Rezension

Für eine Hand voll Staub & Glitzer

Joshua Tree, Südkalifornien: 4000 Seelen im Nichts der Mojave-Wüste, beißende Hitze. Hier vertraut sich Iggy Pop dem Queens of the Stone Age-Frontmann Josh Homme an. "Post Pop Depression" - ein altersweiser Abgesang auf vergessene Punk-Ekstasen?
Josh Homme, Dean Fertita, Matt Helders, Iggy Pop v.l.n.r.)
Josh Homme, Dean Fertita, Matt Helders, Iggy Pop v.l.n.r.)

"Raw Power!", schön und gut. Aber selbst der Prototyp des jungen Punk kommt in die Jahre. Mit dem 17. Solo-Album "Post Pop Depression" findet Iggy Pop sein Heil in der südkalifornischen Gluthitze. mephisto 97.6-Redakteur Paul Hildebrand sucht nach den Resten des Passengers und stolpert über: Einen Ex-Springteufel, breitbeinig zurückgelehnt: 

 

Queens of the Stone Age hin oder her - Als Produzent hilft Josh "Ginger Elvis" Homme gern bei der Selbstfindung: Die Vorstadt-Pickel der Arctic MonkeysPJ Harveys Groove-Abstinenz, die Selbstkarrikaturisten der Eagles of Death Metal - Josh Homme weiß Rat. Aber, was tun mit Grandseigneur Iggy Pop?

It's easy to keep a secret, when no one's there to tell."

Per Textnachricht habe alles begonnen, gesteht Iggy Pop in Stephen Colbert's Late Show. Josh Homme, gewohnt süffisant, nahm die schriftliche Einladung mit einem Augenzwinkern an: "It's a wonderfull way to get to know somebody." Es ist das erste Lebenszeichen von Post Pop Depression, die Arbeiten am 17. Soloalbum Iggy Pops blieben bis zuletzt geheim. Heimlichtuereien hat es wohl nicht gebraucht: Josh Hommes Studio, 200 Kilometer südlich von Los Angeles, liegt ziemlich ab vom Schuss. Den Schweiß von der Stirn und den Staub von den Stiefeln gewischt, outen sich Pop & Homme mit "Break into your Heart", der ersten Single des Albums.

"And you finally let me in" 

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Mit dem Opener "Break into your Heart" erteilen Pop & Homme der Easy-Listening-Fraktion eine frühe Absage. So schlecht sich die beiden Rock-Granden auch in Schubladen pressen lassen, es wird schnell klar: Die nächsten 40 Minuten werden unbequem, ruppig aber auch gallant - zu gleichen Teilen. Das folgende "Gardenia" macht den Eindruck aber je wieder wett - es darf mitgesummt werden. Als erste Singleauskopplung kommt es tanzbar daher, luftig, fast poppig - der Kopf will aus dem Schiebedach. "American Valhalla" erinnert an das verspielt düstere Innenleben der Queens of the Stone Age. Mit "In the Lobby" schieben Iggy Pop und Josh Homme eine groovige Blaupause nach, die der Arctic Monkeys-Drummer Matt Helders in "Sunday" zur treibenden Disco-Nummer veredelt. Während "Vultures" ringt Iggy Pop hörbar mit dem Wahnsinn: Grimmige Tango-Anleihen und die Überreste einer kauzigen Gitarre - so klingt wohl die Gluthitze der Mojave-Wüste. Bevor sie es in "Chocolate Drops" mit den großen Gefühlen aufnehmen, verstrickt Josh Homme den Altpunker in maschinenartige Riffs á la Them Crooked Vultures, seiner früheren Supergroup. "German Days" klingt nach Hommes Gitarrensound - staubtrocken und auf den Punkt.

Fazit:

Wer zynische Hymnen auf den Rock'n'Roll à la "Lust for Life" erwartet, wird herbe enttäuscht: Iggy Pop bannt wenig vom früheren Wahnsinn auf "Post Pop Depression". Was aus seinem Nähkästchen nach draußen dringt, fesselt jedoch. Der Ex-Springteufel des Punk lernt sich neu kennen und lässt sich von Josh Homme zu Ausflügen in das Theatralische, Düstere verführen. Iggy Pop drückt dem erdigen, treibenden Sound des Queens of the Stone Age-Frontmann seinen Charakter auf und das funktioniert. Beide zehren voneinander: Pop's Stimme besorgt die unverwechselbare Wärme und Charakteristik - Homme treibt ihn durch die Manege seines Sound-Zirkus.

 

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Iggy Pop & Josh Homme: Post Pop Depression

Tracklist:

1 Break Into Your Heart*

2 Gardenia

3 American Valhalla

4 In the Lobby*

5 Sunday*

6 Vulture

7 German Days*

8 Chocolate Drops*

9 Paraguay

*Anspieltipps

Iggy Pop auf Tour in Deutschland:

07. Mai: Berlin - Tempodrom

08. Mai: Hamburg - Mehr! Theater

28. Mai: München - Rockavaria

 

Iggy Pop in 140 Zeichen:

 

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