Gespräche auf dem Roten Sofa

Flüchtlingspolitik seit 20 Jahren

Seit 2005 arbeitet Christian Jakob für die Tageszeitung taz. Dabei konzentriert er sich vor allem auf die Themen Migration und soziale Bewegung. Seine langjährigen Erfahrungen zu diesem Thema hat er jetzt in seinem Buch „Die Bleibenden“ verarbeitet.
Christian Jakob
Christian Jakob im Gespräch mit Moderatorin Ina Beyer

Christian Jakobs drittes Buch besteht in etwa zur Hälfte aus Portraits von Geflüchteten in Deutschland. Dadurch gibt er den Menschen, die vor Krieg, Hunger und Armut zu uns fliehen, Gesichter. Sie bleiben nicht die anonyme Masse, die man in den Bildern der Nachrichten sieht. Die Portraits erzählen die Geschichten von Geflüchteten, die versuchen, ihre Lebensbedingungen im Deutschland in den 1990er und 2000er Jahre zu verbessern. Denn zu dieser Zeit möchte Deutschland kein Einwandererland mehr sein, nicht so wie kurz nach dem 2. Weltkrieg. Deswegen werden Geflüchtete abseits von Städten und kleinen Ortschaften in ehemaligen Jugendherbergen und im Osten in alten NVA-Kasernen einquartiert. Dort haben sie so gut wie keine Chance auf Integration. Christian Jakob erzählt von Geflüchteten, die Organisationen gründen, die in den Hungerstreik treten und von denen, die zumindest ein bisschen an ihrer Situation ändern. Zugleich erzählt er aber auch von denen, die es nicht schaffen, die in der Bürokratie untergehen, von Polizei und Politik schikaniert werden. Und für manche von ihnen endet ihr Kampf auch tödlich.

Verstehen helfen

Christian Jakob hat mit „Die Bleibenden“ das Buch der Stunde geschrieben. Die Lektüre erweckt auf den ersten Blick vielleicht den Eindruck, Mitleid für die Situation der Geflüchteten zu erzeugen. Allerdings beschreibt Jakob am Ende des Buches auch viele Möglichkeiten, wie die Situation für alle positiv gelöst werden kann. Das Buch ist definitiv keine leichte Kost, das man einfach mal eben weg liest. Aber es lässt einen die Situation der Geflüchteten in Deutschland in den letzten 20 Jahren bis heute verstehen.

Christian Jakob im Interview mit Moderatorin Ina Beyer
Christian Jakob im Gespräch mit Moderatorin Ina Beyer
 

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Christian Jakob ist seit 2005 bei der taz, wo er in der Redaktion für Recherche und Reportage tätig ist. Dort kümmert er sich vor allem um die Themen Migration, soziale Bewegungen und Entwicklung. In seinem ersten Buch „Soziale Säuberung“ beschreibt er die Vertreibung der afroamerikanischen Unterschicht aus New Orleans nach dem Hurrikan „Katrina“. 2011 erschien sein zweites Buch „Europa macht dicht“.