Frisch Gepresst: B-Sides

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Der Musikredaktion sind vier Alben der Woche nicht mehr genug: Ab jetzt wird Frisch Gepresst noch größer! Am Ende eines jeden Monats stellen wir fünf Platten vor, die zwar nicht zum Album der Woche geschafft haben, uns aber trotzdem begeistert haben.
Fünf gute Alben aus dem Januar 2020
Fünf gute Alben aus dem Januar 2020

Algiers – There Is No Year

Die Amerikaner von Algiers bleiben auch auf ihrem dritten Album „There Is No Year“ ihrem Stil treu. Große Veränderungen braucht es aber auch nicht, denn der Sound von Algiers ist absolut unverwechselbar: Ihre rohe Mischung aus Postpunk, Industrial und Gospel ist auch 2020 unfassbar intensiv. Sänger Franklin James Fisher verfügt dazu über eine einzigartig emotionale Stimme, die den politisch revolutionären und antirassistischen Texten Nachdruck verleiht.

Argonautiks – Trauben über Gold

Der Januar wartet schon mit einem der besten Deutschrap-Releases des Jahres auf. Das Beeindruckende an „Trauben über Gold sind neben einigen Stand-Out-Tracks vor allem die hohe Rate an gleichbleibend starken Songs. Die Beats sind morbide Boombap-Bretter mit richtig starken Rap-Hooks, etwa in „Ich hasse das“ oder „Berlin 99“. Und: "Trauben über Gold" begnügt sich nicht ausschließlich mit ziellosen Umherschlägen, sondern zeigt auch Haltung. So wird die Platte sogar explizit politisch:

Deutsch? Ich hasse das
Nazis erfinden sich wieder neu? Ich hasse das

Argonautiks in "Ich hasse das"

070 Shake – Modus Vivendi

Mit zwei Features gelang es 070 Shake vor zwei Jahren, die Musikwelt zu begeistern. Auf Kanye Wests Seelenstriptease „ye“ stachen vor allem ihre zwei Gastauftritte hervor. Und „Modus Vivendi“ ist nicht weniger beeindruckend. Das Album überzeugt mit einem futuristischen R&B-Ansatz, der modernen Trap mit Soulelementen verbindet.

Besonders brilliert das Album, wenn die Refrains zünden. Songs wie „Guilty Conscience“ oder „Under the Moon“ wagen sogar den Ausflug zu den ganz großen Stadionhymnen. Aber nicht nur das, 070 Shake experimentiert auch mit Sounds, etwa auf „The Pines“. Auf „Modus Vivendi“ präsentiert sie sich von ihrer ganzen Bandbreite – und macht Lust auf noch mehr.

Alexandra Savior – The Archer

"The Archer" macht nicht viel neu, aber es macht viel Altbekanntes gut. Auf den etwa 30 Minuten des Albums spielt Alexandra Savior mit der Melancholie und reizt diese auf einigen Songs bis zum Äußersten aus.
Savior schafft es im Laufe des Albums sogar, sehr gute Popsongs zu konstruieren. Eines der Highlights der Platte ist der Song „Howl“, das genau in diese Kerbe schlägt: Melancholisch, traurig, aber zugleich schön und - das passiert nur selten auf den zehn Songs des Albums - mit fiesen, poppigen Melodien, die im Ohr bleiben.

"The Archer" hat eine klare Soundästhetik, die von Minute 1 bis 30 gnadenlos durchgezogen wird. Manchmal ist das auch zum Nachteil der Platte. Hin und wieder gehen weniger überzeugende Songs einfach im Soundbild unter.
Dennoch ist "The Archer" ein stringentes Album mit einigen Höhepunkten.

Mac Miller - Circles

Mitte Januar erschien „Circles“ - das letzte Album des verstorbenen Rappers Mac Millers.

Anderthalb Jahre nachdem sein Leben und Schaffen mit nur 26 Jahren durch eine Überdosis beendet wurde, veröffentlicht seine Familie sein finales Werk. Es war als Begleitalbum zu seinem Vorgänger „Swimming“ geplant und schon fast vollständig fertig gestellt. Das Album ist ein Abschied, ohne dass es als solcher geplant war. Es ist ein tiefer Einblick in Mac Millers Gedankenwelt. „Circles“ besticht nicht durch große Hits, sondern durch seine Ruhe. Dadurch ist es am Ende dann zwar ein trauriger, aber irgendwie auch positiver Abschied.

 

 

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Scott Heinrichs, Henriette Seifert, Martin Pfingstl
10.02.2020 - 16:27
  Kultur