CD der Woche

Gewitter der Gefühle

Stylischer Name, Cover-Bild aus geometrischen Formen und einen frischen, neuen Sound mit Alleinstellungsmerkmal: Holy Esque haben gute Karten mit ihrem Debüt "At Hope's Ravine" zum neuen Hype der Indie-Welt zu werden.
Holy Esque vor blauem Hintergrund
Haben lange Zeit an ihrem Debütalbum gearbeitet: Holy Esque

Freigelassen

Man stelle sich folgende Geschichte vor: Aufwachsen in einem grauen Vorort von Glasgow, Musik als einziger Ausweg aus der Realität. Die Heimat hinter sich lassen, um dann endlich in die schottische Metropole zu ziehen. Glasgow School of Art – der berühmte Ort, an dem sich auch Größen wie Franz Ferdinand oder Travis gründen. Musikalische Seelenverwandte treffen, Proberaum finden, Debütsingle, eine hochgelobte Debüt-EP und dann? Das schottische Quartett Holy Esque veröffentlicht nicht überstürzt ihren ersten Langspieler. Nein, sie warten und lassen sich unglaublich viel Zeit. Eigentlich sogar viel zu viel Zeit. Über drei (!) Jahre später erscheint „At Hope’s Ravine“ – und Holy Esque lassen damit ein lange gebändigtes Monster frei.

Ein Blitz im Gewitter

Der Opener „Prism“ trifft den Hörer mit einer Wucht irgendwo zwischen einer Peitsche und der wilden See. Ein Gewitter aus krachigen Gitarren, die so klingen wie Synthesizer. Oder Synthesizer, die so klingen wie krachige Gitarren. Auf jeden Fall ist hier mehr wirklich mehr. Zusammen mit dem wilden Schlagzeug wird ein übersteuerter Sound erzeugt, der trotzdem in jedem Moment hörbar bleibt. Im Klang-Gewitter wirkt die Stimme von Pat Hynes wie der Blitz, der heraussticht und die entscheidenden Akzente gibt. Seine außergewöhnliche Stimmfarbe passt dabei ideal zum Klang der Instrumente. Man kommt nicht umhin zu sagen, dass Pat Hynes an den Frontmann Ellery Roberts von Wu Lyf erinnert. Oft am Limit, hin und wieder brüchig, aber immer aus voller Seele.

Believe the Hype

Holy Esque haben scheinbar das perfekte Rezept gefunden, um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ein interessant klingender Name und ein mysteriöses Albumcover aus geometrischen Figuren sind da nur der Anfang. Viel interessanter ist, dass sie einen Sound kreieren, der so noch nicht da gewesen ist und aufhorchen lässt. Das haben sie schon vor vielen Jahren mit ihrer Debütsingle „Rose“ geschafft. Die hat es jetzt an zweiter Stelle auch vollkommen zurecht auf das Album geschafft. „Rose“ steht „Prism“ in Sachen Energie in Nichts nach, geht aber deutlich mehr nach vorne und hat somit das Zeug zum Hit. „Hexx“ spielt ein bisschen mehr mit cleanen Solo-Gitarren, die am Ende aber auch wieder in ein Meer voller Noise-Gitarren eintauchen. Generell tauchen diese „The Cure-ähnlichen“-Gitarrenmelodien öfter auf, so auch in „Strange“.

Ohne Pause

Nur selten bekommt der Hörer auf „At Hope’s Ravine“ Zeit zum Verschnaufen. Zu mitreißend ist das Zusammenspiel der Instrumente. Selbst etwas langsamere Tracks wie „Doll House“ entfachen nach einer eher zurückgenommenen Strophe einen epischen Refrain. Dieses Zusammenspiel aus leise und laut gelingt Holy Esque bei „My Wilderness“ ganz großartig. Das Schlagzeug zieht nach der Strophe das Tempo an und führt in einen schönen, zur Abwechslung mal nicht übersteuernden Refrain, der das starke Songwriting der Schotten unter Beweis stellt. In all den emotionalen Klangwellen gelingt es Holy Esque nämlich auch immer wieder überzeugende Melodien zu schreiben. Das zeigt insbesondere „Silences“. Die Explosion im Refrain erinnert eher an emotionalen Post-Rock. Durch die schönen Melodien zwischendurch wird der Track zum 4-Minuten Kracher und einem der zentralen Stücke auf „At Hope’s Ravine“.

Fazit

Holy Esque haben lange darauf gewartet, sich der Welt zu zeigen. Dafür ist das Debütalbum besonders geworden. „At Hope’s Ravine“ klingt an keiner Stelle wie eine Mischung aus anderen Bands. Die Schotten haben ihren eigenen unverkennbaren, überladenen und rohen Sound. Der ist zwar durchaus gewöhnungsbedürftig, schlägt aber trotzdem ein. Es scheint als hätten Holy Esque ihre Gefühle über Jahre aufgestaut um sie auf "At Hope's Ravin" in einem emotionalen Klang-Gewitter freizulassen. Mit der grauen Einöde um ihren Heimatsort Glasgow herum sollte jetzt endlich Schluss sein. Holy Esque müssen sich jetzt nicht mehr verstecken und brennen förmlich darauf, ihre Musik auf die Bühnen dieser Welt zu bringen.

 

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Till Bärwaldt, Isabel Woop
22.02.2016 - 11:06
  Kultur

Holy Esque: At Hope's Ravine

Tracklist:

1. Prism
2. Rose*
3. Hexx
4. Covenant III
5. Silences*
6. Strange
7. Doll House
8. Tear
9. My Wilderness*
10. St.
11. At Hope's Ravine

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 26.02.2016
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