Gespräche auf dem Roten Sofa

Fantasy vs. Fanfiction, was bringt mehr?

Fantasy-Literatur erlebt seit mehr als zehn Jahren einen großen Hype in der Literatur. Doch warum hat es sich so entwickelt? Und wie gehen Autoren damit um? Markus Heitz und Maria Fleischhack haben sich darüber auf unserer Bühne Gedanken gemacht.
Markus Heitz (li.), Maria Fleischhack (mi.), Thilo Körting (re.)
Markus Heitz (li.), Maria Fleischhack (mi.), Thilo Körting (re.)

Dann kam die Verfilmung von Herr der Ringe und alle wussten plötzlich was Fantasy ist.

Markus Heitz zum Einstieg in die Gesprächsrunde.

Mit dieser Aussage hat Markus Heitz nicht unrecht, zumindest wenn man bedenkt, dass die Bücher von J. R. R. Tolkien bereits Mitte des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, in den 70ern zwar einen Boom erlebten, der jedoch zur Jahrhundertwende längst wieder verebbt war. Mit der Verfilmung von Peter Jackson aus dem Jahre 2001 waren sie dann endgültig in aller Munde und fanden als Buch oder Film ihren Platz im heimischen Regal.

Die Fantasy-Literatur hat jedoch eine wesentlich längere Geschichte, sie begann nicht erst mit Tolkien. Als Randsparte fand sie ihren Platz neben den großen Genres, war aber nur für Kenner verständlich. Sprach man noch vor 20 Jahren von Orks oder Elben, wurde man meist fragwürdig angeschaut, was das denn sein solle.

Die Autoren der Fantasy-Literatur waren, zusammen mit ihren Fans, eine eingeschworene Gemeinde. Doch durch die Hollywoodstreifen von Peter Jackson kennt mittlerweile jedes kleine Kind die Geschichte von Frodo und seinen Gefährten. Auch deutsche Fantasy-Autoren wie Wolfgang Hohlbein oder Markus Heitz kennt man mit ihren Geschichten über Zwerge und andere Fabelwesen mittlerweile weltweit.

Immer nur über Zwerge schreiben, wäre mir zu langweilig. Aber es geht darum zu zeigen, wie abwechslungsreich das Fantasy Genre ist. Elfen kommen viel besser an als Zwerge.

Markus Heitz

Fantasy hat aber nicht nur deutlich mehr Anhänger in der Leserschaft gewonnen. Mittlerweile gibt es auch qualitative Unterschiede unter den Schriftstellern. Im Wesentlichen gibt es die Autoren, die mittels ihrer Kreativität etwas Neues erschaffen, und die, die auf einen Hype aufspringen und daher keine eigene Welt produzieren. Dr. Maria Fleischhack forscht an der Universität Leipzig zum Thema Fantasy und Fan Fiction. 

Man kann die, die unter Fantasy ein Handwerk verstehen, deutlich unterscheiden von denen, die jetzt auch nochmal schnell ein Buch über Drachen schreiben wollen.

Dr. Maria Fleischhack

Es macht einen deutlichen qualitativen Unterschied, ob ein Autor seine eigene Welt produziert und eigene Charaktere beschreibt, oder von anderen Autoren kopiert. Anders ist es aber, wenn Fans in der Welt des Autors schreiben und eigene Geschichten erfinden oder selbst eine Fortsetzung schreiben. Diese Form der Literatur nennt man Fan Fiction. Dazu stellten wir im Interview folgende Frage:

Thema Fan Fiction: Wieso ist etwas in Buchform im Buchladen ein Roman, wenn es online in Foren nur Fan Fiction genannt wird?

 

Alles ist Fan Fiction, auch Shakespeare hat von Marlowe abgeschrieben.

Dr. Maria Fleischhack

Auch Verlage sind inkognito auf Fanforen unterwegs und scouten neue Autoren.

Markus Heitz

Was aber bringt Fan Fiction den Schriftstellern? Welche Vermarktungsstrategie braucht ein Fantasy-Autor um kommerziellen Erfolg zu erzielen? Die Autoren Markus Heitz und Maria Fleischhack haben diese und weitere Fragen auf dem Roten Sofa beantwortet.

Markus Heitz und Maria Fleischhack im Gespräch mit Moderator Thilo Körting
 
 

Kommentare

Moinsens allerseits,

Ich weiß nicht wirklich, wo das "verebbt war" zum "Herr der Ringe" herkommt, der um die Jahrtausendwende auf der gesamten Welt entweder Lieblingsbuch des jeweiligen Landes, irgendwelcher Buchvertriebler oder zumindest unter den jeweiligen Top Ten zahlloser "Best of-Listen" war.

Das scheint ein ständig vorgebrachtes Argument für den Erfolg der Filme zu sein, wenn doch die Argumentationskette eigentlich genau andersherum funktioniert - die Filme waren nur deswegen so erfolgreich, weil sie sich den erfolgreichsten Roman des 20. Jahrhunderts zur Vorlage genommen haben.

Aber das ist natürlich gegen die Windmühlen an-argumentieren. Peter Jackson hat diesen uralten, total vergessenen Schinken ja vor dem Untergang bewahrt. Dank sei PJ! [/sarcasmoff]

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Markus Heitz wurde am 10. Oktober 1971 in Homburg geboren und ist deutscher Journalist, Fantasy-, Horror- und Science-Fiction-Autor. Sein Abitur machte Markus Heitz 1991 an der katholischen Privatschule Johanneum in Homburg. Nach seinem Grundwehrdienst in Bexbach studierte er Germanistik und Geschichte auf Lehramt. Anschließend begann er als freier Journalist bei der Saarbrücker Zeitung. 2003 erhielt er für seinen Debüt-Roman „Die Dunkle Zeit 1 – Schatten über Ulldart“ den Deutschen Phantastik-Preis.
 

Dr. Maria Fleischhack lehrt am Institut für Anglistik der Universität Leipzig. Sherlock Holmes ist ihre Passion, weshalb sie auch ein Fanfiction-Buch über den berühmten Detektiv herausgebracht hat. Sie ist Mitglied des internationalen Podcasts »The Baker Street Babes« und veröffentlicht regelmäßige Beiträge in den Mitgliedermagazinen der deutschen und der amerikanischen Sherlock-Holmes-Gesellschaft, den »Baker Street Irregulars«. Außerdem lehrt sie wissenschaftlich über Fantasy und Fanfiction.