Videospiele

Gestern, Heute und Morgen

Auf der Gamescom Köln werden die neuesten Trends auf dem Videospielmarkt vorgestellt und ausprobiert. Große Firmen zeigen ihre aktuellen Entwicklungen, kleine Studios ihre Arbeit und die Community trifft sich zum Austausch.
Gamescom
Die Gamescom lockt jedes Jahr viele Besucher an.

Immer mehr Menschen spielen. Nach dem ersten Halbjahr hat sich gezeigt, dass Deutschland in Europa mittlerweile der größte Absatzmarkt für Videospiele ist, nachdem der bisherige Spitzenreiter Großbritannien um 20 Prozent eingebrochen ist. Grund dafür ist auch der reichhaltige Markt kleinerer Spiele, die auf dem Handy oder Tablet gespielt werden können. Der Zugang ist oft kostengünstig, das Spielprinzip äußerst simpel und vor allem ist es ein kurzweiliger Zeitvertreib. Deswegen rutscht das Videospiel immer mehr in die Mitte der Gesellschaft, wird leichter zugänglich und bekommt immer mehr Bedeutung.

Dabei wird auch der durchschnittliche Spieler immer älter: War es früher noch eine Sache für Kinder und Außenseiter, sind die großen Titel eher für den Erwachsenen. Der Spielemarkt orientiert sich immer mehr an Hollywood. Einige große Titel beherrschen den Markt und reproduzieren sich immer mehr selbst, indem sie immer neue Fortsetzungen hervorbringen – so kommt relativ wenig Bewegung in den Spielemarkt. Da kommt einem der große Kampf zwischen Sony und Microsoft eigentlich ganz entgegen, die mit innovativen Exklusivtiteln versuchen wollen, die Spieler auf ihre Seite zu ziehen. Allerdings wird bei einem Blick auf die Hardware deutlich, dass sich da wenig tut. Die Mechaniken haben sich wenig geändert. Lediglich Auflösung und Software wurde verbessert, doch innovative Techniken, wie I-Toy, Kinect oder auch die PS-Vita mit ihrem speziellen Touchpad scheinen vergessen und die Steuerungsbrille von Sony wirkt leider auch weniger bahnbrechend.

 

Cäcilia Sauer im Gespräch mit Moderator Mike Herbstreuth über aktuelle Trends auf dem Spielemarkt
Spielemarkt

…oder doch für Kinder?

Nicht jeder darf jedes Spiel kaufen, man muss schon das richtige Alter haben. Dabei ist die Diskussion bei Videospielen immer etwas größer: Brutale Kriegsfilme stoßen zwar auch nicht immer auf Begeisterung, aber Spiele mit Waffengewalt wecken große Ängste und sollen deswegen nur Menschen mit entsprechender Entwicklung zugänglich gemacht werden. Ähnlich wie bei Filmen gibt es eine Einrichtung, die für die Alterseinstufungen zuständig ist, die USK – die Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle. Hier sichtet ein Gremium neue Spiele, die unter bestimmten Gesichtspunkten die Altersfreigabe festlegen – in Deutschland geht es dabei besonders um Gewalt und sexuelle Handlungen oder als besonderer Fokus die Darstellung von Symbolen aus dem Dritten Reich. Die große Herausforderung ist der riesige Internetmarkt. In Appstores können auf der ganzen Welt Spiele schnell an den Nutzer gebracht werden, ohne dass es zu einer Prüfung kommen kann. Ganz abgesehen davon, dass ganz unterschiedliche Einrichtungen ihr Rating abgeben – denn was hier eine 12+ bekommt, ist in einem anderen Land sogar eine 15+. Zur Lösung dieses Problems haben sich alle Institutionen zusammengesetzt und ein neues System entwickelt: Als Uploader muss man einen Fragebogen ausfüllen und das Programm errechnet die jeweilige Altersfreigabe.

 

mephisto 976-Reporter Thilo Körting im Gespräch mit USK-Geschäftsführer Felix Falk
USK

Ist das nicht von gestern?

Obwohl auf der Messe alles neu ist, hat auch Altes Platz – sogar noch mehr Platz, denn die Fläche für Retrogaming ist gewachsen, genauso wie das Interesse am Retrolook insgesamt. Diese Entwicklung zum Retro steht jedoch kaum in Verbindung mit der Vorliebe für Retrospiele. Letzteres ist kein plötzlich aufkommendes Interesse, sondern die Protagonisten dieser Bewegung waren eigentlich schon dabei, bevor diese Spiele Retro geworden sind – wobei das für jeden natürlich etwas anderes bedeutet. Dass es sich hierbei ebenfalls um den Zeitraum der 60er bis 90er handelt, wie bei anderen Retrowellen, ist vielmehr Zufall, denn es ist nicht einfach die Erinnerung an eine bestimmte Epoche, sondern an die Anfänge der Videospielgeschichte, so wie die Epen Homers in der Literatur und die Filme Fritz Langs unvergessen bleiben.

