DOK-Filmfestival

Great films, terrible parties

Mit einem Besucherrekord ging das internationale Festival für Dokumentar- und Animationsfilme gestern zuende. Am Samstag wurden die renommierten goldenen Tauben verliehen.
Tammo Walter war beim DOK-Festival zugegen, unter anderem bei der Preisverleihung

mephisto97.6-Reporter Tammo Walter berichtet über seine Erfahrungen und Eindrücke auf dem DOK-Festival 2015:

Tammo Walter war bei vielen Veranstaltungen im Rahmen des DOK zugegen und berichtet
0211 SG Tammo DOK

48.000 Zuschauer besuchten letzte Woche das Festival. 316 kurze und lange Dokumentar- und Animationsfilme aus 62 Ländern wurden gezeigt. DOK-Leipzig ist Deutschlands größtes Festival für Dokumentar- und Animationsfilme und mit 75.000 Euro Preisgeld auch das am höchsten dotierte.

Die Vielfalt und Qualität der Filme war durchgehend überzeugend, die über 100 ausverkauften Vorführungen sprechen für sich. Oft sind die Regisseure vor Ort, so dass im Anschluss an die Filme durch Gespräche und Interviews noch tiefer in die jeweilige Thematik geblickt werden kann. Für Fachbesucher ist das Festival besonders interessant, da es eine gute und seltene Plattform für den Austausch bietet. Zahlreiche Veranstaltungen brachten Filmemacher, Produzenten und Verleiher zusammen.

Dieses Jahr neu war die Melange von Kurz- Lang- und Animationsfilmen. So wurde vor jedem Langfilm eine Kurzdokumentation oder ein Animationsfilm gezeigt. Ein neuer Programmpunkt war das DOK-Neuland, in dessen Rahmen interaktive Filmprojekte ausgestellt wurden. Die zwei Zelte auf dem Marktplatz waren durchgehend gefüllt, insgesamt 4000 Besucher kamen in die Ausstellung und nahmen sogar die langen Wartezeiten in Kauf, die durch den Andrang entstanden. Besonders beliebt war das Projekt „Deep“, in dem man interaktiv in einer virtuellen Unterwasserwelt tauchen konnte. So gewann es auch den Publikumspreis von DOK-Neuland.

Tuba und Tauben

Am Samstag zur Preisverleihung spielte einer der ersten Animatoren der Fernsehserie "Die Simpsons", David Silverman, Tuba. Anschließend wurden im Schauspielhaus die renommierten goldenen und silbernen Tauben vergeben. Der polnische Filmemacher Wojciech Staron gewann mit "Brothers" den internationalen Wettbewerb für Langfilme. Der Film ist ein poetisches Porträt zweier Brüder, die nach 70 Jahren in ihre polnische Heimat zurückkehren. Der Preis ist mit 10.000 Euro ausgeschriebe,  die vom MDR gesponsert wurden. Den deutschen Wettbewerb in der Kategorie Langfilme gewann der Leipziger Tom Lemke mit seiner Dokumentation „Land am Wasser“. Er porträtiert einfühlsam und überzeugend die letzten Bewohner eines kleinen Dorfes, das wohl schon bald Braunkohlebaggern weichen muss.

Die Gewinner in der Kategorie internationale Kurzdokumentation können sich sogar für eine Oscar- Nominierung qualifizieren. Das sind "The Conversation" von Anastasia Vonikova und "Erlkönig" von Georges Schwizgebel. Insgesamt wurden 19 Preise vergeben. Auch das Goethe-Institut, die Filmschule Leipzig, Verdi und andere Organisationen vergaben Preise und Förderungen. Der Publikumspreis von mephisto97.6 ging an den Animationsfilm „In the Distance“ von Florian Grolig.

Ein ironisches Motto des diesjährigen 58. Festivals war "Great films, terrible parties". Großartige Filme waren es auf jeden Fall und die meisten Parties wohl doch gar nicht so schlimm.

 

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