Streik-Aufruf

Gleiches für die gleiche Arbeit

Mehr Schüler, immer weniger Lehrer - und Geld ist ohnehin nie welches da: So sehen es die Lehrer der Gewerkschaft Erziehung und WIssenschaft (GEW) und haben deshalb für den heutigen Donnerstag zum Streik aufgerufen. Sie fanden deutliche Worte.
Lehrerstreik in Leipzig
Bestückt mit Plakaten und Fahnen demonstrierten Hunderte Lehrer auf dem Richard-Wagner-Platz

Blaue Fahnen wehen im Wind auf dem Richard-Wagner-Platz. Einige stecken in den Rucksäcken von Demo-Teilnehmern, andere wehen vor der Bühne: Die demonstrierenden Lehrer der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) wollen die Staatsregierung in Dresden so zu Tarifverhandlungen bewegen.

Sie fordern etwa, dass angesichts massiv steigender Schülerzahlen mehr Lehrer eingestellt werden. Ein Tarifvertrag soll zudem regeln, dass Lehrer in Sachsen entsprechend ihrer Leistung bezahlt werden. Das sei auch 25 Jahre nach der Wende noch immer nicht der Fall, findet Demo-Teilnehmer und Gymnasiallehrer Reinhard Ullmann: "Wir werden heute immer noch nach Gutdünken der Landesregierung bezahlt, also so, wie die Landeskasse es hergibt". Er plädiert für einen Tarifvertrag, der regelt, dass es feste, gerechte und einheitliche Vergütungen gibt.

Unfaire Regelungen

Ein Kritikpunkt der GEW ist auch die Eingruppierung von Lehrkräften. Die regelt, in welche Entgeltgruppe die Lehrer fallen, wie viel Geld sie also am Ende des Monats verdienen. Das ist zurzeit aber eher von der jeweiligen Ausbildung abhängig als davon, wie lange sie schon an einer Schule oder Schulform arbeiten.

Diese Regelung empfindet auch Oberschullehrerin Jenny Mischke als unfair: "Ich werde nach der EG11 bezahlt, bin studierte Oberschullehrerin, und jetzt sollen junge Kollegen eingestellt werden, die Gymnasium studiert haben und mehr verdienen sollen." Und das, obwohl sie bereits seit Jahren an ihrer Schule arbeitet und aufgrund ihres Studiums passgenau die Jobanforderungen erfüllt.

Die wichtigste Forderung der GEW geht also dahin, dass alle Lehrer – unabhängig von welcher Schulform – das gleiche Geld für die gleiche Arbeit verdienen.

Sächsischer Lehrerverband nicht dabei

Nicht zum Streik aufgerufen hatte dagegen der Sächsische Lehrerverband und seine Spitzengewerkschaft, der Deutsche Beamtenbund. Beide hatten bereits im März 2015 mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder einen Tarifvertrag (TdL) abgeschlossen. Daher gilt für sie eine Friedenspflicht, Streiks sind nicht erlaubt. Der Streikaufruf der GEW könnte nach Auffassung des Lehrerverbandes Konsequenzen nach sich ziehen, da der ausgehandelte Tarifvertrag für alle Lehrer in Sachsen gilt. Das betont Steffen Winkler, Tarifverantwortlicher vom Sächsischen Lehrerverband: "Sachsens Finanzminister hat bereits deutlich gemacht, zu diesem Thema nicht in Tarifverhandlungen treten zu wollen. Allein der aktuelle Streikaufruf der GEW kann dazu führen, dass Sachsen aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder ausgeschlossen wird." Er macht aber auch deutlich, dass auch der Sächsische Lehrerverband zu Streiks aufrufen werde, sollte es in Sachsen konkrete Verschlechterungen für Lehrer geben.

"30 Euro mehr reichen nicht"

Der streikenden GEW geht das trotzdem nicht weit genug. Sie sieht sich im Recht, da sie den Tarifvertrag vom März 2015 eben nicht unterzeichnet hat. Der Lehrerverband habe mit dem Tarifvertrag auf Bundesebene auch den Lehrern in Sachsen keinen Gefallen getan, sagt die Bezirksvorsitzende von Leipzig, Cornelia Falken:

Der Sächsische Landesverband hat da einen Tarifvertrag ausgehandelt, der den Lehrern fast überhaupt nichts bringt. Wir sprechen von gerade einmal 30 Euro mehr Gehalt, und das gilt nicht einmal für alle Lehrer.

Nach knapp einer Stunde ist die Demo in Leipzig vorbei, eine Ende des Streits ist dagegen noch lange nicht in Sicht.

mephisto 97.6 Redakteurin war beim Streik dabei und berichtet:

mephisto 97.6 Redakteurin Hanna Voß war beim Streik dabei und berichtet
Lehrer streiken in Leipzig
 

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