Dokumentation

Gewalt gegen Flüchtlinge

Eine gemeinsame Dokumentation der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL zeigt, dass die Zahl flüchtlingsfeindlicher Übergriffe in Deutschland ansteigt. Und Organisationen wie Pegida sollen daran nicht ganz unschuldig sein.
Faust
Flüchtlinge werden immer öfter Opfer von Gewalt

153 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte, 77 Körperverletzungen und tätliche Angriffe auf Flüchtlinge. Das sind die Zahlen, die laut der Dokumentation der Amadeu Antonio Stiftung und PRO ASYL 2014 in Deutschland zustande kamen. Sachsen hat daran einen nicht unwesentlichen Anteil: hier wurden 22 Flüchtlingsheime angegriffen und 24 Körperverletzungen mit flüchtlingsfeindlichem Hintergrund verübt.

PRO ASYL dazu auf Twitter:

Tweet Pro Asyl

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, sieht einen Zusammenhang zwischen den Übergriffen und den Demonstrationen und Kundgebungen der Pegida:

Wenn man sich das in einem Jahresverlauf anguckt, kann man halt schon nachweisen, dass ein Großteil der Übergriffe im Prinzip im zweiten Halbjahr beginnen und da zum einen flüchtlingsfeindliche Veranstaltungen im Rahmen des Wahlkampfs eine Rolle gespielt haben, aber eben auch die Pegida-Demonstrationen. Und ein zweiter Anhaltspunkt ist halt auch, dass sich die Angriffe auch in Dresden konzentrieren.

Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung 

Daher dürfe auch die Regierung Organisationen wie die Pegida nicht unterschätzen, sagte Reinfrank weiter. Im Kern sei Pegida eine flüchtlingsfeindliche Organisation. Um dem entgegenzuwirken, sei es wichtig, sich aktiv für Flüchtlinge einzusetzen, beispielsweise durch Kleiderspenden oder die Unterstützung eines Sprachkurses.

Es sei außerdem wichtig, den Zusammenhang zwischen flüchtlingsfeindlicher Mobilisierung in sozialen Netzwerken und tatsächlichen Übergriffen zu erkennen. Junge Leute würden sich demnach schnell als "Vollstrecker des Volkswillens" sehen, wenn sie dafür die öffentliche Unterstützung spüren.

Insgesamt sei zu beobachten, dass die Brutalität gegen Flüchtlinge bundesweit zunimmt. Angriffe richten sich immer mehr gegen Menschen als gegen Unterkünfte, Flüchtlinge werden angespuckt und geschlagen. In Sachsen fallen die öffentlichen Verkehrsmittel als häufige Tatorte auf.

Für ihre Zusammenstellung nutzten die Stiftung und PRO ASYL unter anderem Medienberichte, Auskünfte von lokalen Initiativen und Projekten, Meldungen der Polizei, Augenzeugenberichte und Zahlen des Bundeskriminalamtes.

 

mephisto 97.6-Redakteurin Stefanie Otto über eine Dokumentation zur Gewalt gegenüber Flüchtlingen.
Gewalt Flüchtlinge

 

 

 

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Die "Chronik der Gewalt" finden Sie hier.