CD der Woche

Glass Animals "Zaba"

Sie sehen aus wie Britpop, reden wie Britpop, klingen aber wie 2014. Glass Animals entziehen sich jeder Beschreibung. Da hilft nur reinhören ins neue Album "Zaba".
Glass Animals (v.l.n.r.): Drew Macfarlane, Edmund Irwin-Singer, Dave Bayley, Joe Seaward

Asymptoten-Pop?!

Ja, was machen sie denn für Musik, die vier Jungs aus Oxford? Pop kann alles und nichts heißen. Da braucht man schon ein neues Genre um ihre Musik in eine spezifischere Schublade zu stecken: Wie wäre es mit typisch britischem Asymptoten-Pop. Eine Asymptote ist in der Mathematik eine Gerade, an die sich eine Funktion ins Unendliche annähert, diese aber niemals berührt. Asymptoten-Pop ist dementsprechend also Musik, die sich an Pop annähert, ihn aber nie erreicht.

Und was heißt das jetzt?

Etwas konkreter lässt sich die Musik der Glass Animals vielleicht so beschreiben: leicht androgyner Gesang trifft auf verträumten, trippigen Downtempo-Pop. An diesem unzureichenden Versuch merkt man, Musik lässt sich nur schwer in ein Korsett aus Worten zwängen – besonders in diesem Fall. Die Musik sträubt sich gegen jede Genreklassifizierung. Jetzt ist die Verwirrung komplett und dieser verschwurbelte Abschnitt, hinterlässt wahrscheinlich einen sauren Nachgeschmack in der Großhirnrinde. Ganz im Gegensatz dazu steht das Album „Zaba“ von Glass Animals. Ein sehr wohliges Gefühl macht sich beim Hören im Körper breit, auch wenn man es nicht so richtig versteht.

Pazifistische Gewalt

Gewalt ist keine Lösung, Klanggewalt dagegen schon. Prügeleien traut man den schüchternen Briten auch nicht zu. Um so stärker haut einen die Klangwand um, die sie in Liedern wie „Pools“ loslassen.

Glass Animals - Po

Trotzdem bleibt der Sound dabei irgendwie subtil. Klassische Indie-Band-Instrumente treffen auf vielschichtige, elektronische Arrangements, die so clever aus vielen verschiedenen Elementen gebastelt sind, dass sie trotzdem nie überladen wirken. Abgerundet wird das Ganze durch den verträumten Gesang von Dave Bayley. Simple, sich schnell wiederholende Melodien in der Gesangsstimme lassen viele Songs wie Kinderreime klingen, so zum Beispiel „Walla Walla“.

Zu viele Rezepte verderben den Brei

Wir halten also fest: das Rezept für einen Glass Animals- Song ist eine grandiose Klangwand mit verträumtem, zuweilen leicht naivem Gesang. Dieses Rezept wird geradezu matrizenartig für alle Songs angewendet, was dem Album zwar einen einheitlichen Flow und den Eindruck eines in sich stimmigen Gesamtkunstwerks verleiht, allerdings verwischt es auch die einzelnen Songs und es fällt teilweise schwer, sie zu unterscheiden. Kaum ein Lied sticht wirklich heraus. Hört man das Album am Stück durch, fehlt dadurch ein wenig die Abwechslung.

Altbewährtes

Schade ist auch, dass der Trip nur elf Titel kurz ist. Außerdem ist nicht jedes Lied frisch vom Markt. „Gooey“ ist bereits im Februar diesen Jahres auf der gleichnamigen EP erschienen. Das kann man ja noch als Vorgeschmack auf das Album gelten lassen.

Glass Animals - Gooey (Video)

„Black Mambo“ hat die Band jedoch 2013 auf ihrer selbstbetitelten EP veröffentlicht. Die Entscheidung, die Geschichte vom kleinen Maulwurf nochmal zu erzählen, ist verständlich, da „Black Mambo“ wohl der stärkste Track auf dem Album ist. Geht den „Glas-Tieren“ schon beim Debut-Album der Saft aus, wenn viele Lieder nur wiederaufgewärmte Suppen sind? „Cocoa Hooves“ war sogar schon auf ihrer ersten Veröffentlichung von 2012, der „Leaflings“ EP, zu finden. Ob man ihnen das ankreidet bleibt jedem selbst überlassen. Es ist wohl zu verzeihen bei solch großartiger Klanggewalt.

Fazit

Glass Animals haben, trotz geringer Mängel, ein Album mit wunderbarer Klangtiefe produziert, deren Anziehungskraft man nur versteht, wenn man es selbst ausprobiert, also anhört. Selbst dann ist es schwer in handfesten Gedanken zu fassen. Deshalb sollte man einfach nicht zu viel darüber nachdenken, sondern sich einfach zurücklehnen und genießen. Und wenn man das Nachgrübeln dann immer noch nicht lassen kann, dann sollte man sich einfach das Interview mit mephisto97.6 anhören. Hier spricht die Band über Gangster-Einhörner, Socken über Mikrofonen und ihren kleinen Schuppen im Wald von Oxfordshire.

Redakteur Felix Schmidt im Gespräch mit Glass Animals
Glass Animals Interview
 

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Felix Schmidt
02.06.2014 - 12:10
  Kultur

Glass Animals: Zaba

Tracklist:

01 Flip
02 Black Mambo
03 Pools
04 Gooey
05 Walla Walla
06 Intruxx
07 Hazey
08 Toes
09 Wyrd
10 Cocoa Hooves
11 JDNT
 

Erscheinungsdatum: 09.06.2014
Caroline International Germany