Poetry Slam

"Hauptsache schreiben!"

Ninia la Grandes Spezialität: Poetry Slams. Dichterwettstreite, bei denen Autoren unter Zeitdruck gegeneinander antreten. Wer am meisten Applaus kriegt, gewinnt. Ninias Themen: Inklusion und Feminismus. mephisto 97.6 hat sie getroffen.
Ninia la Grande vor dem "Wer zum Teufel sind Sie?"-Plakat
Ninia la Grande zu Besuch bei mephisto 97.6.

Wenn sie ein Kind wäre, wäre sie längst eingeschult worden. Denn sie ist schon sechs Jahre alt: die Rede ist von der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Ihr Ziel heißt Inklusion. Das bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen sich nicht mehr anpassen müssen, um im Alltag zurechtzukommen. Stattdessen soll jeder selbstverständlich integriert werden – egal, welche Voraussetzungen er mitbringt. Klingt gut, aber auch ganz schön abstrakt.

Eine, die sich ganz konkret für Inklusion einsetzt, ist Ninia la Grande (Aussprache: „Nienja la Grannde“). Die Autorin ist kleinwüchsig. Bei Twitter, auf Poetry Slams und im Fernsehen macht sie das zum Thema – mit viel Humor. mephisto 97.6-Redakteurin Christine Reißing stellt Ninia la Grande vor:

mephisto 97.6-Redakteurin Christine Reißing erklärt's Ihnen.

RvD: Tobias Schmutzler

Wer ist Ninia la Grande?

Das ist also Ninia la Grande. Am Wochenende trat sie bei der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz auf. Christine Reißing hat sie dort zum Interview getroffen: 

mephisto 97.6 im Interview mit Ninia la Grande

RvD: Tobias Schmutzler

Was sagt Ninia la Grande?

„Writer, Feminist, Traveller“ – so beschreibst Du Dich selber online. Du bist als Moderatorin unterwegs, als Autorin und auch als Poetry Slammerin. Wie entsteht so ein Text bei Dir?

Das sind bei mir immer so Phasen. Ich hab manchmal Wochen, wo mir gar nichts einfällt. Wo ich auch dann manchmal vorm Computer sitze und auf dieses leere Blatt starre und denke: Ja, was mach ich jetzt? Dafür hab ich mir jetzt in den letzten Jahren angewöhnt, dass ich mir tatsächlich so kleine Fitzelchen notiere, damit ich mir dann irgendwie mal was zusammenbasteln kann.  

Homeoffice. Läuft.

Ein von ninialagrande (@ninialagrande) gepostetes Foto am

 

Manchmal läuft es auch richtig gut. So gut, dass man denkt: Oh, ich hab so viele Sachen im Kopf, und ich komme gar nicht dazu, das alles aufzuschreiben, weil ich so viel unterwegs bin. Also Hauptsache schreiben! Und dann kann man sich später immer noch mal dransetzen und denken: Jetzt geh ich da noch mal ran und streich was raus oder schreib was dazu oder so.  

 

Auf Twitter und Instagram, das Du wie ein Tagebuch benutzt, kann man leicht merken, dass Dir viele wichtige Themen am Herzen liegen. Zum Beispiel auch Feminismus. Du hast letztens geschrieben: „Heute erhielt ich eine nicht-sexistische Nachricht von einem mir unbekannten Typen. Ich werde diesen Tag nie vergessen.“ Was war denn da los?

Das war einfach total nett! Also der hatte anscheinend das „Fashion Mag“ gesehen, und hat mir dann eine sehr freundliche private Nachricht bei Facebook geschickt. Dass er das eben gesehen hätte, und dass er mich ganz toll findet und so. Und wenn ich eben noch nicht vergeben wäre, dann würde er sich freuen, wenn er mich mal auf einen Kaffee einladen dürfte und so. Das war aber alles total nett formuliert.

Sonst kriegt man halt immer nur so echt Kacknachrichten. Die irgendwie auf irgendwelche körperlichen Vorzüge bezogen sind oder auch einfach total bösartig sind.

