Konzertbericht

Herr Rossi spielt ein Konzert

Matze Rossi, der ehemalige Sänger der Band Tagtraum, spielte am 13.04.2016 in der Moritzbastei. Besonders spannend an den Konzerten des Herrn Rossi ist, dass er immer ohne Setliste spielt.
Matze Rossi
Matze Rossi

Erwartungen

Ich muss zugeben, Matze Rossi habe ich erst vor etwa einem halben Jahr live gesehen - allerdings nicht in Leipzig. Generell erwarte ich ein entspanntes, spaßiges Gitarrenkonzert, das ein wenig an die Punk-Vergangenheit von Matze Rossi erinnert. Basierend auf dem letzten Konzert, weiß ich allerdings schon, dass Matze Rossi nie Setlisten schreibt, sondern spontan auf der Bühne entscheidet, welche Songs er an diesem Abend spielen wird. Ich habe wie immer meinen Wunschsong, den ich besonders gerne hören würde (diesmal genau genommen sogar zwei Songs) und überlege, ob ich schummeln und sie einfach reinrufen soll. Ich entscheide mich dagegen und lasse mich lieber überraschen, ob der Abend die Songs sowieso bringt. Die Songs auf die ich warte sind "Das Mädchen und die Rettung der Welt" und "In Armen".

Erster Eindruck

Wenn ich an Punk-Vergangenheiten denke, dann kommen mir schon Bilder von Moshpits oder ähnlichem in dem Sinn. Ich bin also etwas überrascht, als ich das Kellergewölbe der Moritzbastei betrete und eine Stuhlreihe sehe. Hinter den Stühlen ist allerdings glücklicherweise auch noch ziemlich viel Platz um zu stehen. Anfangs ist der Raum noch relativ leer - da helfen die Stühle auf jeden Fall, denn dadurch wirkt es sofort voller, als es ist. Das Konzert geht pünktlich um 8 Uhr los. Eröffnet wird von der Leipziger Singer-Songwriterin Karo Lynn. Sie steht alleine auf der Bühne, nur von ihrer Gitarre begleitet. Aber sie erinnert auch sehr schnell daran, dass das eben auch schon reicht. Mit ihrer Stimme hat sie schnell die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums, sodass es nicht besonders laut wird durch anhaltende Gespräche. (Klar, ein paar Leute die schwätzen gibt es immer, aber es hält sich wirklich in Grenzen). Karo Lynn animiert immer wieder das Publikum zum Mitsingen. Das funktioniert anfangs nicht so gut, aber mit der Zeit lässt sich das Publikum immer bereitwilliger vom Mitsingen überzeugen.

Show

Wie bereits erwähnt, hat Matze Rossi eben nie eine Setlist. Erstaunlicherweise nutzt niemand die Gelegenheit, sich seinen Lieblingssong zu wünschen. Reingerufen wird trotzdem immer mal, sodass fast schon ein Gespräch zwischen dem Musiker und seinem Publikum entsteht. Der Raum hat sich inzwischen auch definitiv gefüllt. Das merkt man sogar mit geschlossenen Augen, denn es singen auch immer mehr Leute mit. Die Songs sind eine gute Mischung zwischen neu und alt - wobei für meinen Geschmack zwischendurch fast schon neu etwas zu sehr überwiegt. Aber das ist wohl auch logisch - immerhin ist das Album dieses Jahr erst erschienen und die Songs passen gut zusammen. Matze Rossi wechselt aber nicht nur zwischen neuen und alten Songs. Er variiert auch zwischen belebten und fröhlichen Songs und solchen, die eher schwermütig klingen. Zu einigen Songs erzählt er Anekdoten aus seinem Leben. Das geht teilweise so weit, dass er dem Publikum schon anbietet, sie sollen einfach rufen "Halt's Maul und spiel!", falls ihnen die Geschichten zu lange dauern. Das macht aber keiner. Wäre auch unsinnig, denn die Geschichten sind ziemlich lustig. Eine besonders amüsante Erzähl-Passage beschreibt, wie Matze Rossi ursprünglich zum Musik machen kam. Er erzählt von seinen Klavierstunden: Er bekam Münzen auf die Hände gelegt und diese dürften nicht herunterfallen. Danach fällt ihm ein, dass Blockflöte spielen noch viel schlimmer war. Er habe es so gehasst, dass er die Flöte nie mit in die Schule nahm. Allerdings führte das dazu, dass er an einem Tag die Blockflöte seiner Lehrerin verwenden sollte, die leider voller Lippenstift gewesen sei. Er endet aber mit einem positiven Gedanken; auf einer Klassenfahrt gaben ihm ältere Schüler ein Punk-Tape. Ab da sei seine Beziehung zur Musik besser geworden und er habe sich bald danach seine erste Gitarre gekauft. Aber nicht jeder Song hat eine witzige Geschichte. Ein Lied, das besonders heraussticht, ist "Best Friends". Matze beschließt den Song im Sitzen zu spielen - auf einem Verstärker. Dass es dort eher ungemütlich ist, merkt man während des Songs nicht. Gefühlt singt das komplette Publikum mit und die Atmosphäre, die entsteht, gehört für mich zu einem der Höhepunkte des Abends.

Musik

Auch wenn Matze Rossi alleine auftritt, schafft er Abwechslung in seiner Wahl der Instrumente. Bei einem der ersten Songs steckt er sich eine Art Fußband für seine Schuhe an. Daran sind Glöckchen befestigt. Er erzählt, dass er sich das auf dieser Tour zum ersten Mal traut. Funktionieren tut es auf jeden Fall. Außerdem begleitet er einen Song mit der Mundharmonika. Da allerdings das Mundharmonikal kaputt ist, gibt er das schnell wieder auf. Ein paar seiner Songs singt er auf Englisch. Auch dadurch entsteht Vielfalt. Die größte Abwechslung schafft aber die Mischung aus melancholischen und fröhlichen Songs. Das Publikum singt viel mit, klatscht auch mit (das finde ich allgemein ja eher uncool, hier passt es aber gut und vor allem ist es einfach echt schön zu sehen, wie sehr Matze Rossi sich über die Beteiligung des Publikums freut). Es wirkt so, als wären sowohl Fans aus frühen Jahren da, wie auch ganz neu dazugewonnene.

Was in Erinnerung bleibt

Die Atmosphäre der Show bleibt definitiv in Erinnerung. Matze Rossi wirkt sehr bodenständig und sympathisch, wodurch das Konzert schnell familiär wird. Die Gespräche, die zwischen Musiker und Publikum entstehen, sind ein Highlight, genauso wie die Leute hinter mir, die sehr textsicher jeden Song mitsingen und sich freuen. Die Stimmung während meinem Wunschsong "Das Mädchen und die Rettung der Welt" ist hervorragend. Meinen anderen Wunschsong erhoffe ich mir als Zugabe - bekomme ich aber nicht. Die Zugaben "Warum aus mir und meinen nichts werden kann" und "Dreh Mich" hätten aber kaum besser gewählt sein können.

 

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