Die Kolumne

Hauptsache, was in der Hand

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Raphaela Fietta über Männer mit Waffen, Geldproblemen und einem verminderten Ego.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum nachhören: 

Hauptsache, was in der Hand - Die Kolumne von Raphaela Fietta
2107 Kolumne Raphaela

Die Fecht-WM ist in der Stadt. Nur, so richtig bekommt man das gar nicht mit. Wenn RB spielt oder Helene Fischer auftritt, ist da mehr los. Willst du denn diese Woche den Degen in die Hand nehmen? 

Kolumnistin Raphaela Fietta

En garde! Oder vielleicht lieber doch nicht? Das ist nämlich so ziemlich das Einzige, was ich über die Fecht-WM weiß. Fechten klingt ja auch bei Weitem nicht so spektakulär wie RB Leipzig oder Helene Fischer. Und dann treten da also Menschen in weißen Ganzkörperanzügen gegeneinander an, um sich mit einem überdimensionalen Zahnstocher zu piksen. Autsch. So richtig martialisch stell ich mir das nicht vor. Dagegen RB: Elf durchtrainierte Männerkörper in engen Leibchen, die 90 Minuten lang auf den Trikottausch hinschwitzen… Miau. So eine Fecht-Runde geht gar nicht lange genug, um solche Gefühle in mir zu wecken.

Gefühle weckt ja auch Helene Fischer. Die blonde Träller-Else, schafft es doch tatsächlich, die Arena zehn Mal im Jahr auszuverkaufen. Begeistertes Publikum, alle singen mit und sind noch in der Südvorstadt zu hören - außer es ist DFB-Pokalfinale. Wie sie das macht, verstehe ich aber auch nicht. Vielleicht bekommt da jeder am Einlass 100 Euro Begrüßungsgeld? Oder das magische weiße Pulver, das in der Schlagerwelt so beliebt sein soll… Am besten, ich schleuse mich da mal undercover ein, beim nächsten Konzert. 

Wobei… Am Ende ist es wahrscheinlich eh so schwül draußen, dass ich zu Hause auf meiner Couch bleiben und mich nicht bewegen werde, egal, ob RB, Helene oder die Fechter am Start sind. Selber schwitzen ist nämlich gar nicht so heiß!

Leipziger Immobilienhändler haben sich die Woche beschwert. Mit den hohen Kaufpreisen kommen sie langsam nicht mehr mit, obwohl sie doch so gerne Häuser kaufen würden. Geht‘s dir da genauso?

Und wie! Seit 30 Jahren spare ich auf mein Traumschloss, und immer, wenn ich die Kohle zusammenhabe, steigen die Preise! Das ist doch nicht fair. Ich bin da ganz bei den  Immobilienhändlern. Die Preise machen doch das Geschäft kaputt! So wird das nie was mit der Gentrifizierung! Stattdessen holen wir uns die Alternativen ins Viertel, die unsere unsanierten Gebäude besetzen… Nein, mal ernsthaft. Wäre das nicht die Chance für die Stadt? Endlich Häuser kaufen und selber sanieren, weil es weniger Mitbewerber gibt. Ja, die Preise sind gestiegen, aber das werden sie laut Prognosen auch weiterhin. Also besser jetzt handeln. Dann könnten Kitas gebaut werden, und mehr Sozialwohnungen. Wir sollten uns lieber um die Schwächeren in unserer Gesellschaft kümmern, statt den Immobilienhaien noch mehr in die Karten zu spielen. Also liebe Stadt, Zugzwang!

Die linksextremistischen und alternativen Zentren sollen geschlossen werden. Neben dem Black Triangle soll auch das Conne Island seine Pforten schließen. Grund dafür sind die linksextremistischen Vorfälle in Hamburg, aber auch in Leipzig. Ist der Schritt für dich gerechtfertigt?

Die Frage ist doch: Was haben Kulturzentren, die Konzerte und Kinderferien veranstalten, mit extremistischer Gewalt zu tun? Nichts. Also würde man damit nur Kindern und Jugendlichen was wegnehmen, nicht den Gewalttätern! Ja, ok. Das Black Triangle ist ein besetztes Gebäudeareal. Ja, in solchen Zentren trifft sich auch die Linke Szene, aber wem schadet das denn? Solange  dabei niemandem wehgetan wird! Ich bin gegen Gewalt, keine Frage. Und ich finde es scheiße, wenn Dinge angezündet werden. Egal, ob Autos oder Flüchtlingsheime. 

Aber hier werden doch Äpfel mit Birnen verglichen! Nicht alle Linken sind Extremisten und schon gar nicht in jedem Alter. Statt sich darauf einzuschießen, hätten de Maizière und Co. vielleicht lieber mal nach Themar schauen sollen, am Wochenende. 6000 Nazis. Schön versammelt in einem Zelt in der Botanik. Das wäre mal ein Coup gewesen, die dingfest zu machen, während sie fleißig „Sieg Heil“ rufen – ein echter Straftatbestand im Übrigen. Moment… Häuser besetzen ist Landfriedensbruch, das ist auch ein Straftatbestand. Ach, verdammt! Ich kann hier nicht objektiv sein!

Und nächste Woche?

Haben die Sportler in Weiß vielleicht einen neuen Fan. Das Finale im Herren-Florett schau ich mir nämlich an. Oder Herren in Floret de Mar… En garde!

 

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Raphaela Fietta
21.07.2017 - 11:13