 

Reportage über den Retrogaming-Bereich von Thilo Körting

René Meyer, Petro Tyschtschenko, Matthias Schmitt, Lars Bernhofen

Retroreportage

Eine ernste Sache

Zwei Tendenzen sind verantwortlich für eine andere Sicht auf Videospiele: Zum einen wächst das Interesse hieran in der Pädagogik und zum anderen in der Medizin. Es gibt eine vermehrte Nutzung von Edutainment in den amerikanischen Staaten, zum Beispiel wird durch Spiele historisches Wissen vermittelt. Im Bereich der Medizin werden Videospiele unter anderem für die psychologische Heilung eingesetzt, krebskranke Kinder schießen beispielsweise Tumore ab. Auch werden Bewegungsspiele zur Therapie von Altersschwächen eingesetzt. Es gibt jedoch noch keine klare Antwort darauf, wie Serious Games aussehen können. In der Regel sind es Spiele, die mit einem speziellen außerspielerischen Ziel entwickelt wurden, wie Wissensvermittlung oder Gesundheit. Doch diese Sichtweise verringert auch das Ansehen auf Spiele, die ohne solche Zielsetzungen gespielt werden. Eine Studie des MPI Berlin hat jedoch gezeigt, dass jedes Spiel positive Effekte erzielen kann, wie eine Steigerung des räumlichen Denkens oder Reaktionsfähigkeiten. Spiele werden also immer ernster genommen. Der Staat allerdings schätzt die Bedeutung von Spielen als Kulturgut oder methodisches Mittel als gering ein – vielleicht lässt sich dies noch ändern.

 

Bericht über den Trend der Serious Games von Cäcilia Sauer

Sandro Hardy (TU Darmstadt), Simone Kühn (MPI Berlin)

Serious Games

Gemeinsam in eine andere Welt

Dass Videospielen eine Sache des Internets ist, das zeigen die jüngsten Entwicklungen nur allzu deutlich: Neue Software ermöglicht problemlos Erfolge zu teilen, die Spieler treffen sich in der Online-Arena und Spieler treten im Netz gegeneinander an. Hier wird das Spielen eine immer ernstere Angelegenheit, denn Spielen ist nicht mehr nur ein Freizeitvergnügen: Wie Fußball professionalisiert sich auch das Spielen, es gibt Pro-Gamer und Ligen, in verschiedenen Spielen. Das wachsende Interesse am sogenannten ESports sorgt für größer werdende Anerkennung dieses speziellen Sportes. Obwohl es kaum wie Sport aussieht, gibt es doch zahlreiche Überschneidungen. Das wichtigste ist jedoch, dass große Turniere nicht mehr nur gesichtslos im Internet ausgeführt werden. Stattdessen trifft man sich, tauscht sich aus, trainiert sogar gemeinschaftlich – die Wahrnehmung von Videospielen ändert sich.

 

Bericht über eSports von Thilo Körting

Ulrike Allenstein eSports Leipzig

eSports

Von Göttern und Füchsen

2 Menschen
Gamescom ????

Die Farben Rot und Gelb dominieren das Spiel Tri. Der Spieler bekommt von einem Mönch die Aufgabe, einen Fuchsgott zu finden. Dafür wird er in die Götterwelt versetzt, wo er auch das Tri erhält – das Dreieck, mit dem Dreiecke in die Welt gezeichnet werden können. Mit diesen Dreiecken können große Höhen überwunden und an Wänden entlang gegangen werden. Tri ist ein klassisches Puzzlespiel, in dem man Wege finden muss, deswegen geht es auch vielmehr darum den Raum zu erkunden, als komplizierte Rätsel zu lösen. Aus diesem Grund ist das Design von besonderer Wichtigkeit, denn die beiden Entwickler von Ratking Entertainment sind erstmal Mediendesigner und sie wollen eine stimmungsvolle Welt erschaffen. Das ist ihnen gelungen. Puzzlespiele, in denen man den Weg finden muss, sind nicht neu, doch das Werkzeug der Dreiecke ist es und so kann der Spieler seinen Weg durch die Götterwelt wagen, in einer atmosphärischen Umgebung auf der Suche nach dem Fuchsgott und seinem Geheimnis.

 

mephisto 97.6-Reporter Thilo Körting im Gespräch mit Entwickler Friedrich Hanisch von Rat King Entertainment
Rat King
 

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Thilo Körting
25.08.2014 - 11:30
  Kultur