DOK 2020

GIRLS/MUSEUM: Virtueller Museumsbesuch

Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. "Girls/Museum" begleitet Mädchen und junge Frauen bei einem Streifzug durch die Sammlung des Museum der Bildenden Künste in Leipzig.
Girls/Museum
Dokumentarfilm "Girls/Museum"

Die Dokumentation „Girls/ Museum“ von Shelly Silver feierte auf dem diesjährigen DOK Weltpremiere. Die Handlung lässt sich in wenigen Sätzen gut zusammenfassen: Protagonistinnen im Alter von 7 bis 19 Jahre werden im Museum der bildenden Künste in Leipzig dabei gezeigt, wie sie eine Auswahl an Werken interpretieren. Die Mädchen und jungen Frauen schauen besonders auf die Darstellungen von Frauen in den einzelnen Werken und setzten diese in den Kontext verschiedenster Diskurse. Die Künstlerin und Filmemacherin Shelly Silver aus New York schafft mit simplen Montagetechniken und einer klaren Handlung eine Dokumentation, die den Zuschauenden das Gefühl gibt, direkt bei dem Museumsrundgang dabei zu sein.

Eine Frage der Perspektive

Der chronologische Rundgang beginnt bei den frühen Klassikern des Museums und endet in der zeitgenössischen Selfiekunst. Dabei stoßen die Betrachterinnen ziemlich schnell auf die aktuellen Streithemen der Kunst: Machtstrukturen und Trennung von Künstler*in und Werk. So beginnt die Kunstinterpretation bei dem biblischen Sündenfall mit Lucas Cranachs Werken „Adam“ und „Eva“. Der Grundstein für die Debatte um die männliche Perspektive auf die Frau in den einzelnen Kunstepochen ist damit gelegt. Die Besonderheit der Dokumentation ist dabei, den Ansichten der jungen Protagonistinnen auf das bekannte Paradigma „Mann malt Frau“ zu folgen. Dieser rote Faden zieht sich automatisch durch die Dokumentation und wirkt in den 74 Minuten des Films alles andere als langweilig. Als Zuschauende wird man mitgezogen und zum nach- bzw. mitdenken angeregt, ohne dass die Dokumentation belehrend wirkt. Dies gelingt auch mit Hilfe des permanenten Schnittwechsels zwischen Nähe und Entfernung, also Gesamtbild und Detail des Bildes. Silver bietet so die Möglichkeit die einzelnen Kunstwerke nochmals aus einer fast schon intimen Nähe zu betrachten.

Shelly Silver gelingt es, die Perspektiven der Mädchen und jungen Frauen auf die Darstellung der Frau in der Kunst und die Zukunft des Museums authentisch auf die Leinwand zu bringen. Auch wenn die Interpretationsansätze nicht unbedingt neue Erkenntnisse bringen, ist es dennoch interessant und mitreißend, den Betrachterinnen beim Museumsrundgang zuzuhören.

 

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GIRLS/MUSEUM feierte seine Weltpremiere auf dem 63. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

 

Regie: Shelly Silver

Laufzeit: 74 Minuten

Land: Deutschland

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