Konzertbericht: Mint Mind

Fuzzy Wuzzy Fuzzy

Rick McPhail, oder der Brite von den Tocos, wie er auch genannt wird, war mit seiner neuen Band im Conne Island zugast. Mint Mind, bedeutet Grunge-Punk der soliden Sorte. Viel zu wenig Leute haben davon etwas mitgekriegt. Aber dafür gibt es ja uns...
Rick McPhail

Erwartungen an das Konzert

... habe ich eigentlich keine. Um ehrlich zu sein, ist mir die ganze Woche irgendwie über den Kopf gewachsen. Am Abend des Konzerts kommt es aus verschiedenen Gründen so, dass ich erst um neun Arbeit Arbeit sein lassen kann (Anm.: Beginn der Veranstaltung war neun uhr). Nachdem ich mir in Windeseile was zu essen reingeschaufelt habe, geht's mit reichlich Verspätung und einer gehörigen Portion schlechtem Gewissen los nach Connewitz. Es kommt so, wie es kommen musste: Die Vorband ist schon vorbei und Mint Mind stehen bereits an ihren Instrumenten. An dieser Stelle ist es angebracht nochmal mein ehrliches Bedauern darüber auszdrücken, Particell, den Supportact aus Leipzig, verpasst zu haben. Nach intensiver Internetrecherche und mehrmaligen reinziehen ihrer Bandcamp-Seite umso mehr, denn die hätte ich auch gerne live gesehen. Sie seien hiermit jedem Leipziger und Nicht-Leipziger dennoch wärmstens ans Herz gelegt.

Erster Eindruck

Als ich das Island über den Seiteneingang betrete, fang ich mich an zu wundern. Wieso ist denn do so wenig los hier. Trotz meines verspäteten Eintreffens bin ich bestimmt erst Besucher Nummer 38, oder 50, wenn es hochkommt. Das Publikum hat einen Halbkreis der besonders undankbaren Sorte geformt, zumindest aus Künstlersicht. Egal wer da jetzt steht, er wird es schwer haben die Leute in Bewegung zu bringen. Rick Mc Phail gibt sein bestes. Mit britischem Akzent und Humor bekommst du ja viele Leute weichgeklopft, nur will der Funke nicht sofort überspringen. Das liegt weniger an ihm und der Musik von Mint Mind, als an der Pionierangst der Zuschauer. Keiner will der erste sein, der die Seele Baumeln lässt. Ich ertappe mich selber dabei. Also schnell ein Bier geholt, an dem die eigene Seele und man selbst sich festhalten kann, Jacke aus, in die Ecke gepfeffert und vom Fußwip-Modus in den Bangermodus umschalten. Leichter gesagt, als getan. Aber zumindest scheinen sich in der Zwischenzeit ein paar andere Mitmenschen das Gleiche gedacht zu haben. McPhails Beredsamkeit und der knackige Vortrag der Songs tragen ihren Teil zum Auflockern des Abends bei. Man merkt auf jeden Fall, dass es den Leuten Spaß macht.

Musik

Um es in den Worten der Neunziger auszudrücken: "Die Mucke schockt.". Sie ist auch ziemlich Nineties irgendwie. Natürlich um ein paar Facetten, wie obligatorische elektrische Spielerein, ergänzt. Die Fallen aber nicht sonderlich ins Gewicht. Die Skatergitarren und das donnernde, aber dennoch auf den Punkt gespielte Schlagzeug, an dem übrigens Sven Janetzko von Deichkind sitzt, stehen viel mehr im Vordergrund. Dabei entsteht ein ganz eigener "fuzzywuzzy Sound from middle aged folks who still know how to play", wie es Mint Mind selbst auf ihrer Bandcamp-Seite ausdrücken. Mir und dem Publikum gefällt das sehr. Und wenn dann noch einzigartige Coverversionen, wie "I don't wanna live on the moon" von Ernie aus der Sesamstraße, einfließen, oder "I can't stand it anymore" von Lou Reed als zweite Zugabe gespielt wird, schlägt einem das Herz vor Freude bis zum Hals.

Was bleibt...

... ist die Erinnerung an ein wunderbares Konzert, in dessen Genuss zu wenig Leute gekommen sind. Die Musik von Mint Mind verdient ein größeres Publikum. Rick McPhails britischer Humor, wenn er zum Beispiel den Tod von Lou Reed genauso bedauert, wie dessen Zusammenarbeit mit Metallica, oder er sich selbst als alternden Skateboarder mit noch älteren, verzweifelt den Kick suchenden Wohlstands-Motorradfahrern vergleicht, gebührt entsprechende Huldigung.
Make up your (mint) mind.

 

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André Beyer
31.01.2016 - 14:18
  Kultur