Künstler in Leipzig

High-pitched – aber tiefgehend

Ásgeir Trausti Einarsson ist Islands aktueller Senkrechtstarter. Von jetzt auf gleich stürmte der junge Musiker mit seinem Debütalbum bereits vor zwei Jahren die isländischen Charts. Derzeit ist er auf Europatour und zieht sein Publikum in den Bann.
Das Konzert von Ásgeir fand im UT Connewitz statt

Von den etwa 320.000 Einwohnern Islands ist etwa jeder Zehnte im Besitz des Albums "In the Silence" – oder im Originaltitel "Dýrð í dauðaþögn". Um seine Musik aber weltweit zugänglich zu machen, hat Ásgeir Trausti in Zusammenarbeit mit dem Musiker John Grant eine englische Version produziert. "Mein Bruder Steni war die Verbindung zu John. Er hat ihn gefragt, ob er mit uns zusammenarbeiten würde", erzählt Ásgeir während sein Bruder zustimmend nickt. Die beiden sind allgemein eher wortkarg. "Das ist schon irgendwie typisch isländisch", meint Ásgeir. "Es ist zwar sehr unterschiedlich, aber bei uns trifft dieser Stereotyp auf jeden Fall zu", erwidert Steni. Auch auf der Bühne dreht sich alles einzig und allein um die Musik. Stets ein schüchternes "Thank you!", aber mehr bekommt man von den Jungs auf der Bühne nicht erzählt. "Ich mag das einfach nicht so. Ich spiele einfach meine Musik", erklärt Ásgeir. Viele Worte braucht es bei der melancholischen, folkigen Musik aber auch gar nicht. Alles, was man braucht, sind die melodischen Gitarren, die fast verspielten Beats und natürlich die Kopfstimme von Ásgeir und seinem Kollegen Julius. Ähnlich wie etwa bei James Blake oder Bon Iver ist die Musik spannungsgeladen – und doch verlässt man den Konzertsaal so entspannt wie nie.

 
Marieke Wolter hat das Konzert von Ásgeir im UT Connewitz besucht und berichtet Moderatorin Conny Müller davon.
 

Vor dem Konzert hat Marieke Wolter mit Ásgeir gesprochen: 

In der Grundschule habe ich gelernt, dass es in Island beheizte Straßen und Gehwege gibt. Also muss es für Straßenmusiker ja ziemlich angenehm sein. Warst du jemals als Straßenmusikant unterwegs?

Tatsächlich ja, in einem Sommer habe ich das bei einer Künstlerveranstaltung, wo ich gearbeitet habe, gemacht. Ich und mein Kumpel sind rausgegangen und haben eine Weile gespielt. Das war aber nicht um Geld damit zu verdienen, sondern einfach nur aus Spaß. Viele Musiker machen sowas um ihre Songs nicht nur auf der Straße zu präsentieren, sondern auch in Clubs. Mit meinem Projekt war es eher so, dass ich einfach diesen Produzenten in Island angerufen habe, obwohl ich niemals zuvor mit ihm gesprochen hatte. Ich hab ihm ein paar meiner Demos gegeben und habe ihn gefragt, ob wir in seinem Studio produzieren könnten. Ihm haben meine Sachen gefallen und wir ein bisschen ausprobiert. Nach zwei Wochen ist mein erster Song in Island schon ganz schön erfolgreich gewesen. Das war das erste Mal, dass ich irgendwas mit meiner Musik gemacht habe und sie vor einem Publikum gespielt habe.

Die isländische Version deines Debütalbums wurde im Jahr 2012 veröffentlicht. Jetzt haben wir schon 2014. Hast du die letzten zwei Jahre genutzt, um an einem neuen Album zu arbeiten?

Seit 2013 haben wir viele Konzerte gespielt. In der Zeit haben wir einen Vertrag mit dem kleinen britischen Label namens One Little Indian unterzeichnet. Dann haben wir uns entschieden, das Album auch auf Englisch zu produzieren und es überall in der Welt zu veröffentlichen. Also haben wir Anfang 2013 begonnen, auch außerhalb von Island Gigs zu spielen. Und seitdem sind wir eigentlich durchgehend auf Tour, bisher hauptsächlich in Europa. Als Nächstes konzentrieren wir uns dann auch auf Amerika. Also wird dieses Album sicher noch bis 2015 auf Tour sein. Das ist ein sehr langer Prozess für dieses eine Album. Was das Songschreiben angeht, bin ich damit beschäftigt. Allerdings meistens nur, wenn ich zu Hause bin, denn ich schreibe am liebsten, wenn ich ganz für mich alleine bin. Auf Tour geht das nicht, da bist du ständig unter Leuten. Also denke ich, wenn wir 2015 Zeit finden, dann werden wir sicher am nächsten Album arbeiten. Wann genau, weiß ich aber noch nicht.

Welche Version deines Albums ist dir am Liebsten?

Eher die Isländische. Als wir die englische Version fertiggemacht haben, waren wir ja schon ein Jahr mit dem Album unterwegs und da hat man sich dann schon dran gewöhnt. Irgendwann wirst du wie betäubt, wenn du Lieder immer wieder spielst. Dann weißt du gar nicht mehr, wie du darüber denkst. Dann ist es eben einfach, wie es ist.

Denkst du, die isländische Version ist ehrlicher und eher du selbst?

Für mich ist es einfach viel natürlicher, auf Isländisch zu singen und da ist so viel Schönes in dieser Sprache und in den Texten, die mein Vater geschrieben hat.

Hat dein Vater diese Gedichte schon vorher gehabt, oder hat er sie extra als Liedtexte für deine Lieder geschrieben?

Ich habe die Lieder geschrieben und sie ihm geschickt. Ich hab ihn gefragt, ob er dazu passende Texte schreiben kann. Seit ich ungefähr 13 war, habe ich immer schon Lieder zu seinen Texten geschrieben, also war es auch ziemlich einfach, es diesmal andersrum zu machen.

Vor Kurzem ist das Video zu deiner aktuellen Single "Going Home" erschienen. Worauf freust du dich am meisten, wenn du wieder nach Hause nach Island kommst?

In meinem eigenen Bett zu schlafen wäre toll. Einfach wieder zu Hause zu sein und nicht die ganze Zeit auf Reisen zu sein. Das ist schon ganz schön anstrengend, von Stadt zu Stadt zu reisen. Meistens macht es natürlich Spaß, einfach mit einer Gruppe Freunden unterwegs zu sein, aber einfach zu Hause bei der Familie zu sein, ist schön.

 

In deiner high-pitched Art zu singen erkennt man viel Ähnlichkeit zu Bon Iver und Anthony and the Johnsons. Was inspiriert dich beim Songschreiben und beim Singen?

Vor allem ist das einfach meine natürliche Stimmlage. Ansonsten habe ich, bevor ich das Album angefangen habe, sehr viel von Justin Vernon bzw. von Bon Iver gehört. Als ich jünger war, hab ich auch viel von Anthony und Sígur Ros gehört. James Blake hat mich sicherlich mit elektronischen Parts beeinflusst.

 

Das Interview mit Ásgeir können Sie hier nachhören.

Das Interview wurde geführt von Marieke Wolter

 
 

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