Literatur

Fluss des Lebens

Der besondere Zauber des Flusses durchzieht die menschliche Geschichte mit Sehnsucht, Poesie, aber auch Mobilität. Diesen verschiedenen Perspektiven widmet sich nun ein Buch von Studenten und Wissenschaftlern der Universität Leipzig.
Das Werk versammelt Flussgeschichte(n) zwischen seelischer Faszination und kulturellen Aspekten

Das Wasser als Element des Lebens für Planet, Mensch und Tier findet im Fluss seine wohl eleganteste und geheimnisvollste Daseinsform. Wer am Ufer steht und den Wellen nachschaut, verspürt eine leise Ahnung der Dinge und Welten, die hinter der nächsten Biegung des Wasserlaufes warten könnten. Alles fließt, nichts unterliegt der Beständigkeit. Der Fluss ist die natürliche Visualisierung dieser Regel. Kein Wunder also, dass er der Literatur eine stetige Inspiration ist. 

Gemeinschaftswerk zum Thema Fluss 

"Flüsse in Literatur und Kultur" – das war der Name des Seminars, mit dem alles begann. Studierende der Slawistik und Anglistik an der Universität Leipzig setzten sich darin gemeinsam mit der menschlichen Faszination für den niemals stillstehenden Wasserstrom auseinander, beachteten aber auch ökologische und politische Aspekte des Themas. Das Ergebnis ist "Flüsse", ein 300-seitiges Werk mit Texten über die verschiedensten Flüsse der Welt. Amazonas, Kongo und Nil, Wolga, Moldau, der Rhein und weitere werden von den Studierenden beschrieben. Aber auch Virginia Woolfs Verbindung zum Fluss Ouse, unter dem Gesichtspunkt des Gedankenstromes, wird behandelt, ebenso wie Mythen von Wasserwesen und Nixen. 

Rückkehr der Nixen 

Prof. Dr. Elmar Schenkel und Nicolai Czemplik

Mit diesen hat sich Nicolai Czemplik beschäftigt, Studierender der Westslawistik. Sein Text ist im vorderen Teil des Buches zu finden, beginnt mit einem Ausschnitt aus seinem eigenen Gedicht. Der Student glaubt, dass wir uns aufgrund unserer schnelllebigen Gegenwart wieder verstärkt der Natur zuwenden wollen, weshalb Fabelwesen heute eine Art Renaissance erfahren. Für ihn gibt es aber zudem noch einen simpleren Grund:

Ich gehe auch davon aus, dass die technischen Möglichkeiten die wir haben, auch in einem ganz anderen Bereich, nämlich in Videospielen und im Kino, die Möglichkeit eröffnen, diese Wesen, die es noch in der Erinnerung oder im Volksglauben gibt, auf die Leinwand zu bringen.

Nicolai Czemplik, Slawistikstudent

Prof. Dr. Elmar Schenkel lehrt am Institut für Anglistik und ist einer der beiden Herausgeber von "Flüsse". Er arbeitete bereits mit Studierenden an einem Buch zum Thema "Englisches Leipzig". Schon aus den ersten Gesprächen zwischen den Bereichen Anglistik und Slawistik gingen für ihn hervor, dass Flüsse in beiden Kulturen eine wichtige Rolle spielen, wie auch für das menschliche Dasein überhaupt. 

Flüsse haben mit der menschlichen Entstehung zu tun, das Kulturleben orientiert sich an Flüssen. (...) Wir befinden uns selbst in einem dauernden Fluss, wir verändern uns. Wir reden auch von Datenflüssen, Erinnerungsflüssen, also ich denke, das Thema ist sehr nah.

 Prof. Dr. Elmar Schenkel, Institut für Anglistik 

Auch politisch sei der Fluss schon immer sowohl Grenzmarkierung als auch Kommunikationsort gewesen. 

So stetig wie der Fluss sich bewegt und weiter entwickelt, so denken die Studierenden bereits wieder über ein neues Projekt nach: Ein Buch über Berge soll es werden. Rheinhold Messner hatte zwar keine Zeit, das Vorwort zu verfassen, aber Prominenz sollte hier ohnehin eine untergeordnete Rolle spielen.

Das komplette Interview können Sie hier nachhören:

Prof. Dr. Elmar Schenkel und Nicolai Czemplik im Interview mit Moderator Andreas Funke
 
 

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Weitere Informationen 

"Flüsse" ist ein Gemeinschaftswerk von Wissenschaftlern und Studenten der Universität Leipzig. Es ist im Hamouda-Verlag Leipzig erschienen.

Die Herausgeber, Anglistik-Professor Elmar Schenkel und Dr. Hans-Christian Trepte vom Institut für Slavistik, stellen das Buch heute (9. Juni 2015) um 19 Uhr im Leipziger Grassimuseum vor.