Poetry-Slammerin, Autorin und Moderatorin Ninia la Grande

Sonst kriegt man halt immer nur so echt Kacknachrichten, ja? Die irgendwie auf irgendwelche körperlichen Vorzüge bezogen sind oder auch einfach total bösartig sind oder so. Und das fand ich wirklich besonders. Weil das selten so nett und freundlich passiert. Er hat halt gesagt, er hätte sich geärgert, wenn er mir nicht geschrieben hätte. Und das fand ich ganz süß.

Also Du setzt Dich schon dafür ein, dass man nicht abgestempelt und in Schubladen gesteckt wird?

Genau, ja, also das ist mir ganz wichtig. Gerechtigkeit und Respekt sind mein Oberthema. Und ich finde, dass Feminismus viel bewirken kann, was so diese beiden Themen angeht. Und genau so engagiere ich mich ja auch viel für Inklusion. Und das sind eben auch Sachen, die mich persönlich betreffen. Eben weil ich eine Frau bin und weil ich kleinwüchsig bin, erfahre ich viele Dinge, die andere Leute, die in gesellschaftliche Normen passen, vielleicht nicht so bemerken.

Ninia la Grande auf der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz.
Ninia la Grande auf der Lesebühne Schkeuditzer Kreuz.

Dass Du kleinwüchsig bist, merkt man vielleicht durch den ironischen Namen Ninia la Grande, und auch, wenn man Fotos von Dir sieht. Sonst aber eher nicht – nur, dass Du die Themen sehr stark in den Mittelpunkt stellst. Woran hakst denn bei uns in der Gesellschaft in Sachen Inklusion?

Ach, es hakt an ganz, ganz vielen Sachen. Also das fängt an, dass viele Sachen eben nicht barrierefrei sind. Eine Freundin von mir, Laura Gehlhaar, hat jetzt vor ein paar Tagen erst getwittert: Sie wollte eben ein Geburtstagsgeschenk kaufen – sie sitzt im Rollstuhl, und kam eben in diverse Läden nicht rein, weil da Stufen waren. Und kann auch nicht zu dieser Geburtstagsparty gehen, weil sie eben in einer Wohnung stattfindet, wo es keinen Fahrstuhl gibt. Also damit fängt es schon an, dass es einfach viele Barrieren gibt.  

 

Bei mir sind das dann genau so Sachen. Einfach Dinge, wo ich nicht drankomme oder so was. Und was mich auch ganz krass stört, sind tatsächlich diese Respektlosigkeiten. Also klar, ich gucke auch, wenn ich Leute sehe, die ich besonders attraktiv finde oder die besonders groß oder klein oder sonst was sind. Aber ich sag immer gerne: Es gibt so einen Unterschied zwischen Gucken und Starren. Und dieses Starren ist halt super-unangenehm. Möglicherweise dann auch noch einen dummen Spruch machen oder lachen oder so.

In den Medien müssen auch Menschen mit Behinderungen auftauchen. Nicht immer nur in irgendwelchen Nebenrollen im Film, sondern als Moderatoren für etwas, was nicht mit Behinderung zu tun hat. Oder vielleicht mal die Hauptrolle spielen. Aber nicht die Hauptrolle in einem Schicksalsfilm, wie sie mit ihrer Behinderung umgehen.

Poetry-Slammerin, Autorin und Moderatorin Ninia la Grande

Da versuche ich eben ein bisschen, dass sich das ändert in der Gesellschaft. Und dafür ist auch wichtig, dass in den Medien eben auch Menschen mit Behinderungen auftauchen. Nicht immer nur in irgendwelchen Nebenrollen im Film oder so, sondern dass die halt auch mal was moderieren, was nicht mit Behinderung zu tun hat oder vielleicht mal die Hauptrolle spielen. Aber nicht die Hauptrolle in einem Schicksalsfilm, wie sie mit ihrer Behinderung umgehen. Sondern halt einfach einen Liebesfilm oder einen Abenteuerfilm, und zufällig haben sie halt nur einen Arm oder so. Dafür kämpf ich.

 

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