him go
He really 'bout to write about me when the world is in smokes?

Noname in "Song 33"

Noname ist in ihrer Musik schon immer sehr offen über ihre Lebenserfahrung als schwarze Frau in den USA, auch in den schon im letzten Jahr erschienenen Vorgänger-Singles „Song 31“ und „Song 32“. Das (wahrscheinlich) dazugehörige Album „Factory Baby“ ist schon angekündigt, aber hat noch kein Release-Date bekommen. Es heißt also abwarten und sich über die wirklichen Probleme informieren. 

Henriette Seifert

Ashnikko - "Cry" feat. Grimes

Single-VÖ: 17.06.2020

Die US-amerikanische Musikerin Ahnikko (bürgerl. Ashton Nicole Casey) kann man leicht als eine Art Aushängeschild für Millenials und die Generation-Z sehen. Ihren ersten Hit hatte die 24-jährige letztes Jahr mit dem Song „Stupid“ vor allem dank dessen Popularität auf der Lip-Sync-App TikTok.
Ihr Auftreten ist schrill und aggressiv und mit ihrer Mischung aus breitbeinigem Trap und rotzigem Elektropop trifft sie auch musikalisch ziemlich genau den Nerv der Zeit. Dass Ashnikko nicht nur Influencerin ist, sondern genauso von der Musik ihrer frühen Jugend beeinflusst wurde, beweist sie mit ihrer neuen Single „Cry“. Dort hört man neben den typischen Trap-Hi-hats auch Numetal-Gitarren a la Linkin Park, einen epischen Refrain wie bei Evanescence und eine Gesangsstil bei dem Ashnikko mehr als nur ein bisschen an Avril Lavigne erinnert. Kurzum: der Track erweckt die frühen 00er-Jahre zu neuem Leben. Kein Wunder, dass auch Retro-Futuristin Grimes hier für die Bridge vorbeischaut. Großer Trash, bei dem man sich ganz ungeniert wieder wie 15 fühlen kann.

Martin Pfingstl

 

 

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Juse Ju

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Noname

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