Konzertbericht

Forever's Come And Gone

Die Indie-Folk-Band Bear's Den haben am 19.Oktober 2015 in der Moritzbastei ihren ersten Auftritt in Leipzig gespielt. Wir waren natürlich dabei.
Die Band Bear's Den
Bear's Den

Erwartungen

Ich muss zugeben, meine Erwartungen waren so hoch, dass ich erwartete letzten Endes enttäuscht zu werden. Dafür gab es zwei simple Gründe. Erstens: als ich vor gut einem Jahr das erste Mal einen Song der Band anklickte, war ich begeistert, noch bevor der Song zur Hälfte ausgespielt war. Zweitens: ein Bekannter hatte die Band bereits letzte Woche in Frankfurt gesehen. Danach beschrieb er mir das Konzert als schlichtweg "überragend". Er erwähnte auch etwas von ausverkauft, doch das habe ich anscheinend ausgeblendet, denn irgendwie ging ich auch mit der Erwartung an ein total kleines Konzert zur Moritzbastei. Meine letzte Erwartung war ein bestimmter Song. Das mache ich seit meinem allerersten Konzert so, und bin dann immer bitter enttäuscht, wenn eine Band diesen Song nicht spielt. In diesem Fall wollte ich "Elysium" hören.

Erster Eindruck

Es ist total voll. Jetzt erinnere ich mich wieder an das "ausverkauft" und realisiere erst, wie falsch ich mit der Vermutung eines kleinen Konzerts lag. Gemütlich finde ich es aber in der Moritzbastei trotzdem. Folk Musik passt einfach gut in diesen Raum. Ich bin dann trotzdem schnell genervt, denn das Publikum scheint sich überhaupt nicht dafür zu interessieren, dass die "Vorband", die Folk-Sängerin Lisa Mitchell, anfängt zu spielen. Manche sind sogar so respektlos über ihre Lyrics zu lachen. Innerlich wappne ich mich schonmal, mich für den Rest des Abends über solche Dreistigkeit aufzuregen. Irgendwie wird es dann zu Bear's Den auch noch viel voller. Das hätte ich gar nicht so für möglich gehalten. Es ist ziemlich laut im Publikum - bis Bear's Den dann ihren ersten Song anstimmen.

Musik

Der erste Song ist Elysium. Ich bin begeistert, aber ich bin nicht die einzige. Als das ruhige Intro des Songs vorbei ist, gibt es bereits Applaus. Die Musiker schaffen eine so bannende, intensive Atmosphäre, dass ich den Raum voller Menschen völlig vergesse. Auf einmal sind alle ruhig, geradezu andächtig. Die Band spielt und singt einen Song unplugged, sie animieren das Publikum zu einem Klatsch-Rythmus während "Think Of England" (mit der Ansage, dass ohne das Klatschen jeder im Raum 4 Minuten seines Lebens verschwenden würde- finde ich nicht, aber trotzdem witzig!). Sie halten die Stimmung, die seit dem ersten Song herrscht. Die teilweise sehr bewegenden, emotionalen Texte fallen trotz stimmungsvoller, tanzbarer Melodie auf. Das liegt daran, dass sie mit einer klaren, durchdringenden Stimme vorgetragen werden.

Show

Vom ersten bis zum letzten Song ist das ganze Publikum mitgerissen. Das besteht übrigens aus Besuchern jeder Altersklasse, von denen viele sehr textsicher wirken. Ohne viel Schnickschnack, ohne Lichteffekte und eben teilweise sogar ohne Strom, schaffen Bear's Den ein wirklich eindrucksvolles Konzert. Es wird sogar ein komplett neuer Song gespielt. Das muss irgendwie auch sein, denn obwohl Bear's Den jeden einzelnen ihrer Songs spielen, ist das Konzert viel zu kurz. Aus dem Publikum kommt sogar die Aufforderung, einfach nochmal einen bereits gespielten Song anzuspielen. Den letzten Song kündigen Bear's Den scherzhaft an. Sie betonen, dass sie ganz sicher auf keinen Fall danach noch mal auf die Bühne kommen würden. Das wäre ja völlig unüblich. Die erste Zugabe spielen sie dann allerdings wirklich nicht auf der Bühne, sondern inmitten des Publikums, das sich dafür sogar hinsetzt (und das im ausverkauften Raum!). Ich muss gestehen, dass ich inzwischen finde, dass zu viele Bands einen Song im Publikum spielen. Daher ist es für mich kein Highlight. Schön ist es aber trotzdem. 

Was in Erinnerung bleibt

In erster Linie bleibt die Stimmung in Erinnerung, die während dem ganzen Konzert herrscht. Ich suche das Konzert über auch wirklich ständig nach etwas negativem, um nicht wie ein Fangirl zu berichten. Aber ich bin wirklich überzeugt. Bear's Den gefallen mir auf CD gut, aber live kommen sie viel mehr aus sich heraus. Obwohl es ruhige Folk-Musik ist, tanzen die meisten oder nicken zumindest energisch mit den Köpfen mit. Der Klang der Musik ist auch sehr sauber und angenehm. Meiner Meinung nach verdienen Bear's Den live tatsächlich die Beschreibung "überragend".

 

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