Interview

Gespräche mit einem Kühlschrank

In Axel Hackes Kolumnen gibt es vier Hauptfiguren: Ich, die Frau von ich, den Sohn der beiden ersten Hauptfiguren und den Kühlschrank Bosch. Warum man Axel Hacke nicht mit „Ich“ verwechseln darf, erzählte er mephisto 97.6 im Interview
Axel Hacke darf man nicht mit dem lyrischen Ich in seinen Büchern verwechseln

Unsere mephisto 97.6 - Redakteurin Judith Fliehmann war im Gespräch mit dem Autor Axel Hacke: 

Redakteurin Judith Fliehmann war im Gespräch mit Axel Hacke
 

Ihr neues Buch trägt den ominösen Titel „Das kolumnistische Manifest“ – was soll der Aussagen?

Es ist ein Manifest, das nicht als Manifest geschrieben worden ist. Es ist eine Sammlung von Kolumnen aber es ist schon mehr als das, es gibt einen Blick auf 25 Jahre Kolumnen schreiben. Es ist damit auch ein Blick auf 25 Jahre Zeitgeschichte, auf die Art, wie wir in dieser Zeit unsere Kinder erzogen haben, wie wir in vieler Hinsicht Politik gesehen haben, wie wir uns aber auch mit Wissenschaft beschäftigt haben. All das kommt in diesem Buch vor. Für mich ist es aber auch ein Viertel Jahrhundert meiner Arbeit.

Eine berühmte Figur aus Ihren Kolumnen ist der Kühlschrank Bosch, der dient Ihnen als Gesprächspartner für nächtliche Unterhaltungen. Warum sitzen Sie denn nachts alleine in der Küche?

Sie dürfen nicht meine Geschichten mit meinem Leben verwechseln.

Und Sie machen auch einen Fehler, wenn Sie denken, ich würde wirklich mit meinem Kühlschrank reden. Ich mag zwar ein bisschen seltsam sein, aber so seltsam bin ich dann doch wieder nicht. Das sind eben erfundene Geschichten und da ist der Autor jemand, der nachts in der Küche sitzt und mit seinem Kühlschrank spricht – in Wirklichkeit sitze ich nachts nie in meiner Küche, sondern nachts liege ich im Bett wie die meisten anderen Mitbürger auch und das ist auch ganz richtig so.

In den Texten berichten Sie viel über die Beziehung zu Ihrer Frau und das Aufwachsen Ihres Sohnes. Ich würde mich allerdings wahrscheinlich nicht so freuen, wenn mein Vater unser Privatleben so an die Öffentlichkeit trägt. Was sagt denn die Familie dazu?

Gott sei Dank gefällt der das. Es hat ihnen immer gefallen und sie mögen das auch heute noch. Den Kindern war das ihn ihrer Kindheit vollkommen Wurscht, die haben das überhaupt nicht mitbekommen. Mein Sohn heißt ja zum Beispiel nicht Louis, meine Frau heißt auch nicht Paola. Also ist schon klar, dass das fiktive Personen sind. Trotzdem habe ich, als mein jüngster Sohn zwölf Jahre alt wurde, damit aufgehört, weil es war schon so, dass er – obwohl er nicht Louis heißt – immer so ein bisschen damit identifiziert wurde. Und je bekannter die Kolumne wurde, desto mehr nahm das zu und als er dann in die Pubertät kam habe ich damit aufgehört, das wollte ich nicht.

Sie haben gesagt, dass man Sie und die Personen in den Kolumnen nicht verwechseln darf. Stört sie das? Wie gehen Sie damit um?

Das ist mir egal, wenn das jemand macht, dann macht er es eben. Wissen Sie, wenn man was geschrieben hat, dass muss man das auch wieder loslassen und alles was dann weiter passiert, das findet im Kopf des Lesers statt. Ich habe das geschrieben, so wie ich das gut fand und dann muss jeder Leser das damit anfangen, was er damit anfangen möchte.

Ich mache das, was mir Spaß macht und alles Andere ist Sache der Leute da draußen.

 

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Judith Fliehmann
21.04.2016 - 14:23
  Kultur