Clubszene in Leipzig

Feiern geht noch?

Während sich die Fußballstadien wieder füllen, ist von tanzenden Menschenmassen in Clubs noch lange nichts in Sicht. Auch in der neuen Coronaverodnung besteht das Tanzverbot für Musikclubs. Doch wie geht die Club- und Partyszene in Leipzig damit um?
DJ und Party
Duch das Aufallen von Partys haben auch DJs keine Aufträge mehr.

Mal wieder unbeschwert eine Nacht in einem dicht bedrängten Club durchmachen, klingt mittlerweile schon fast utopisch. Seit Beginn der Pandemie waren Clubs die ersten Orte, die schließen mussten und bis heute ist von einer gänzlichen Öffnung noch nichts in Sicht. Die Corona Schutzverordnung in Sachsen erlaubt es zwar den Clubs unter Auflagen wieder zu öffnen, doch die Clubs selbst und auch deren Gäste sind noch sehr vorsichtig. Und diese Vorsicht bringt die Clubbetreiber*innen in einen Erklärungszwang den Behörden gegenüber, weil sie theoretisch ihren Betrieb eingeschränkt wieder aufnehmen könnten. Aber so einfach ist das nicht. Steffen Kache ist Clubbetreiber des ältesten Technoclubs der neuen Bundesländer „Distillery“ oder kurz „Tille“ genannt. Er hat in einem Interview erzählt, dass Abstandsregeln und Maskenpflicht im Clubkontext schwierig umsetzbar seien.

Weil so ein Clubabend wird dadurch erst spannend, dass die Leute eng zusammen sein können, dass sie feiern können. Und ab einem bestimmten Zeitpunkt denkt niemand mehr an die Maske oder an Abstand.

Steffen Kache, Clubbetreiber der Distillery

Zudem könnten Clubs nur 20% der üblichen Gästekapazität an einem Abend reinlassen, um den Abstand zu gewähren und das würde sich für viele finanziell nicht lohnen.

Das Gemeinschaftliche fehlt

Im Sommer war es dennoch möglich, mit Abstand und unter freiem Himmel Open Airs zu veranstalten. So gab es zum Beispiel im Biegarten der Tille kleine Veranstaltungen. Diese waren nicht nur aus finanziellen Gründen wichtig, sondern haben auch den Zusammenhalt des Clubteams nach der langen Zwangspause bestärkt.

Der gemeinschaftliche Aspekt ist auch Albrecht Buda beim Feiern gehen sehr wichtig. Albrecht ist seit sieben Jahren DJ und vermisst neben dem Auflegen das Setting einer Party und den Austausch zwischen Publikum und DJ. Durch Corona und dem Ausfallen von Partys musste er leider seine DJ-Tätigkeit vorerst pausieren. Alternativ dazu belegte er stattdessen einige online Producer Workshops, die sich in der Zeit von erfahrenden DJs etabliert haben.

Clubsterben in Leipzig

Mit dem Ausbleiben von Partys fällt also auch ein großer sozialer Treffpunkt weg. Zwar gab es Online Streams, wie Unitedwestream, die versucht haben, den Club in die eignen vier Wände zu bringen, doch der digitale Raum ersetzt nicht das soziale Miteinander auf einer Party. Auch deshalb ist die Befürchtung groß, dass Clubs durch die jetzige Situation schließen müssen, weil sie kaum Einnahmen haben: das sogenannte Clubsterben. Nicht nur seit der Corona Pandemie stehen viele Clubs vor dem aus. Schon seit einigen Jahren sind Leipziger Clubs davon betroffen. Gentrifizierung und Städtewachstum und dadurch zunehmender Wohnungsbau sind häufige Gründe dafür. Ein bekanntes Beispiel aus dem letzten Jahr ist die Schließung des Clubs So&So im Leipziger Osten, der aufgrund von neuem Wohnungsbau abgerissen werden musste. Doch warum ist die Feierkultur so wichtig für Leipzig? Steffen Kache betont, dass Clubs entscheidend für die Subkultur und freie Szene einer Stadt seien. So unterstützen Clubs z.B. Nachwuchskünstler*innen und bieten generell einen Ort der Zusammenkunft außerhalb des Alltags und der Mainstreamgesellschaft.

Wir bringen Menschen zusammen! Für die gesamte Stadtgesellschaft sind Clubs und diese freie Szene und diese Kulturen ein ganz wichtiger Punkt; einfach für das Leben der Stadt.

Steffen Kache, Clubbetreiber der Distillery

Clubs sind somit wichtige sozio-kulturelle Orte einer Stadt. Und um diesen sozialen Raum aufrecht zu erhalten, hat sich auch das Leipziger Kollektiv „Vak“ vor zwei Jahren gegründet. Sie sind das Sprachrohr für die freie Szene in Leipzig. Mit Projekten versuchen sie, in Corona Zeiten die unkommerziellen Kollektive zu unterstützen, die nicht direkt auf Kulturförderungen (wie z.B. die kürzlich von der Stadt Leipzig beschlossene Kulturhilfe im Wert von 200.000€) zurückgreifen können. Vor Corona verlief dies auch viel durch Veranstaltungen und Open Airs. Micha Ziegenhorn vom Vak Kollektiv erklärt, welche Alternative sie nun geschaffen haben:

Was wir gerade versuchen ist die ganzen Läden zu unterstützen mit z.B. unserem Solisampler. Und die Erlöse die wir da raus bekommen, gehen an ganz viele verschiedene Ladenprojekte. Z.B. haben wir damit 2 Küfas unterstützt.

Micha Ziegenhorn, Vak Kollektiv

Mit Geld unterstützen

Und um Geld kämpfen viele Kulturschaffende. Ob Solitickets, diverse Spendenaufrufe oder Soli Playlists. Es werden viele Initiativen geschaffen, um die Kulturszene in Leipzig am Leben zu erhalten. Auf der Website https://dasistleipzig.de/hilfsangebote/ gibt es eine Auflistung von Hilfsangeboten, wo Kulturschaffenden in Leipzig geholfen werden kann. Gleichzeitig bietet die Seite auch einen Platz für Kultureinrichtungen an, die durch Corona in finanzielle Not geraten sind: https://dasistleipzig.de/hilferuf/. Auf diese Art kann ihnen direkt Geld gespendet werden. Aber auch Aktionstage wie am 20.09.2020 unter dem Motto #nurmitkultur sollen auf die prekäre Lage der Kulturschaffenden Aufmerksam machen. Schon im Juni fand dieser Aktionstag statt und war ein Erfolg. Der Stadtrat beschloss daraufhin 200.000€ Kulturhilfe. Mit dem Geld entstand das Outside Festival und somit ein Raum für Kultur und Partys.

Unbeschwert Feiern gehen ist vielleicht gerade nicht möglich, aber dafür ist der Zusammenhalt in der Club- und Kulturszene gewachsen. Gemeinsam kämpfen sie um ihre Existenz. Und damit auch für das Leben der Stadt.

 

Der Beitrag von Wiebke Drescher über die Club- und Partyszene in Leipzig
Clubszene Corona
 

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