PR? Bundeswehr!

Hart geile Action? Bundeswehr!

Man hat den Eindruck, die Aktivitäten der Bundeswehr beschränken sich zur Zeit auf Pressearbeit. Tag der Bundeswehr, Bravo-Kooperation, Berufsmessen - die Bundeswehr ist überall voll dabei. Das finden wir scheiße:
Bundeswehr hautnah!
Bundeswehr hautnah? Lieber nicht.

Am Samstag ist es endlich soweit, die Bundeswehr begeht ihren ersten "Tag der Bundeswehr". An 15 Standorten in Deutschland gibt’s die volle Drohnung mit ganz heißem Scheiß! In der upcoming City "Burg" bei Magdeburg wird zum Beispiel die neuste Feldküche präsentiert! Motto: Ohne Mampf kein Kampf! Oder die Domstadt Fritzlar. Da werden die Themenbereiche "Verankerung in der Öffentlichkeit" und "Arbeitgeber Bundeswehr" aufgezogen. Highlight dort: Eine Flugvorführung mit dem Kampfhubschrauber Tiger! Wahnsinn. Das kann die Bundeswehr. Was eigentlich noch? 

Haben Sie in letzter Zeit mal 'Bundeswehr' bei Google eingegeben?

Tun Sie es nicht, Sie finden auf der ersten Seite sowieso nichts Interessantes. Raten Sie die ersten vier Autokorrektionen von Google. Ich würde "Bundeswehr kaputt", "Bundeswehr teuer", "Bundeswehr fail" und "Bundeswehr nutzlos" vermuten. Es sind allerdings "Bundeswehr Karriere", "Bundeswehr Shop", "Bundeswehr Studium" und "Bundeswehr Arbeitgeber". Das war sicher teuer. 

Aber die Bundeswehr kann es sich leisten. Sie hat den zweitgrößten Etat im Bundeshaushalt gleich nach Arbeit und Soziales. Warum legt man die eigentlich nicht zusammen, ist da noch keiner drauf gekommen? Arbeit und Soziales, so stellt sich die Bundeswehr doch da.  

Ich muss immer wieder kotzen, wenn ich das lese. Die Bundeswehr feiert sich selbst mit lecker Suppe - nicht jeder trägt Uniform - wir sind ein ganz normaler Arbeitgeber. Nein, bist du nicht, du krankes Schwein!  

Ich war vor drei Jahren auf der Gamescom in Köln. Wir mussten ewig lange anstehen um zu sehen dass es das G36 in Call of Duty jetzt auch in Rot-Schwarz gibt. Das war nicht so spannend, ich war eigentlich wegen Lego-Herr-der-Ringe da. Naja egal, aber wer stand direkt daneben? Die Bundeswehr, na klar. Mit Haubitze und „Reaktionsspiel“. „Du findest Battlefront ganz geil, willst aber mal in echt abdrücken?“ Bundeswehr.  

Auf Berufsmessen das Gleiche. Die Sparkasse hat Kulis, der ganz normale Arbeitgeber Bundeswehr hat Geld.

Super Löhne, lieber 2,4 statt Harzt-4. 

Und was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt sind die Besuche der Bundeswehr in den Schulen. Rhetorisch ausgebildete „Jugendoffiziere“ kommen in den verpflichtenden SoWi-Unterricht der Klasse 7b in jeder Stadt Deutschlands. Offiziell referieren sie über Sicherheitspolitik. Super Idee dass die das machen, wenn ich ne objektive Einschätzung zu meinem Telekom-Tarif will ruf ich auch bei der Telekom an. Ist sogar umsonst. 

Wieso macht die Bundeswehr das? Ich hab gegoogelt, und auf Google Page Nummer 13 kam dann die Antwort: Die Bundeswehr hat Nachwuchsprobleme. 2010 gab es noch 34 Tausend Wehrdienstleistende, jetzt sind es nicht mal mehr ein Drittel Freiwillige, die „Deutschland dienen“ wollen. Ich habe eine Vermutung, was das für Menschen sind. 

Es ist eine ganz andere Debatte ob wir eine Bundeswehr brauchen oder nicht, und wenn, in welcher Form. Aber was die Bundeswehr inzwischen auf jedem Stadtfest in Oerlinghausen und in fast jeder Schule Deutschlands abzieht, ist einfach pervers.  
Jeder zweite Soldat kommt mit psychischen Schäden aus dem Einsatz zurück, man wird ausbildet, um zu töten, man wird vielleicht selbst getötet.

Und dann präsentiert die Bundeswehr sich wie Elektro Conrad aus der City-Passage.  

Mir reichts jetzt, ich fang wieder an zu protestieren. Ich will, dass auf Berufsmessen wieder Banner mit „kein Werben fürs Sterben“ ausgerollt werden. Wenigstens so lange, bis man Hausverbot bekommt. Ich glaube, so kann man gut zeigen, dass die Bundeswehr eben kein Arbeitgeber von nebenan ist, sondern eine Armee. 

Das klingt jetzt wirklich sehr pathetisch, aber Tuchosky hat Recht:

Soldaten sind Mörder. 

 

Kommentare

Lieber Autor,

dein Text ist ein Schlag ins Gesicht für alle Mitglieder der Truppe sowie deren Angehörigen. Auch wenn ich Ihre Einschätzung zu den Werbemethoden durchaus in Punkten teile, ist es absolut inakzeptabel, die Bundeswehr als "Krankes Schwein" zu bezeichnen sowie alle Soldaten als Mörder abzustempeln. Mich wundert nur, dass ein solcher verbaler Ausfall in einem Programm der Universität zu finden ist. Ich bin froh, dass wir mutige Männer und Frauen haben, die sich für unser Land, zu dem Sie ebenso gehören, aufopfern würden. Denken Sie bitte an diese Menschen, wenn Sie das nächste Mal aus der warmen Stube Journalist spielen.

Bisschen unsachliche Rhetorik, meint Ihr nicht? Beschimpfungen tun der Übermittlung der eigenen Meinung nicht so gut.
Und Google zeigt den Nutzern was sie sehen wollen:
Wenn Google weiß, dass der Redakteur links und pazifistisch ist bekommt man andere Suchvorschläge.
Wenn man das Spiel von einer anderen i.p. und im privaten Modus des Browsers wiederholt bekommt man andere Ergebnise.

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