Die Kolumne

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Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Felix Krause über, ja, die Buchmesse.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Vier Tage Ausnahmezustand für Buch-Liebhabende. Seit gestern und bis Sonntag ist mal wieder Buchmesse in Leipzig, aber das haben ja inzwischen wirklich alle mitbekommen. Leipzig kann also mal wieder durch die sogenannte Kultur Schlagzeilen von sich machen.

Leipzig ist Bücherstadt. Die Buchmesse hat eine lange Tradition. Leipzig City of Culture.

Leipzig zeigt sich von seiner besten Seite. Inzwischen ist man ja auch erstmal relativ gut aufgestellt mit Schlafplätzen für Touristen. Denn ja, es sind wieder extrem viele Besuche auf dieser Buchmesse. Sogenannte "kulturell Interessierte". Wie viele werden es diesmal? In den letzten zehn Jahren haben sich die Besuchszahlen immerhin um 85.000 erhöht. Das ist in etwa die Einwohnerzahl meiner Heimatstadt.

2017 gab es 208.000 Besucher.

Die das so toll finden. Denn es gibt so viel tolles Programm. "Autor XY ist auch wieder da." - "Und das neue Buch, Mensch, ist das spannend."

Vier Tage findet man wieder, dass das Medium "Buch" gar nicht an Relevanz eingebüßt hat. Und vier Tage behauptet man wieder, man lese jetzt wieder mehr. Und vier Tage beweihräuchert man sich wieder, weil man total kultiviert ist. Und vier Tage bildet man sich wieder ein, dass Bücher lesen an sich schon total kultiviert ist. Und wirklich ein Großteil des Buchmesse-Publikums wird genau das denken. Denn die Buchmesse ist scheinheilig.

Felix Krause liest eigentlich sehr gerne.
Felix Krause liest eigentlich sehr gerne.

Es wird gerne ausgeblendet, dass eine Messe – und so auch die Leipziger Buchmesse – in erster Linie ein kommerzielles Ziel verfolgt. Und dass die sogenannten "Aussteller" auch in erster Linie ein kommerzielles Ziel verfolgen. Und so geben Autoren Interviews, beziehungsweise gehen von Promo-Termin zu Promo-Termin. Die Verlage drehen an der Werbetrommel, um ihre Bücher zu verkaufen. Hinter den Kulissen werden im großen Stil Verträge ausgedealt und die Messe GmbH ist der große Papa, der sich mit allem was geht eine goldene Nase verdient.

Ein Ticket für den Messesamstag kostet regulär 21,50€, ein belegtes Brötchen 4,20€.

Aber im Namen von Kunst und Kultur ist das ja vollkommen akzeptabel.

Die Buchmesse ist wie ein Bio-Supermarkt. Sie genießt einen unschuldigen Ruf. Eine Immunität, weil sie im Kern so gut ist. Aber wie beim Bio-Supermarkt geht es irgendwo doch nur ums Geld. Die Geschäftsführung von Alnatura besteht genau wie die Messe Leitung sicher nicht aus Menschen- und Kulturfreunden. Das ist Business.

Adorno hätte gesagt, wir leben in einem Zeitalter der Kulturindustrie.

Natürlich gibt es auch große Kunst und differenzierte Auseinandersetzung mit derselben auf der Buchmesse. In einem Bio-Supermarkt findet man ja auch gute Lebensmittel. Aber wir müssen bitte aufhören, zu denken, alles was so präsentiert wird, sei Kunst. Bücher werden zur Massenware dieser Tage. In allen Sinnen des Wortes. Wohlfühl-Kultur für alle. Heuchelei und große Gesten. Lärm, Aufregung und Hype.

Und genau aus diesem Grund kann und darf und wird ein Marcel Reich-Ranicki niemals den Deutschen Fernsehpreis annehmen.

Die Kolumne zum Nachhören:

Die Kolumne von Felix Krause.
 
 

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Felix Krause
16.03.2018 - 13:34