GameCheck: "Homefront: The Revolution"

Gonna start a revolution

Nordkorea marschiert in den USA ein: Das Actionspiel "Homefront: The Revolution" verfolgt ein abwegiges Szenario. Als Einzelkämpfer muss man sich gegen die Besatzer durchschlagen. Das ist handwerklich gut gemacht – doch der Aufstand hat seine Tücken.
In "Homefront: The Revolution" zettelt man als US-Widerstandskämpfer einen Aufstand gegen die nordkoreanischen Besatzer an.
In "Homefront: The Revolution" zettelt man als US-Widerstandskämpfer einen Aufstand gegen die nordkoreanischen Besatzer an.

"Ich bin Dana, und wer bist Du?" Tja, wenn Ethan darauf nur antworten könnte. Aber leider ist der Hauptcharakter in "Homefront: The Revolution" stumm – was zwar einem alten Videospielklischee entspricht, in diesem Fall aber besonders albern ist. Denn Ethan kann nicht mal seiner potenziellen Verbündeten Dana erklären, dass sie ihn lieber nicht foltern sollte: Schließlich möchte er ja sich der Widerstandsfraktion anschließen, zu der auch Dana gehört. 

Als die Zusammenkunft dann doch geklappt hat, zieht Ethan als eher austauschbarer Straßenkämpfer durch Philadelphia, um die nordkoreanischen Besatzer zu piesacken. Moment mal: Nordkoreaner in den USA? Jap. Denn in der Parallelwelt von "Homefront" haben die nicht nur schöne Smartphones hergestellt. Auch in der Waffenproduktion war die Diktatur führend und verkaufte ihre Produkte massenhaft in die USA – mit einem großen Haken. Denn die Waffen, die die Amerikaner von Nordkorea kaufen, haben technisch eine Hintertür eingebaut. So konnten die "Norks", wie sie im Spiel genannt werden, die USA besetzen. Und jetzt liegt es beim Spieler, die Widerstandsbewegung zum Sieg zu führen. 

 

In den besten Szenen sorgt das für adrenalingeladene Straßenschlachten. Dabei nutzt "Homefront: The Revolution" die Cry-Engine, was auch nicht zu übersehen ist: Von der Menüanzeige bis zur Heilungsanimation erinnert sehr vieles an die "Far Cry"- und an die "Crysis"-Reihe. In den Kämpfen sollte Ethan nicht blind nach vorne rennen, sondern nach Deckung suchen. Aber nicht immer braucht es Taktik, manchmal machen es einem die Nordkoreaner auch ziemlich einfach. Zum Beispiel, wenn sie orientierungslos in der Gegend rumstehen, oder blind in einen Raum und damit in Ethans Pistolenfeuer rennen. 

Mit jedem eroberten Feindesposten wächst die Revolution

Nicht falsch verstehen: Gerade das Erobern von Außenposten macht auf jeden Fall Spaß. So holt man sich Philadelphia Stück für Stück von den Nordkoreanern zurück. Mit jedem eroberten Posten schließen sich mehr Widerstandskämpfer der Revolution an. Auf einer Smartphone-Karte sieht man dann den Fortschritt. Dank des tollen Sounds und der schicken Grafik ist der simulierte Aufstand auch sehr atmosphärisch. Allerdings gibt es auf der PlayStation 4 immer wieder Ruckler, zum Beispiel stockt das Spiel bei jedem Zwischenspeichern für etwa zwei Sekunden. 

Für erledigte Aufgaben bekommt Hauptcharakter Ethan Punkte, die er dann für neue Waffen und Zielfernrohre eintauschen kann. Der Wechsel zwischen diesen Waffen sieht schick aus: So dient zum Beispiel die normale Pistole zugleich als Basismodell für eine Maschinen- und eine Luftdruckpistole. Ethan steckt dann verschiedene Waffenaufsätze um, wenn er wechseln möchte. In hektischen Gefechten wird das allerdings etwas umständlich. Das Highlight bei den Waffen ist übrigens der Feuerwerksraketenwerfer. Der hilft sogar gegen gepanzerte Fahrzeuge – und er passt ganz gut zu der Idee, dass eingeschlossene Revolutionskämpfer auch bei den Waffen improvisieren müssen.

Handwerklich gut gemacht, aber die Leidenschaft fehlt

In "Homefront: The Revolution" stecken einige gute Ideen. Auch der Multiplayer-Modus lädt mit kurzweiligen Koop-Missionen für bis zu vier Spieler zu Straßenkämpfen ein. Erstaunlich sind dabei die vielen freischaltbaren Gegenstände und Fähigkeiten für den eigenen Charakter, da die Missionen kaum für viele Stunden motivieren können. 

So richtig will der Funke in "Homefront: The Revolution" nicht überspringen. Dafür wird die Story mit zu wenig Herzblut erzählt und die Charaktere sind zu austauschbar. Zudem stellen sich die Gegner oft so doof an, als dass man sich wirklich bedroht fühlen könnte im besetzten Philadelphia. Außerdem sind viele Spielelemente einfach von den letzten "Far Cry"- und "Crysis"-Titeln zusammenkopiert, zum Beispiel der Waffenwechsel und das Außenposten-Erobern. Deshalb ist der Aufstands-Simulator handwerklich auf jeden Fall ein gutes Actionspiel, mit dem Egoshooter-Fans ihren Spaß haben werden. Richtige Leidenschaft versprüht die Revolution aber nicht. 

 

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Tobias Schmutzler
01.06.2016 - 15:23
  Games

"Homefront: The Revolution" ist für die PlayStation 4, die Xbox One und den PC erschienen. Unser GameCheck bezieht sich auf die PS4-Version.