Leipziger Mediziner in Äthiopien

Exquisit – aber schlecht ausgestattet

Für zwei Wochen besuchte Professor Franz Wolfgang Hirsch die äthiopische Uniklinik in Addis Abeba. Der Leipziger Kinderradiologe wirkte dort an einem Projekt mit, das Erfahrungsaustausch ermöglichen sollte. Was er erlebt hat, erzählt er im Interview.
Hirsch
Professor Franz Wolfgang Hirsch im Gespräch mit seinen Kollegen.

Ein internationales Team aus Wissenschaftlern hat es sich zum Ziel gemacht, eine spezialisierte Kinderradiologie in Äthiopien aufzubauen. An dem Projekt beteiligt ist auch der Leipziger Radiologe Professor Franz Wolfgang Hirsch, der die letzten zwei Wochen in der ostafrikanischen Stadt Addis Abeba verbracht hat. Dort hat er zusammen mit äthiopischen Kollegen in dem Universitätskrankenhaus gearbeitet und Erfahrungen ausgetauscht. Positiv überrascht hat ihn vor allem, wie gut die Ärzte vor Ort ausgebildet sind – trotz der vergleichsweise geringen technischen Ausstattung.

Einfach umdenken

Zwar besitzt das Universitätskrankenhaus etwa ein CT-Gerät, das kann aber wegen der unsicheren Stromversorgung nicht genutzt werden. Stattdessen werden Methoden wie Ultraschall- oder Röntgen-Untersuchungen durchgeführt. "Im Allgemeinen ist die Kenntnis der Kollegen über Ultraschall exquisit", so Hirsch, der hier auch von der Erfahrung der äthiopischen Ärzte profitieren konnte. Er hat vor Ort auch Krankheiten kennengelernt, die ihm bisher nicht bekannt waren. "Ich hab Herzsilhouetten im Röntgenbild gesehen, die ich hier noch nie gesehen habe." Die Erlebnisse dort hätten vieles relativiert und ihm noch einmal vor Augen geführt, welch hoher Standard in deutschen Kliniken gelte.

Großes Interesse an Kinderradiologie

Insgesamt gebe es 180 Radiologen in Äthiopien – 160 davon hätten an einer gemeinsamen Weiterbildung teilgenommen. Es ging vor allem um die speziellen Anforderungen, die eine Untersuchung von Kindern erfordert. Obwohl es methodisch keine großen Unterschiede zu Erwachsenen gibt, sind die Ärzte doch mit anderen Erkrankungsspektren, wie etwa Fehlbildungen, konfrontiert, so der Leipziger Mediziner. Zudem gibt es eine besondere demografische Situation in Äthiopien, da rund 60 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahre alt sind. Auch stellen Infektionskrankheiten, wie Tuberkulose, weiterhin große Probleme dar. Hirsch hofft, sich weiter für das Projekt engagieren zu können und vielleicht auch mal äthiopische Kollegen in Leipzig begrüßen zu dürfen.

 

mephisto 97.6-Redakteurin Anna Vogel im Gespräch mit Professor Franz Wolfgang Hirsch.
Kinderradiologie
 

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