Filmrezension

Hacksaw Ridge

Der Soldat Desmond Doss erhielt für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg die Medal of Honor – ohne je eine Waffe angefasst zu haben. Regisseur Mel Gibson bringt diese Geschichte auf die große Leinwand.
Hacksaw Ridge
Andrew Garfield als Sanitäter Desmond Doss

Eine ungewöhnliche Heldengeschichte

Desmond Doss, gespielt von Andrew Garfield, wächst mit seiner Familie in den Blue Ridge Mountains auf. Die Mutter ist tief religiös, der Vater (ein brillianter Hugo Weaving) ist ein gebrochener Alkoholiker, der selbst im Krieg war. Als Kind tötete Desmond beinahe versehentlich seinen Bruder Hal bei einer Prügelei. Dieses Erlebnis ist für den Jungen so einschneidend, dass er sich schwört, niemals ein Leben zu nehmen.

Der Kriegsdienst

Jahre später rettet Desmond einen Mann, der in einen Unfall geraten ist, das Leben. Als er diesen ins örtliche Krankenhaus begleitet, lernt er die schöne Krankenschwester Dorothy (Teresa Palmer) kennen und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Obwohl er sich anfangs etwas unbeholfen benimmt, werden die beiden bald ein Paar. Doch die Idylle währt nicht lange. Zahlreiche junge Männer melden sich nach Pearl Harbor freiwillig zum Kriegsdienst und auch Desmond beschließt, sich als Sanitäter zu melden. Für seine Weigerung eine Waffe zu tragen wird Desmond während des Trainingscamps nicht nur von seinen Kameraden verachtet, am Tag seiner geplanten Hochzeit wird er auch noch für Befehlsverweigerung verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Desmond plädiert erfolgreich auf nicht-schuldig.

Bitte Herr, hilf mir, noch einen zu retten

Bald darauf wird er nach Okinawa geschickt, wo seine Einheit die Klippe von Hacksaw Ridge erklimmen soll. Oben erwarten sie schon die japanischen Streitkräfte. Es kommt zu einem kurzen brutalen Gefecht, infolgedessen die Amerikaner bald gezwungen sind, sich zurückzuziehen. Viele Verwundete müssen zurückgelassen werden. Ihre Schreie nach Hilfe sind es, die Desmond dazu bringen, nicht seinen Kameraden die Klippe hinab zu folgen. Stattdessen rennt er zurück auf das Schlachtfeld. Dutzende Verletzte versorgt er und seilt sie die Klippe hinab. Sein Mantra ist dabei gleichzeitig ein Gebet: Bitte Herr, hilf mir, noch einen zu retten.

Der Trailer zu Mel Gibsons neuem Film Hacksaw Ridge

Typisch Gibson

Die Handlung des Films ist simpel und typisch Gibson – ein einsamer Held, der für seinen Glauben von anderen geächtet wird. Eben jener Glaube ist es dann am Ende, der den Helden triumphieren lässt. Es mag paradox klingen, aber die Story hätte kaum einen besseren Hintergrund als den Krieg haben können. Zwischen all der Gewalt und dem Tod ist es letztlich die Menschlichkeit, die siegt. Dieser Kontrast lässt die simple Botschaft von Hoffnung zur Geltung kommen. Dabei sind die Gewaltszenen mit Sicherheit nichts für schwache Gemüter – Körperteile werden abgerissen und zerfetzt; Blut und Gedärme in möglichst großer Detailgetreue auf dem matschigen Boden verteilt. Doch obwohl die Darstellung so explizit inszeniert ist, fühlt man sich durch die Detailgetreue der Gewalt fast wie ein Voyeur. Schade ist hier, dass nur die amerikanisch-patriotische Sichtweise beleuchtet wird. Die Japaner werden lediglich als gnadenlose Feinde dargestellt – dabei rettete Doss auch mehreren von ihnen das Leben.

Gewalt und religiöse Symbolik

Oft werden werden die brutalen Szenen von religiöser Symbolik unterbrochen. Da gibt es beispielsweise den Kampf der beiden Brüder, welcher an Kain und Abel denken lässt – oder die Errettung Desmonds durch den Glauben, die Reinwaschung der Sünden in Form des Abwaschens von Blut. Dieser Mix aus Religion und Gewalt mag nicht jedem liegen. Doch der Film gibt sich größte Mühe, eben auf menschlicher Ebene zu berühren. Dass das gelingt, ist auch der schauspielerischen Leistung zu verdanken. Für Mel Gibson dürfte er auf jeden Fall ein gelungenes Comeback bedeuten.

 

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