CD der Woche

Herbst im Hochsommer

The Maccabees veröffentlichen mit ihrem neuen Werk "Marks To Prove It" ein echtes Herbstalbum. Wir verraten warum und wie der neue Stil der fünf Engländer klingt.
The Maccabees im Freien
The Maccabees im Höhenflug

Es gibt so Alben, da denkt man sich einfach: Das ist ein Sommeralbum. Zumeist geht diese Einschätzung mit einem Release-Termin in den warmen Monaten und leichten, flockigen Songs einher. Dass im Sommer aber nicht nur Gute-Laune-Musik veröffentlicht wird, beweisen in diesem Jahr The Maccabees.

Der nächste Schritt

Die fünf Engländer legen drei Jahre nach dem viel beachteten „Given To The Wild“ mit „Marks To Prove It“ ein Album vor, dass den konsequenten nächsten Schritt macht. Sehr viel ist nicht mehr übrig geblieben von dem direkten Indie-Rock des nun auch schon acht Jahre alten Debütalbums „Colour It In“, durch das die Londoner Jungs bekannt wurden. Einzig allein die namensgebende Vorabsingle brettert als Opener ordentlich los. Ansonsten erinnern die 11 Tracks klanglich eher an Bands wie Arcade Fire, The National oder Interpol.

 

 

 

Beim Hören wird schnell klar, dass The Maccabees diesmal keine einfach gestrickten Sommersongs aufgenommen haben. Die Band sagt selber, dass es ihnen noch nie so schwer fiel, Songs zu schreiben wie für dieses Album. Zweieinhalb Jahre haben die fünf Jungs gebraucht bei ihren Aufnahmesessions im eigenen Studio in Elephant & Castle inmitten Londons. Doch die lange Arbeit hat sich bezahlt gemacht. Auch wenn man beim ersten Hördurchgang nahezu erschlagen wird von der Anzahl der potentiellen Hymnen, beweisen Sänger Orlando Weeks und Band Gespür für Melodien und abwechslungsreiche Instrumentierung. So zum Beispiel beim wunderschönen „Slow Sun“, ein Lied über den Moment der Nacht, in dem die Feierwütigen noch wach sind, während die ersten Leute im Anzug zur Arbeit gehen. Orlando Weeks' sanfte Stimme wird von einem lieblichen Klavier, einer zurückhaltenden Gitarre und einem markanten Schlagzeug-Bass Beat begleitet. Oder auch die zweite Single „Something Like Happiness“, bei der sich ein powervoller Refrain mit ruhigen Strophen abwechselt.

Reise durch die Nacht

Auch in seiner Gesamtheit weiß „Marks To Prove It“ zu überzeugen. Orlando Weeks beschreibt das Album als eine Reise von Tag zu Nacht und wieder zu Tag. Dazu passt der fulminante Start, der mit „Spit It Out“ in der größten Hymne des Albums mündet, die Win Butler und seine Multi-Instrumentalisten von Arcade Fire nicht besser hätten schreiben können. Nach einem ruhigen und leisen Klavierpart treibt das lauter werdende Schlagzeug die Geschwindigkeit in die Höhe und angezerrte Gitarren setzen ein. Der Track vereint dabei die Stärken des gesamten Albums in fünf Minuten. Die Mitte des Albums ist vor allem von ruhigen Songs wie dem von Gitarrist Hugo White gesungene „Silence“ oder dem schunkelnden „River Song“ geprägt. Bei den letzten Liedern erweitern The Maccabees dann noch einmal ihr Instrumentarium. „WW1 Portraits“ überrascht dabei mit einem tollen musikalischen Ausbruch bei der Häfte des Songs. Mit „Dawn Chorus“, in dem die Solo-Trompete eine große Rolle spielt, klingt das Album ruhig aus.  

Fazit

The Maccabees legen mit „Marks To Prove It“ ihr bis dato reifstes Album ab. Es handelt sich nicht unbedingt um leichte Kost, die sofort ins Ohr geht, aber das Album trotzt voller dynamischer Hymnen. Die fünf Engländer veröffentlichen somit ein astreines Herbstalbum im Hochsommer. Wer sich trotzdem die Zeit nimmt, sich mit dem Album zu beschäftigen, der bekommt eine der heißesten CDs des Jahres. Und Songs wie „Something Like Happiness“ oder „Spit It Out“ kann man auch problemlos über die eigene Anlage hören, wenn draußen die Welt bei über 30 Grad schwitzt.

 

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The Maccabees: Marks To Prove It

Tracklist:

1. Marks To Prove It
2. Kamakura 
3. Ribbon Road
4. Spit It Out*
5. Silence
6. River Song
7. Slow Sun*
8. Something Like Happiness*
9. WW1 Portraits*
10. Pioneering Systems
11. Dawn Chorus*

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 31.07.2015
Fiction