Jahresrückblick

Gute Leistungen trotz Mangels

Die Schulen in Sachsen mussten dieses Jahr viele Herausforderungen meistern. Wegen Lehrermangels unterrichten jetzt mehr Quereinsteiger. Zudem mussten mehr ausländische Schüler integriert werden. Bestnoten erhalten die Schulen trotzdem weiterhin.
Sachsen ist zum elften Mal vorn bei der Frage nach dem besten Bildungssystem Deutschlands.
In Sachsens Schule unterrichten immer mehr Quereinsteiger.

Quereinsteiger helfen aus

In diesem Jahr unterrichten knapp 1200 neue Lehrer an Sachsens Schulen. Damit hat das Kultusministerium einen Rekord bei Neueinstellungen aufgestellt. Das Land musste auf viele zuvor in den Ruhestand gegangene Lehrer sowie eine insgesamt wachsende Schülerzahl reagieren. Jedoch konnten vor allem in den Naturwissenschaften nicht alle Lehrerstellen besetzt werden. Deshalb griff das Land auf viele Quereinsteiger bei den Neueinstellungen zurück. Das heißt, vor den Klassen an Sachsens Schulen stehen Lehrer, die ein Diplom in Physik oder Biologie besitzen, aber kein Pädagogikstudium absolviert haben. Dies betrifft kanpp 45 Prozent aller neu eingestellten Lehrer. Michael Jung vom sächsischen Lehrerverband kritisiert, dass Quereinsteigern das pädagogische Rüstzeug fehle und sie besonders am Anfang eine Zusatzbelastung für ihre Kollegen seien. Das Kultusministerium versichert aber, dass alle Quereinsteiger vor Beginn des neuen Schuljahres eine Schulung in Methodik und Didaktik erhalten haben.      

Lehrer gehen auf die Straße

Die Hauptursache für den Mangel an vollausgebildeten Lehrern sei die schlechte Bezahlung der Pädagogen in Sachsen, meint die Lehrergewerkschaft GEW. Sie rief deshalb im Jahr 2016 Lehrer mehrfach zum Warnstreik auf. So gab es im Juni eine Protestversammlung der Lehrer auf dem Richard-Wagner-Platz und im November vor dem Landtag in Dresden. Ende November streikten die Grundschullehrer und der Unterricht fiel für die meisten Erst- bis Viertklässler in Leipzig aus. Hauptkritikpunkt der Gewerkschaft ist die unterschiedliche Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen. So verdienen Grundschullehrer etwa 500 Euro weniger im Monat als ihre Kollegen an den Gymnasien. Die GEW hat deshalb dieses Jahr einen Tarifvertrag gefordert, mit dem alle Lehrer das gleiche Gehalt bekommen sollen. Das Land Sachsen hat sich darauf jedoch nicht eingelassen. Unterdessen setzt das Kultusministerium finanzielle Anreize für neue Lehrer. Wenn sie sich entschließen, in einer Schule abseits der großen Städte zu unterrichten, erhalten sie eine Zulage. Ebenso erhalten Gymnasiallehrer weiterhin ihr höheres Gehalt, auch wenn sie vorübergehend an einer Oberschule lehren. Bei den übrigen Lehrerkollegen regt sich darüber Unmut.

Trotzdem gute Leistungen

Eine weitere Herausforderung ist die stark gestiegene Zahl an ausländischen Schülern, die über keine ausreichenden Deutschkenntnisse verfügen. Diese bekommen Sprachunterricht in speziellen Vorbereitungsklassen und werden schrittweise in den normalen Unterricht integriert. In diesen Vorbereitungsklassen, die im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft angestiegen sind, unterrichten Lehrer mit Ausbildung in Arabistik oder Deutsch als Fremdsprache. Auch hier wurden viele Quereinsteiger eingestellt. Trotz dieser Herausforderungen erhält das sächsische Schulsystem weiterhin Bestnoten. Bereits zum elften Mal in Folge schnitt Sachsen 2016 im Bildungsmonitor im Vergleich zu den anderen Bundesländern am besten ab. Der Bildungsmonitor ist eine Studie der wirtschaftsnahen Initiative für neue soziale Marktwirtschaft, die Deutschlands Bildungssysteme in zwölf verschiedenen Kategorien vergleicht, darunter Betreuungsbedingungen, Bildungsarmut und Integration. Lobend hebt die Studie den hohen Anteil an Ganztagsbetreuung und die guten Bildungschancen für Schüler aus sozial schwachen Familien hervor. Ein Problem sei jedoch die hohe Zahl an Schulabbrechern, vor allem bei Schülern mit Migrationshintergrund. Das Hauptproblem für die Schulen in Sachsen – der Lehrermangel – wird auch im kommenden Jahr bestehen bleiben. Erst 2019 werden mehr Absolventen von Lehramtsstudiengängen erwartet. 

Einen Beitrag zum Nachhören von mephisto 97.6-Redakteurin Marisa Becker finden Sie hier:

Ein Beitrag von mephisto 97.6-Redakteurin Marisa Becker
 

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