Kriegsdienstverweigerung in Israel

Gaza oder Gefängnis

Diese Wahl haben junge Männer und Frauen in Israel, wenn Sie eingezogen werden. Denn Kriegsdienstverweigerung wird mit Gefängnis bestraft. mephisto 97.6 hat einen israelischen Kriegsdienstverweigerer getroffen, der mittlerweile in Leipzig lebt.
Israelischer Kriegsdienstverweigerer Yoav Lewi
Israelischer Kriegsdienstverweigerer Yoav Lewi.

Yoav Lewi ist 34 Jahre alt. Seit neun Monaten lebt er in Leipzig. Seine Großeltern mussten in den 1930ern aus Deutschland fliehen. Deshalb ist er in Israel aufgewachsen, hat aber die deutsche Staatsbürgerschaft. Mit 34 Jahren ist er jetzt nach Deutschland gekommen.

Aktuelle Situation in Israel

Während Lewi in Deutschland ist, ist in Israel nach wie vor unklar, ob es bei der Waffenruhe bleibt. Am Sonntag wurde eine dreitägige Waffenruhe zwischen Israel und Palästina ausgehandelt. Sie gilt bis heute um 23 Uhr. Bisher sah alles sehr positiv aus, es fanden in den letzten Tagen sogar Friedensverhandlungen in Kairo statt. Zurzeit ist allerdings noch unklar, ob die Gespräche erfolgreich waren.

Allgemeiner Wehrdienst

Vor knapp einem Monat startete Israel eine Bodenoffensive. Die dafür eingesetzten Soldaten haben meistens ihren Militärdienst abgeschlossen und werden zu einem Reservedienst eingezogen. In der Regel dauern diese Einsätze drei bis vier Wochen. Wer dem Befehl nicht Folge leistet, muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Denn in Israel hat das Militär eine besondere gesellschaftliche Stellung. Jeder Mann muss 3 Jahre und jede Frau 20 Monate zum Militärdienst. Nur wenige Bevölkerungsgruppen sind von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen. So zum Beispiel die palästinensische Bevölkerung, schwangere und verheiratete Frauen und die ultra-orthodoxen Juden, die sich stattdessen dem Thora-Studium widmen.

"Ich werde mich nicht an der Besetzung beteiligen"

Als Yoav Lewi zum Militär ging, war er gerade 18 Jahre alt. Wie alle israelischen Männer hat er drei Jahre lang Wehrdienst geleistet. Und er war gerne dort. Sogar so gerne, dass er ein halbes Jahr länger geblieben ist, als er musste. Noch heute findet er es gut, dass jeder Mann und jede Frau Wehrdienst leisten muss. Jeder sollte seinen Teil zur Gesellschaft beitragen, findet er. Und da Israel eine Armee brauche, gehöre der Wehrdienst eben dazu. Aber die Besetzung in den palästinensischen Gebieten findet er unmoralisch. Dieser Zwiespalt hat ihn vor eine schwierige Entscheidung gestellt:

„Als sie mich dann das erste Mal für einen Reservedienst einziehen wollten, hatte ich den Mut einen Einsatz in den besetzen Gebieten in Palästina abzulehnen.“

Er ist trotzdem hingegangen und hat den Dienst bewusst verweigert. Denn sich von einem Arzt oder Psychologen krankschreiben zu lassen, wie es viele Israelis tun, war für ihn keine Option. Lewi sagt:

„Es war sehr wichtig für mich hinzugehen, um ihnen zu zeigen, dass ich grundsätzlich dienen will, mich aber nicht an der Besetzung beteiligen werde.“

Trotz allem noch immer loyal

Dafür wurde Lewi fünf Wochen in Haft genommen. Das ist jetzt elf Jahre her. Und auch wenn er jedes Jahr wieder einberufen wurde und abgelehnt hat, ist Yoav Lewy dem Israelischen Militär gegenüber noch immer loyal. Noch sechs Jahre lang kann die Israeli Defence Force ihn einberufen und er würde einer erneuten Einberufung auch folgen, wenn es bei dem Auftrag um die israelische Sicherheit gehe. Doch bei den meisten Einberufungen handele es sich um Aufgaben, die mit den besetzten Gebieten zu tun haben. Und die könne er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. Deshalb würde er in einem solchen Fall jedes Mal wieder ablehnen, so Lewi selbst.

 

Ein Portrait von Paula Zöhl über Yoav Lewi, der den israelischen Kriegsdienst verweigert hat.
Ein Portrait von Paula Zöhl über Yoav Lewi, der den israelischen Kriegsdienst verweigert.
 

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Paula Zöhl
13.08.2014 - 13:14