Witold Giersz

Farben im Galopp

Der polnische Regisseur Witold Giersz ist eine Legende des Animationsfilms. Bereits 1961 gewann er einen Sonderpreis auf dem DOK. Mittlerweile umfasst sein Werk fast 60 Filme. Grund genug für die Veranstalter ihm jetzt eine Hommage zu widmen.
Witold Giersz (Mitte) bei der Festivaleröffnung mit Programmdirektorin Grit Lemke und Rainer Mende vom polnischen Institut.
Witold Giersz (Mitte) bei der Festivaleröffnung mit Programmdirektorin Grit Lemke und Rainer Mende vom polnischen Institut.

Malerei wird bei Witold Giersz lebendig. Marie Kraja hat den polnischen Animationsfilmer auf dem DOK getroffen: 

Marie Kraja zum Werk Witold Giersz'.

Höhlenmalerei- das klingt nach verstaubten Museen, Büchern und gelangweilten Geschichtsprofessoren. Dass die Pinseleien aber auch viel Leben beinhalten können, zeigt dieses Jahr auf dem DOK der Animationsfilm „Signum“. Der Mann dahinter, ist nicht ganz so alt wie der Stoff seines neuesten Werkes - eine Legende ist er trotzdem. Der polnische Regisseur Witold Giersz macht bereits seit 60 Jahren Animationsfilme. 1961 wurde er bereits für seinen Film „ little western“ beim Dok ausgezeichnet. Nun ist er mit 88 Jahren dieses Jahr der älteste noch lebende Preisträger des DOKs. Grund genug für die Veranstalter, ihm dieses Jahr eine Hommage zu widmen. „Farben im Galopp“ heißt die Reihe, bei der insgesamt 12 Filme des Regisseurs gezeigt werden.

Farbakrobat und Bastler

Der Name ist eine Anspielung auf den eigenwilligen Stil Gierszs: Seine Figuren sind oft nicht mehr als springende Farbklekse, aus Öl- oder Wasserfarben. Giersz malt direkt auf Zelluloid. Ein Bild ist oft also nur einen Pinselstrich vom nächsten entfernt.Überhaupt spielt die Malerei eine wichtige Rolle in seinem Werk: Oft entsteht sogar der Stoff einer Geschichte aus dem Material selbst. Sein Werk „Oczekiwanie“ (awaiting) zeigt das besonders deutlich. Während ein Mann in einem Café auf seine Geliebte wartet, formt er Figuren aus der Serviettenpapier, die sich kurz darauf in eine Liebesgeschichte verwickeln. Das, was die Liebe ausmacht, stecke schon in dem Material selbst, erklärt Giersz. Papier eigne sich einfach wunderbar dazu zu brennen, oder so zu zerknicken, dass die Falten noch lange sichtbar wären. In der Liebe sei das ähnlich. 

 

Zwischen frechen Pointen und dem roten Sieb

Neben dem Künstler und Farbakrobaten, ist Giersz aber auch ein Geschichtenerzähler: Was zu anfangs nur ein blasser Farbklecks ist, entpuppt sich innerhalb weniger Sekunden als Protagonist. Im nu entspinnt sich ein Konflikt, der nicht selten in einer Pointe endet. Seine Geschichten haben eine Leichtigkeit, die trotz des teils anspruchsvollen Stoffs immer wieder überrascht. Das ist, gerade vor dem Hintergrund seines künstlerischen Schaffens ungewöhnlich. 1956 gründete Giersz das „Studio Miniatur Filmowych“ in Warschau und debütierte mit seinem ersten Film. Jeder in Polen produzierte Film wurde damals zunächst vom nationalen Komitee für Kinematographie abgesegnet. Alles was nicht durch „ das rote Sieb“ ging, verschwand oftmals für immer in den Archiven. Sein Film „Gwiazda“, der an George Orwells „1984“ angelehnt ist, sollte ursprünglich ein Dreiteiler werden. Der erste Teil wurde 1984 veröffentlich. Die anderen zwei schluckten die Archive.

der Nullpunkt kann auch ein Neuanfang sein

Giersz, der für sein Werk namenhafte Preise in ganz Europa gewonnen hat, ist mit 88 Jahren noch lange nicht am Ende seiner Karriere angelangt, wie er sagt. Sein Film „Signum“, der eine Jagd über eine Steinzeitliche Hölenwand darstellt, sei trotzdem gewissermaßen der Höhepunkt seines Oevres. Er habe sich fast 60 Jahre an der Malerei abgearbeitet, und sei nun beim absoluten Nulllpunkt gelandet. Sich damit zu begnügen, sei für den 88 Jährigen aber keine Option. Der Nullpunkt der Malerei, könne eben auch eine Chance für einen Neuanfang sein. 

In seinem neuen Film "Signum" erweckt Giersz Höhlennmalerein zum Leben.
 

 

 

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