Friedliche Revolution

Geschichte zum Anfassen

Das Projekt 'Untold Stories' soll die Friedliche Revolution anhand von Einzelschicksalen greifbar machen. Einem dieser bisher unbekannten Schicksale ist ein riesiges Graffiti in der Georg-Schumann-Straße gewidmet.
"Untold Stories"-Graffiti in der Georg-Schumann-Straße

Wer auf die Georg-Schumann-Straße einbiegt, dem bietet sich ein ungewöhnliches Bild: Jugendliche plakatieren eine Hausfassade. Doch die Plakate bleiben nicht hängen, sondern werden von einem Meer aus Seifenblasen davon getragen. Was wie ein Tagtraum klingt, ist in Wirklichkeit ein Graffiti, das seit zwei Monaten die Seitenwand der Hausnummer 25 schmückt. Es soll an Schüler erinnern, die 1989 Plakate in ihrer Schule im Norden Leipzigs aufgehängt haben. Sie wollten ihre Mitschüler so dazu auffordern, sich an den Demonstrationen gegen das DDR-Regime zu beteiligen.

Sachsenweites Projekt

Entstanden ist das Graffiti im Rahmen der sachsenweiten Kampagne 'Untold Stories'. "Mit unserem Projekt erzählen wir Geschichten aus Stasiakten nach. Wir haben dabei bewusst solche gewählt, die noch nicht bekannt sind – also untold", sagt Franziska Scheffler von der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Sie hat das Projekt in Leipzig koordiniert. Ziel der Kampagne ist es, Jugendlichen die Geschichte der Friedlichen Revolution näher zu bringen. In künstlerischen Workshops haben sie die Vorwendezeit an Einzelschicksalen nachempfunden. Anschließend haben sich die Teilnehmer kreativ mit der Thematik auseinandergesetzt. Bei einem dieser Workshops entstand so das Graffiti in der Georg-Schumann-Straße.

Schnitzeljagd auf den Spuren der Friedlichen Revolution

Obwohl die Workshops vorbei sind, ist das Projekt noch nicht abgeschlossen. An jedem Ort, an dem sich eine der "Untold Stories" ereignet hat, soll es in Zukunft einen Geo-Cach geben. Wer möchte, kann anhand einer GPS-Schnitzeljagd die Geschichte der Friedlichen Revolution nachvollziehen. Fünf Geo-Cachs sollen so in Leipzig entstehen. Einer von ihnen wird am Graffiti in der Georg-Schumann-Straße zu finden sein. Ein idealer Platz findet Sebastian Drechsel, der den Graffiti-Workshop betreut hat. Er ist Vorstand des Graffitivereins Leipzig, der das Projekt mitorganisiert hat. „"Wir wissen, dass viele Leute Lust haben werden, diesen Cach zu finden. Sie bekommen dann vielleicht auch einen anderen Hintergrund zur Örtlichkeit und merken, dass die Georg-Schumann-Straße nicht nur eine Durchfahrtstraße ist, sondern dass dort auch geschichtlich viel passiert ist", sagt Drechsel. Durch die Geo-Cachs bleiben die Geschichten auch nach den Feierlichkeiten in Erinnerung. Am 10. Oktober werden sie freigegeben. Dann können die "Untold Stories" in Leipzig von jedem, der möchte entdeckt werden.

 

mephisto 97.6 - Redakteur Helge Hujer über die "Untold Stories".
Graffiti AKAD NEUNEUNEU
 

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