Mindestlohn

Gute Löhne in Sachsen?

Knapp anderthalb Jahre nach Einführung des Mindestlohnes ziehen die sächsischen Industrie- und Handelskammern heute Bilanz. Welche Auswirkungen hat er auf Arbeitgeber- und nehmer? Und müssen Anpassungen vorgenommen werden?
Symbolbild Mindestlohn
Welche Auswirkungen hat der Mindestlohn in Sachsen?

Ende des Jahres 2016 wird nach zwei Jahren Mindestlohn die erste Evaluation der Mindeslohnkommission fällig. In dem Bericht soll unter anderem ausgewertet werden, wie die Produktivität der Unternehmen durch den Mindestlohn beeinflusst wird. Außerdem sollen die Auswirkungen auf Arbeitnehmer näher beleuchtet werden. Der Bericht der Kommission sieht aber auch eine Empfehlung zur Erhöhung des Mindestlohns vor. Dafür sollen Erfahrungsberichte aus den Bundesländern eingeholt werden.

Die sächsichen Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammer Chemnitz und das Dresdner Ifo-Institut haben für ein Gutachten 2700 von insgesamt 85.000 sächsischen Unternehmen verschiedener Branchen und Größen zu ihrer Erfahrung mit dem Mindestlohn befragt. Die Ergebnisse wurden heute in Dresden vorgestellt. Unter anderem ging es um Auswirkungen auf das Personal sowie Lohnkosten. Außerdem sollte geklärt werden, welche Mindestlöhne die Unternehmen künftig für vertretbar halten. 

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums profitieren in Sachsen rund 250.000 Frauen und Männer vom gesetzlichen Mindestlohn - fast jeder vierte Berufstätige. Dieser wurde am 1. Januar 2015 eingeführt und beträgt 8,50 Euro. 

Umgang mit den Auswirkungen

Henning Homann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag, bewertet die Einführung des Mindestlohnes als postiv und dringend notwendig. Vor allem im Rückblick auf den vorherigen, laut Homann sehr schlechten Zustand, der an den notwendigen Lohnanpassungen der befragten Unternehmen deutlich werde:

Es hat sich gezeigt, dass seine Einführung richtig war - trotz Panikmache und Horrorszenarien. Dass diese negativen Auswirkungen nicht einmal ansatzweise eingetreten sind, müssen nun auch die größten Kritiker des Mindestlohnes zugeben.

Henning Homann, arbeitsmarktpolitischer Sprecher

Homann betont außerdem, dass der Mindestlohn zwar Auswirkungen habe, die Unternehmen jedoch gezeigt hätten, dass sie mit diesen umgehen können. Er wünsche sich für die Zukunft, dass die Unternehmen die Potentiale höherer Löhne noch besser erkennen und nicht versuchen, sich auf Kosten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder auch der Investitionen anzupassen.

In Leipzig wenige Unternehmen betroffen

Lars Fiehler, Geschäftsführer der IHK Dresden, macht ebenfalls auf die hohe Betroffenheit in Sachsen aufmerksam. Laut der Umfrage gaben demnach 54 % der Betriebe an, dass sie direkt von der Einführung des Mindestlohnes betroffen seien und Löhne anheben mussten. In den einzelnen Branchen werde dies vor allem in der Hotellerie und Gastronomie sichtbar, eher weniger im Industrie- und Baugewerbe.

Auch im sachsenweiten Vergleich lassen sich Unterschiede deutlich erkennen: So seien zum Beispiel in der Stadt Leipzig mit 39 % nur wenige Unternehmen betroffen, im Osten Sachsens werde die Zahl mit über 60 % jedoch deutlich größer. 

Im Fazit kann man sagen: Der Mindestlohn hat, was die Beschäftigungseffekte betrifft, weniger negative Bremsspuren hinterlassen als von vielen prognostiziert wurde. Aber er hat auch dazu geführt, dass sich viele Betriebe bei Neueinstellungen zurückgehalten haben.

 

Lars Flieher, Geschäftsführer der IHK Dresden

Fiehler führt also auch kritische Punkte an und zeigt vor allem die Lücken in den Neueinstellungen auf. Ohne den Mindestlohn gebe es den Prognosen zufolge knapp 10.000 Vollzeitstellen mehr als jetzt, so Fiehler weiter.  Auch ein Anpassen der Arbeitszeiten führe für viele Arbeitnehmer zu keiner großen Veränderung: Wenn dann also aus einer 40-Stunden-Woche eine 37-Stunden-Woche gemacht werde, beziehe der Angestellte den gleichen Lohn und müsse sogar mit Streichungen von Weihnachtsgeldern etc. rechnen. Dadurch komme es laut Lars Fiehler auch nicht zu einer steigenden Kaufkraft, wie man zuerst angenommen hatte.

Löhne in 2017?

In der Umfrage wurde von den Betrieben deutlich gemacht, dass 58 % einen weiteren Anstieg des Mindestlohnes finanziell nicht tragen können, während 42 % für eine moderate Erhöhung des Mindestlohns auf 9 Euro plädieren. Fiehler wünscht sich deshalb trotz aller Kritik, nach vorne zu schauen und mit dem zu arbeiten, was komme.

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker berichtet über die Einzelheiten zur Auswertung der Umfrage zum Mindestlohn in Sachsen:

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker mit den Details zur Mindestlohn-Umfrage
BmE Mindestlohn

 

 

 

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Sarah Bötscher
09.05.2016 - 18:50