Konzertbericht

Heartbeats

Am 09.08. spielte José González auf der Parkbühne in Leipzig. Nachdem auch wir die richtige Parkbühne gefunden hatten konnten wir sanfte und eindringliche Töne aus den Lautsprechern vernehmen, die uns Glücksgefühle spüren ließen.
José González auf der Parkbühne in Leipzig.
José González auf der Parkbühne in Leipzig.

Erwartungen

Kann und darf man überhaupt Erwartungen haben, wenn man bisher weder auf einem Konzert auf der Parkbühne war, noch José González live gehört hat? Genau deshalb hatte ich im Vorfeld keine besonderen Erwartungen. Besser beschreiben könnte man meine Stimmung vor dem Konzert als Vorfreude. Ich wollte mich überraschen lassen und so freute ich mich auf einen schönen und entspannten Abend. Vielleicht hatte ich dann doch ein paar Erwartungen an die Musik von José González, die ich auf Platte rauf- und runterhören kann, weil sie nicht nervt, nicht anstrengt und gleichzeitig nicht langweilt.

Erster Eindruck

In Leipzig gibt es zwei Parkbühnen, da muss man also genau aufpassen, wo man hin muss. Wir mussten zur Parkbühne GeyserHaus, also nicht in den Clara-Zetkin-Park, sondern Richtung Eutritzsch. Das Gelände ist kleiner, als ich es mir vorgestellt habe und erinnert ein bisschen an ein Freilufttheater. Vor der Bühne stehen Bänke, auf denen schon ein bunt gemischtes Publikum dicht aufgereiht sitzt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je auf einem Konzert war, auf dem statt getanzt gesessen wurde. Das wirkt auf mich etwas befremdlich und etwas zu passiv. Aber auch wir suchen uns noch einen freien Platz auf dem Boden und sitzen dann direkt vor der Bühne.

Musik

Pünktlich um 19:30 Uhr setzt sich Jeronÿmus (Support) auf die Bühne. Bevor er das Singen beginnt, muss er noch die Perkussions an seinen Schuhen befestigen. Und dann gehen seine melancholischen Lieder auch schon los. Der Gesang ist sehr laut und lässt uns in der ersten Reihe eher zurückschrecken, als entspannt der Musik lauschen zu können. Mal spielt er an einer Art Gitarre und dann am E-Piano, er variiert bei den Instrumenten und genauso bei der Sprache, so mischt sich ein französischer Song unter die sonst auf englisch geschriebenen Texte. Das Publikum sitzt noch nicht ganz still auf seinen Plätzen und so gehen immer mal wieder direkt vor der Bühne Leute auf und ab. Jeronÿmus lässt sich davon stark ablenken. Sein Auftritt passt zur Parkbühne, ist mir aber insgesamt etwas zu laut, zu schrill und zu aufdringlich. Das Publikum ist ganz gespannt auf den Auftritt von José González und nach ein bisschen Warten wird es belohnt. Der schwedische Singersongwriter setzt sich auf seinen Stuhl inmitten der Bühne. Im Hintergrund wird das Banner, auf dem in feinen, minimalistischen Umrissen eine Fantasie Landschaft gemalt ist, angeleuchtet. Die Töne, die jetzt aus den Lautsprechern kommen klingen sanft und nicht zu laut, sodass auch wir uns in einer der ersten Reihen ganz wohlfühlen. Seine Stimme klingt wie auf Platte, ganz natürlich, nicht übertrieben und nicht gekünstelt. Zwischen den Songs bleibt kaum Zeit zum Luftholen, denn José González spielt ein Lied nach dem anderen, ohne dazwischen etwas zu erzählen. Er bedankt sich für den nach jedem Lied großen Applaus und schon stimmt er den nächsten Titel an, manchmal hängt er auch zwei Lieder direkt aneinander. Es scheint, als möchte er möglichst schnell fertig werden. Das wirkt einerseits etwas distanziert, denn es gibt bestimmt interessante Geschichten über ihn oder die Ursprünge seiner Lieder zu erfahren. Aber andererseits erhält José González auf diese Weise den Zauber seiner Musik aufrecht, und so können wir, sein Publikum, nicht abschweifen. Während er auf der Bühne sitzt weht ein sanfter Wind, der den Nebel in den Scheinwerferkegeln tanzen lässt. Und auch ich wippe mit dem Körper auf und ab, soweit das eben im Sitzen geht. Langsam fängt es an zu dämmern und von Lied zu Lied wird es dunkler. Die Bühne wird passend zur Musik in warmes, sanftes rotes Licht getaucht und manchmal ist auch nur José González lockige Silhouette zu erkennen. Die Bühne, das Wetter und die Musik scheinen aufeinander abgestimmt zu sein, das macht den Moment perfekt. Die Stimmung ist so angenehm und entspannt, dass ich ein schönes, geborgenes Glücksgefühl verspüre. Nach ein bisschen mehr als einer Stunde sind auch die letzten Lieder der Zugabe gespielt und José González verlässt die Bühne unter herzlichem Applaus.

Fazit

Das Konzert war toll. Es hat viel Spaß gemacht und mir einen glücklichen, entspannten und schönen Abend beschert. Die Parkbühne war der perfekte Rahmen für die sanfte und eindringliche Musik von José González. Auch das Sitzen auf dem Boden hat zur Musik gepasst, sie konnte das definitiv tragen. Auch noch nach dem letzten Lied blieben mir die sanften Gitarrenklänge im Ohr und haben mich durch die Nacht getragen. 

 

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Klara Herrmann
12.08.2016 - 14:09
  Kultur

José González: Vestiges & Claws