Lese-Rechtschreib-Störung

Grundlagen für Frühtest entwickelt

Die Wörter dehnen sich, zerbrechen und Buchstaben sind nicht mehr zu erkennen. So beschreiben Betroffene ihre Lese-Rechtschreib-Störung. Um das Problem an der Wurzel zu packen, wird an den Grundlagen für einen Test zur früheren Erkennung gearbeitet.
Legasthenie
Legastheniker zu sein bedeutet, nicht richtig lesen und schreiben zu können.

An den Forschungen für die Grundlagen zum Frühtest waren Leipziger Wissenschaftler vom Max-Planck Institut und vom Fraunhofer Institut beteiligt. mephisto 97.6 hat anlässlich der neuen Entwicklungsschritte Arndt Wilcke vom Fraunhofer Institut interviewt:

mephisto 97.6: Was macht eine Lese-Rechtschreib-Störung überhaupt aus?

Wilcke: Eine Lese-Rechtschreib-Störung ist eine schwerwiegende Störung beim Erwerb der Schriftsprache, also beim Lesen und Schreiben. Und da gibt es eine sehr starke biologische Ursache. Das ist jetzt nicht allein durch schlechte Beschulung oder dergleichen erklärbar. Und was noch wichtig ist: Es ist kein Anzeichen von mangelnder Intelligenz.

mephisto 97.6: Heißt: Ein Kind, das eine Lese-Rechtschreib-Störung, hat dann mit was vor allem zu kämpfen?

Wilcke: Das Kind hat zunächst mal in der Schule, also der ersten Klasse damit zu kämpfen, dass es große Schwierigkeiten hat, dem Unterricht in Lesen und Schreiben zu folgen. Die Konsequenzen: Da Lesen und Schreiben ja in anderen Schulfächern auch gebraucht wird, ist es dann auch in nahezu anderen Schulfächern recht häufig auch schlecht.

mephisto 97.6: Wann wird so eine Lese-Rechtschreib-Störung normalerweise festgestellt?

Dr. Arndt Wilcke

Wilcke: Das ist sehr unterschiedlich. Je früher sie festgestellt wird, desto besser. Aber mit herkömmlichen Methoden ist es meist erst am Ende der zweiten Klasse möglich. Wenn das Kind also lesen und schreiben können sollte. Das heißt, die Therapie beginnt dann meistens erst ab der dritten Klasse. Aber die Sprachentwicklung beginnt ja nicht erst mit der Schule oder mit der zweiten Klasse, sondern schon sehr viel früher. Durch die späte Diagnose ist dann auch sehr viel Zeit für eine entsprechende Therapie verloren.

mephisto 97.6: Sie und ihre Kollegen haben jetzt also einen Frühtest entwickelt. Wie sieht der denn aus und wie funktioniert der?

Wilcke: Der Frühtest basiert auf zwei Grundlagen. Einmal auf einer EEG-Untersuchung und auf einer simplen Speichelprobe, wo bestimmte Genvarianten bestimmt werden. Damit wäre er deutlich eher einsetzbar als bisher und damit wäre auch eine entsprechende Frühförderung deutlich eher möglich.

mephisto 97.6: Sie haben das gerade schon angeschnitten. Ich würde trotzdem noch einmal kurz speziell darauf eingehen: Was ist denn genau der Vorteil, wenn diese Lese-Rechtschreib-Störung jetzt früher erkannt wird?

Wilcke: Es ist eigentlich wie bei allen Krankheiten und Störungen. Je früher sie erkannt wird, desto früher kann therapeutisch interveniert werden. Das heißt, desto früher kann den Kindern geholfen werden. Und je früher eine entsprechende Therapie einsetzt, desto erfolgsversprechender ist sie auch. Es gibt durchaus wirksame überprüfte Therapien. Was eben fehlt, ist eine zuverlässige Diagnostik, die deutlich vor der zweiten Klasse ansetzt.

mephisto 97.6: Jetzt haben sie die Grundlagen für diesen Frühtest gelegt, aber wie lange dauert es, bis er überhaupt eingesetzt werden kann?

Wilcke: Was jetzt der nächste Schritt wäre, wo wir gerade an der Planung sind, ist zu überprüfen, ob sich die Ergebnisse jetzt bei anderen Schülern, beziehungsweise bei anderen Kindern wiederfinden lassen. Das ist ein gängiges Verfahren bei jeder Testentwicklung. Bevor eine Markteinführung denkbar ist, rechnen wir noch mit ungefähr fünf Jahren.

Das Interview von Moderator Marc Zimmer mit Arndt Wilcke können Sie hier nachhören:

Ein Interview von Marc Zimmer
 
 

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