Mindestlohn

"Gut gedacht, aber schlecht gemacht"

Seit einigen Monaten steht er: der flächendeckende Mindestlohn für 2015. Mindestens 8,50 Euro gibt es ab dann für alle – egal ob Rentner, Minijobber oder Festangestellte. Klingt erstmal gut, gefährdet aber laut der DEHOGA gerade Gastronomen.
Teller mit 8,50 Euro
Der flächendeckende Mindestlohn von 8,50 Euro gilt ab 2015 – für Kellner, Verkäufer und Reinigungskräfte.

Sarah ist 19 Jahre alt. Seit drei Jahren arbeitet sie in einem gastronomischen Betrieb. Kellnern, Getränke mischen, abwaschen – und das etwa 60 Stunden im Monat. Bisher hat sie dafür 7,30 Euro die Stunde bekommen. Jetzt gibt es 8,50 Euro.

Denn ab dem 1. Januar 2015 hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf Zahlung eines Mindestlohns von eben diesen 8,50 Euro pro Stunde durch den jeweiligen Arbeitgeber – egal ob man fest angestellt, als Minijobber oder als ungelernte Hilfskraft arbeitet. Für die Studentin Sarah sind das pro Monat immerhin 70,- Euro mehr – eine positive Wendung: "Also dafür, dass ich teilweise 12 Stunden am Stück oder bis fünf Uhr morgens arbeite, finde ich die Erhöhung angebracht. Außerdem mache ich als Ausbildungskraft auf 450-Euro-Basis exakt dieselbe Arbeit, wie die fest angestellten Kellner."

Mehr Lohn bedeutet auch mehr Belastung für die Betriebe

Der neue Mindestlohn

Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband e.V. (DEHOGA) sieht das anders. Er fordert sogar Korrekturen am neuen Mindestlohngesetz. Helmut Apitzsch, Präsident der DEHOGA Sachsen, sagt:

"Das Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie ist zwar gut gedacht, aber schlecht gemacht. Es wären, sollte der aktuelle Plan zum Mindestlohn tatsächlich ohne Änderungen verabschiedet werden, Arbeitsplätze und auch der Fortbestand vieler Unternehmen im Dienstleistungsbereich gefährdet."

Dem Verband ist vor allem die Altersgrenze von 18 Jahren zu niedrig. In einer Pressemitteilung vom 16. Juni forderten sie deshalb, dass das Alter auf mindestens 23, wenn nicht sogar 25 Jahre, angehoben wird. Axel Hüpkes, Geschäftsführer der DEHOGA Leipzig, ist besorgt, dass Jugendliche aufgrund des nun beachtlichen Gehalts, eine Ausbildung ablehnen: "Wenn ich den Jugendlichen sage 'mit 18 kannst du mehr verdienen, als wenn du deine Ausbildung machst', dann laufen wir hier Gefahr, dass wir das eigene duale System untergraben." Die niveauliche Gleichstellung von Mini-Jobbern, ungelernten Hilfskräften und Fachpersonal müsse verhindert werden, da ansonsten auch die "Wahrung des Betriebsfriedens" gefährdet sei. Eine Alternative wäre nur eine gleichzeitige Anhebung aller Lohngruppen – also sowohl von Hilfskräften als auch von Festangestellten. Das würde allerdings eine Lohnkostensteigerung von etwa 30 Prozent mit sich bringe – für die meisten Betriebe nicht tragbar.

"Überleben will ja jeder"

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen sind von der Umstellung betroffen. Laut DEHOGA seien in 93 Prozent dieser Betriebe maximal neun sozialversicherungspflichtige Angestellte unter der gesamten Belegschaft. Doch natürlich trifft es auch größere Betriebe. Bernhard Rothenberger vom Auerbachs Keller in Leipzig befürchtet, dass seine Belegschaft bis Ende 2015 von 120 Mitarbeitern auf 105 schrumpfen muss. Und auch Hüpkes fügt hinzu: "Egal, ob das Konzerne sind, oder ob das der kleine Mittelständler ist: Die müssen alle schauen, dass sie ihre Kostenstruktur angepasst haben. Weil überleben will ja jeder."

Eine Evaluierung des neuen Mindestlohns soll 2020 erfolgen. Die DEHOGA wünscht sich allerdings einen früheren Termin, damit noch korrigierend eingegriffen werden könne. Eine andere Lösungsmöglichkeit sei laut ihnen die seit Langem geforderte ermäßigte Mehrwertsteuer für gastronomische Betriebe. Dass ein Gleichgewicht zwischen den Wünschen der Arbeitgeber und -nehmer in den nächsten Jahren gefunden wird, bleibt zu hoffen. Es ist aber wohl im Sinne von beiden Seiten, der Branche kein Bein zu stellen und vor allem auch die kleinen und ländlichen gastronomischen Betriebe zu erhalten. 

Redakteur Magnus Folten im Interview mit Axel Hüpkes.
 
 

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Elisa Marie Rinne
17.06.2014 - 19:42