Konzertbericht

Heimspiel im Nebel

Die Leipziger Band Marbert Rocel hat ihre Tour zum letzten Album "In The Beginning" mit einem Konzert im Conne Island abgeschlossen. Spannend war dabei, wie das Trio seinen Elektro-Pop auf der Bühne umsetzt.
Nebel
Der Nebel gehört bei der elektronischen Musik von Marbert Rocel dazu

Erwartungen

Eine Band wie Marbert Rocel ist rar in Zeiten wie diesen. Während jeder Mensch mit einem MacBook glaubt, er könne mit Hilfe von GarageBand oder Logic Musik machen, gibt es wenig elektronische Musik, die wirklich „handgemacht“ ist. Sängerin Spunk und die beiden Produzenten Malik und Panthera Krause haben im letzten Herbst mit „In The Beginning“ bereits ihr viertes Album veröffentlicht. Auch über die Grenzen Leipzigs haben sie mit diesem viel Anerkennung bekommen. So führte die Tour nicht nur durch Berlin und Erfurt (der ursprünglichen Heimat der Drei) sondern auch nach Nürnberg und Rostock. Zum Tourabschluss kommen Marbert Rocel  wieder nach Hause und laden an einem Freitag Abend ins Conne Island ein. Man ist gespannt, wie das Trio die vielfältigen elektronischen Sounds ihres Repertoires auf der Bühne umsetzen kann. Ob da vielleicht doch mit Backing-Tracks oder ähnlichen Spielereien gearbeitet wird?

Erster Eindruck

Um 22 Uhr beginnt der Einlass, die angekündigte Stage-Time ist mit 0:30 ziemlich spät angesetzt. Nunja, für ein „normales“ Konzert zumindest. Hier haben wir es ja doch eher mit einer Elektro-Combo zu tun. Ein Blick auf die Bühne zeigt jedoch sofort, dass Marbert Rocel mehr sind als irgendein Elektro-Act. Ein Schlagzeug sucht man zwar vergebens. Dafür befindet sich am linken Bühnenrand ein E-Piano, das später von einem vierten Live-Mitglied gespielt wird. Das Conne Island ist gut gefüllt und vom Nebel durchzogen. Während das gut gelaunte Publikum auf Spunk und Co. warten, beleuchtet ein buntes Farbenmeer die vernebelte Bühne. Aus den Boxen kommen elektronische Klänge. Um kurz vor 1 geht das Licht aus und Marbert Rocel erklimmen unscheinbar die Bühne. Es erklingen die ersten Töne von „80 Years“ - dem Opener des letzten Albums.

Show

Nach dem sphärischen Opener, bei dem die Band sich weiterhin hinter einer dicken Nebelschicht versteckt, legen Marbert Rocel mit „Make Me Walk“ den ersten stimmungsvollen Song hin. Synthie-Gebrubbel trifft auf elektronische Beats. Malik und Panthera Krause stehen hinter ihren Armaturen und verlieren sich komplett in ihrer Musik. Auch wenn das Grundgerüst gleich ist, wirken die Songs live noch einen Tick akustischer. So wird dem E-Piano eine übergeordnete Rolle eingeräumt. In manchen Songs wie „Always On My Mind“ packen Marbert Rocel außerdem das Saxophon aus und beweisen damit, dass dieses auf dem Album kein billiges Sample gewesen ist. Dem Publikum gefällt’s, wenngleich die Musik von Marbert Rocel natürlich keine euphorische Tanzerei verursacht. Das sichtlich angeheiterte Publikum – na klar, ist ja schließlich Freitag Nacht – wippt liebevoll im Takt mit, ähnlich wie Sängerin Spunk. Selbst wenn sie oftmals die einzige Person ist, die man auf der Bühne sieht, spielt sie sich nicht unbedingt in den Vordergrund. Dabei ist es erstaunlich, dass ihre Stimme fast exakt so klingt wie auf dem Album.

Was in Erinnerung bleibt

Es ist insgesamt ein sehr spaßiger Abend im Conne Island. Marbert Rocel legen den perfekten Soundtrack zum geselligen Mitgewippe im Publikum. Viele verbringen hier ihren Freitag Abend, tanzen entspannt, unterhalten sich mit Freunden und trinken Bier oder ähnliches. Das Leipziger Trio – oder an diesem Abend Quartett – tut ihr übriges, um diese Stimmung zu erzeugen. So spielen sie eine wesentlich schnellere Version von „Dawn Of The Day“, die das Publikum in ihren Bann zieht. Als letztes Lied ihres normalen Sets spielen Marbert Rocel das sehr ruhige, dunkle „With Your Love“. Den Leipzigern gelingt die Mischung aus sphärischer Musik und groovigen Elektro-Beats. Dass sie dazu akustische Instrumente wie ein Saxophon mischen, macht nicht nur auf Platte Spaß. Auch das Freitag-Nachts-Publikum im Conne Island kann sagen, dass sie einen schönen, ruhigen Abend mit handgemachter Elektro-Musik erlebt haben.

 

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