Schifffahrtsverordnung

Freie Fahrt auf Sachsens Seen

Ab Sonntag heißt es für Nachwuchs-Seefahrer: freie Fahrt auf Sachsens Gewässern! – auch ohne Führerschein. Nach der neuen Schifffahrtsverordnung im Freistaat dürfen Boote bis zu 15 PS jetzt auch ohne Bootsfahrschein gefahren werden.
Boote am Kai
Ab sofort dürfen auch Fahranfänger Boote bis zu 15 PS fahren.

Waren es bisher nur 5 PS, dürfen unerfahrene Bootsfahrer ab Sonntag auch Boote mit bis zu 15 PS steuern. Für Anfänger ist diese Regelung eine tolle Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf dem Wasser schon früh zu testen. Statt einer langwierigen und teuren Ausbildung zum Bootsführer reicht jetzt eine kurze Einweisung von dem Vermieter.

Die alten Hasen sehen das jedoch kritisch: Unausgebildete Segler stellen ein enormes Risiko auf öffentlichen Gewässern dar. Die Gefahren reichen von übersehenen und überfahrenen Schwimmern, über Motorbootfahrer, die die Bremswege von Segelbooten nicht einschätzen können, bis zu Seglern, die nicht wissen, wie man auf dem Weg zurück gegen den Wind kreuzt.

Warum also die Reform?

In vielen Bundesländern besteht die 15-PS-Regelung schon. So zum Beispiel auch in Brandenburg. Der Geierswalder See in der Lausitz ist sowohl Teil Brandenburgs als auch Sachsens. Wenn jetzt jemand also ohne Führerschein in Brandenburg auf den Geierswalder See fährt, durfte er bisher nicht weiter als bis zur Landesgrenze. Durch die neue Regelung wäre das kein Problem mehr.

Dies ist nur einer der Gründe, warum sich das sächsische Verkehrs-Ministerium dazu entschieden hat, die Regelungen zu lockern, erläutert Minister Sven Morlok (FDP):

"Gerade die Hotel- und Gastrobranche würden von mehr Touristen profitieren. Aber natürlich auch die Vermieter von Anlegeplätzen oder Bootsverleiher."

Folgen für die Branche

Denn, und auch das ist neu, der Freifahrtschein zählt auch für geliehene Boote. Ob der Wegfall der Scheinpflicht zum Ausleihen von Booten jedoch eine gute Sache ist, bezweifelt Bernd Schumann. Dem Segellehrer, der seit einigen Jahren eine Schule am Cospudener See betreibt, ist bewusst, dass der Segelschein nicht nur dem Besitzer und allen anderen Wasser-Verkehrsteilnehmern unschätzbar wichtig ist, sondern gerade auch für die Segelschulen. Ohne das Vorzeigen eines Segelscheins konnte man bisher keine Boote ausleihen, weil diese als Garantie gesehen wurden, dass der Mieter das Boot unversehrt zurückbringt.

Ob verpflichtend oder nicht, Schumann rät jedem angehenden Segler, sich vor dem ersten Fahren auf offenem Gewässer sachkundig zu machen. Ob das in einer Segelschule oder im Selbststudium passiert, hält er für unerheblich. Wichtig ist für ihn nur, dass am Ende eine amtliche Prüfung abgelegt wird, obwohl dies nicht mehr verpflichtend ist. Die kurze Einweisung vom Bootsverleih reicht einfach nicht aus für ein sicheres Fahrerlebnis.

mephisto 97.6-Redakteurin Franziska Lehnst über die Bootsreform
 
 

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Franziska Lehnst
29.08.2014 - 21:50