Filmkritik: Ghost Stories

Grusel im Dreierpack

Das gleichnamige Theaterstück war in England bereits ein großer Erfolg. Nun haben die Regisseure Andy Nyman und Jeremy Dyson ihr Bühnenstück "Ghost Stories" auf die große Leinwand gebracht und verneigen sich vor dem alten britischen Horrorkino.
Szene aus "Ghost Stories"
In diesem Tunnel wartet eine finstere Enthüllung

Wollte man nach der Premiere von Ghost Stories im Jahre 2010 etwas über das Theaterstück erfahren, gestaltete sich das äußerst schwierig. Bekannt war nur, dass davor gewarnt wurde, das Stück sei nicht für Kinder unter 15 Jahren geeignet. Szenenbilder suchte man vergebens. Stattdessen hingen am Theater Bildschirme, die entsetzte Reaktionen des Publikums zeigten. Das Stück entwickelte sich schnell zum Erfolg, wurde zunächst in Liverpool aufgeführt, bevor es nach der Premiere bis 2015 ins Londoner West End und schließlich sogar nach Australien zog.

In der Verfilmung der Ghost Stories schlüpft nun Theater-Regisseur Andy Nyman selbst in die Hauptrolle und spielt den Psychologie-Professor Phillip Goodman. Einen Skeptiker, einen Rationalisten, der mit dem Übernatürlichen wenig anfangen kann. Eines Tages erhält er von seinem eigentlich tot geglaubten Mentor einen Brief mit der Bitte, drei ungelöste Fälle zu klären. Goodman macht sich an die Ermittlung und besucht die drei betroffenen Personen, die angeblich vom Bösen heimgesucht wurden und Goodmans Weltbild schon bald erschüttern werden.

Old School Reloaded

Szene aus "Ghost Stories"
Nachtwächter in Nöten

Ghost Stories ist in jeglicher Hinsicht ein Horrorfilm der alten Schule. Genüsslich wird sich hier vor dem alten britischen Gruselkino verneigt, genauer gesagt dem Episoden-Horrorfilm wie beispielsweise den Todeskarten des Dr. Schreck von 1965. Die Atmosphäre ist schön schaurig und düster, die Bilder sind in unterkühlte Farben getaucht. Beste Voraussetzung also für ein überzeugendes Gruselerlebnis. Das Konzept des Episodenfilms wirkt dabei auch angenehm erfrischend in der aktuellen Kinolandschaft und bringt einen hohen Unterhaltungsfaktor mit sich. Um in den vollen Genuss zu kommen, lohnt es sich an dieser Stelle daher auch, größere Inhaltsangaben oder Trailer zu vermeiden. Das große Problem von Ghost Stories ist nur, dass sich der Horrorfaktor allzu schnell verabschiedet. Kann die erste Episode noch mit seinem unheimlichen Schauplatz punkten, ermüdet der Rest des Films eher. Die größte Enttäuschung ist dabei, dass sich die drei Erzählungen innerhalb des Films kaum voneinander unterscheiden.

Die Geheimnisse bewahren

Im Grunde genommen läuft jede der drei Geschichten nur auf einen großen Schreckmoment hinaus. Wenn im ersten Akt ein Nachtwächter (Paul Whitehouse) durch eine verlassene Psychiatrie wandelt und man plötzlich glaubt, im Schein der Taschenlampe eine geisterhafte

Szene aus Ghost Stories
Martin Freeman in Ghost Stories

Fratze zu sehen, stellt sich tatsächlich so etwas wie Gänsehaut ein. Anstatt in diesen Momenten zu verweilen und die Spannung Stück für Stück anzuziehen, entscheidet man sich aber leider jedes Mal für den einfachsten Weg und lässt eine Geistergestalt mit lautem Geräusch ins Bild springen. Das funktioniert beim ersten Mal, beim zweiten und dritten Mal kann man nur noch müde gähnen, zumal die Schreckeffekte so altbacken und klischeehaft ausgefallen sind, dass man doch etwas ernüchtert zurückbleibt.

Zwischendurch gibt es noch ein paar Gags und Martin Freeman (Sherlock, Der Hobbit) darf einen unsympathischen Geschäftsmann mimen, so wirklich gruselig wird es jedoch nie. Noch dazu ist die Auflösung der Geschichte so übertrieben auf seinen Überraschungseffekt ausgelegt, dass die Logik völlig auf der Strecke bleibt. In der Theaterfassung wurde das Publikum am Ende jeder Vorstellung gebeten, die Auflösung der Geschichte für sich zu behalten, um nachfolgenden Zuschauern und Zuschauerinnen den Spaß nicht zu verderben. Was nützt das, wenn die Schlusspointe so dermaßen abstrus und an den Haaren herbeigezogen wirkt?

Fazit

Ghost Stories ist hochwertig produzierte, unterhaltsame Gruselkost. Ein großes Genre-Meisterwerk ist der Film jedoch keinesfalls geworden. Dafür ist die Rahmenhandlung zu verrückt und der Schrecken in den einzelnen Episoden zu einfallslos inszeniert.

 

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"Ghost Stories"

Regie: Andy Nyman und Jeremy Dyson

Laufzeit: 98 Minuten

FSK 16

Cast: Andy Nyman, Martin Freeman, Alex Lawther, Paul Whitehouse und andere

Kinostart: 19. April 2018

Der Film feierte Deutschlandpremiere bei den Fantasy Filmfest White Nights im Januar 2018 und ist ab dem 6. September 2018 auf Blu Ray und DVD erhältlich.