CD der Woche

„Hey Guys, are you hungry?“

Liebe geht durch den Magen. Bei der Soul-Künstlerin Kelis sogar die Musikalische. Nach vier Jahren erscheint ihr neues Album „Food“- mit jeder Menge kulinarischer Raffinessen.
Kelis mit ihrem neuen Album "Food"
Kelis mit ihrem neuen Album "Food"

Künstler werden häufig an ihrem ersten großen Werk gemessen. In Kelis' Falle war das ihr drittes Album „Tasty“ mit Songs wie „Milkshake“ und „Trick me“. Damals setzte sie den Fokus auf rhythmische Beats und anzüglichen Charme - vor allem durch zweideutige Texte. Ein Konzept, das sie seit 1999 mit ihrem Debüt „Kaleidoscope“ verfolgte - sicherlich auch ein Resultat ihrer Zusammenarbeit mit Neptunes. Dahinter verbirgt sich „Mister Happy-Himselve“ Pharell Williams und Produzent Chad Hugo - Ende der 90er eine der wichtigsten Kombos für die Erfolgsgarantie. Diese haben unter anderem die Rhythmen für den Song „Hot in here“ von Nelly beigesteuert, aber auch an Justin Timberlakes Solodebüt „Justified“ mitgearbeitet. Die Produktion von Kelis‘ Debüt „Kaleidoscope“ verschaffte ihnen nicht nur die Aufmerksamkeit der breiten Masse, sondern Kelis auch ihr typisches Soundkostüm. Auch wenn es 2003 mit „Milkshake“ bergauf ging, erreichte ihre Karriere nicht den gewünschten Gipfel. Der bunte Party-EDM-Sound ihres letzten Albums „Flesh Tone“, kreiert von Elektro-Größen wie Benny Benassi und David Guetta, fand keinen Anklang bei den Fans. Das Album verkaufte sich lediglich knapp 8000 Mal in der Startwoche. Daher trennte sich das Major Label ‚Interscope‘ 2010 von ihr. Darauf wendet Kelis sich vom Musikbusiness ab und entschloss sich binnen eines Wochenendes dazu, Köchin zu werden. Nach ihrer Ausbildung verknüpft sie ihre zwei Leidenschaften: Kochen und Musik.

Hast du Hunger?

Mittlerweile hat die 34-Jährige eine eigene Soßenkollektion herausgebracht und dreht ihre eigene Kochshow. Um das Kochen und die Musik in Einklang zu bringen, hat Kelis sich den Produzenten Dave Sitek geschnappt. Dieser ist vor allem durch die Indie-Rock Band TV on the Radio bekannt. Er hat aber auch mit Bands wie Yeah Yeah Yeahs und den Foals zusammengearbeitet. Die Verbindung von Koch- und Musiksession begann simpel mit der Frage „Hast du Hunger?“. Die Soul-Musikerin fängt an für die Leute, die an der Produktion von „Food“ beteiligt sind, zu kochen. Parallel dazu diskutieren sie über Ideen, schrauben an bestehendem Material und sind offensichtlich kreativ: Statt Burger von der Imbissbude des Vertrauens serviert Kelis dem Hörer ein 13-Gänge-Menü gewürzt mit Bläsern, Streichern, Afrobeat und Backgroundchor. Durch den Einfluss von Sitek wirken die Sounds bodenständiger - die organischen Instrumente wie Gitarre und Trompeten sind nicht nur Beilage, sondern Hauptgang. Dazu gibt es in jedem Song das Filetstück: Kelis' Stimme.

Mehr hungrig als satt

Auch im Opener kommt die Frage auf: Bist du hungrig? Wer es nicht schon zuvor aufgrund der Neugierde war, ist es spätestens nach dem ersten Song „Breakfast“. Eine Hommage an eine Person, die, egal was Kelis durchgemacht hat, zu ihr gestanden hat. „Maybe we can make it 'till Breakfast“, und es ist real, dieser Mensch ist auch noch am nächsten Morgen da.

Der Song „Forever Be“ ist eine der poppigen Nummern auf der Platte. Mit Bläsern, Streichern und Klavier bekommt man nicht nur eine eingängige Melodie auf den Tisch, sondern auch ein Lied, das eigentlich jedem schmecken dürfte.

Die Künstlerin selbst verrät, dass es sich bei „Food“ nicht um ein Konzeptalbum handelt. Viele Songs haben einen Projektnamen beim Kochen bekommen und diesen schlussendlich auch behalten. So auch „Friday Fish fry“, der in Stones-Manier schon fast rockig ist.

„Bless the Telephone“ trumpft mit sanften Gitarrensounds und einem Singer-Songwriter-Touch auf. Ungewöhnlich aber keinesfalls abwegig. Diese Vielseitigkeit macht es schwer „Food“ zu einem Gericht zuzuordnen. Doch darin liegt die Stärke von Kelis sechstem Album: Jeder Song schmeckt anders und macht am Ende nur Lust auf mehr. Zum Glück kann der Hörer am Ende auf Repeat drücken und sich dabei etwas Leckeres zu essen machen.

 

Moderator Philipp Weiskirch mit Carina Fron im Gespräch zur CD der Woche
SG CD der Woche Kelis
 

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Carina Fron
22.04.2014 - 12:24
  Kultur

Kelis: Food

Tracklist:

Trackliste:

1 Breakfast

2 Jerk Ribs

3 Forever Be*

4 Floyd

5 Runnin'

6 Hooch

7 Cobbler

8 Bless the Telephone*

9 Friday Fish Fry

10 Rumble*

11 Biscuits n' Gravy

12 Dreamer

 

*: Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 18.04.2014
Ninja Tune (Rough Trade)